Montag, 16. September 2019

Mannesmann, 1. Prozesstag Störende Geräusche und "geordnete Verhältnisse"

Nach drei Stunden ist der erste Verhandlungstag der Mannesmann-Revision beendet. Die Angeklagten berichten nicht nur über ihre Einkommensverhältnisse: Der ehemalige Gewerkschaftschef Klaus Zwickel berichtet auch über Klaus Essers Führungsstil und über ein entscheidendes Telefonat im Frühjahr 2000.

8.45 Uhr: Wie schon bei der ersten Auflage des Mannesmann-Prozesses ist auch bei dem heute beginnenden Revisionsverfahren das Medieninteresse sehr groß. Zahlreiche Kamerateams haben sich an diesem schönen Oktobermorgen bereits vor dem Düsseldorfer Landgericht postiert. Noch wurde aber keiner der Angeklagten gesichtet.

Im Blitzlichtgewitter: Deutsche-Bank-Chef Ackermann
8.55 Uhr: Josef Ackermann ist im Gericht angekommen. Offenbar weitgehend unbemerkt vom immer noch am Hintereingang wartenden Pressetross hat er das Gebäude betreten.

9.00 Uhr: Wie beim letzten Prozess betritt Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser das Landgericht durch den Haupteingang. Auf Fragen antwortet er nur "Guten Morgen, guten Morgen" und bahnt sich stur seinen Weg.

9.05 Uhr: Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel hat mit seinen Verteidigern bereits im Gerichtssaal Platz genommen, der sich bereits mit Zuschauern und Journalisten gut gefüllt hat.

9.15 Uhr: Ackermann betritt unter Blitzlichtgewitter mit seinen Verteidigern den Saal. Auch die übrigen Angeklagten und die Vertreter der Staatsanwaltschaft haben sich auf ihren Plätzen eingefunden. Ackermann wirkt sehr angespannt.

9.21 Uhr: Richter Stefan Drees betritt den Saal L 111. Alle Anwesenden erheben sich von ihren Plätzen. Kamerateams und Fotografen müssen anschließend den Raum verlassen. Der spektakuläre Wirtschaftsprozess um die Millionenzahlungen im Zusammenhang mit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone geht damit in seine nächste Runde. Das mache zum Beispiel die von Zwickel verwendete Klausel "zur Kenntnis genommen" deutlich. Im Zusammenhang mit Ex-Mannesmann-Chefaufseher Joachim Funk spricht Lichtenberg von "rechtswidriger Bereicherung".

9.30 Uhr: Alle Angeklagten müssen ihr Geburtsdatum, ihren Geburtsort und ihren derzeitigen Wohnsitz nennen. Richter Drees macht einen sehr sachlichen Eindruck.

9.35 Uhr: Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg beginnt mit dem Verlesen der Anklageschrift. Lichtenberg spricht sehr schnell und leise. Der Ankläger macht unmissverständlich deutlich, dass die Angeklagten sehr wohl gewusst haben, dass sie mit den genehmigten Millionenzahlungen gegen das geltende Recht verstoßen haben.

9.45 Uhr: Richter Drees unterbricht Lichtenbergs Vortrag: "Es tut mir leid, aber wir haben hier einen hohen unangenehmen Ton." Ein Gerichtsdiener klärt den Fall auf. Das nervende Fiepen wird durch das Hörgerät eines Besuchers verursacht.

9.47 Uhr: Lichtenberg setzt seinen Vortrag fort.

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