Sonntag, 25. August 2019

Mannesmann, 1. Prozesstag Störende Geräusche und "geordnete Verhältnisse"

4. Teil: Zwickel und die großen Zahlen

11 Uhr: Klaus Zwickel betont, er habe sich nichts vorzuwerfen. Er berichtet in seiner Einlassung über seine Zeit als stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Mannesmann.

Kontrolleur Zwickel: "Was hätte ich denn machen sollen? Den Hörer auflegen?"
Mehrfach findet der ehemalige IG-Metall-Chef lobende Worte für Ex-Mannesmann-Chef Esser. Dieser habe die Arbeitnehmerseite immer in Entscheidungen eingebunden. Zudem hätten sich die strategischen Schritte, die er vorgestellt habe, später "immer als richtig" erwiesen.

Nicht nur an Essers analytische Fähigkeiten, sondern auch an die ganz großen Zahlen hat sich Zwickel während seiner Tätigkeit als Unternehmenskontrolleur gewöhnt. Er berichtet über ein Treffen mit Mannesmann-Aufsichtsrat Hilmar Kopper im Oktober 1999 im Berliner Adlon-Hotel, als der Konzern gerade den britischen Mobilfunkkonzern Orange gekauft hatte.

"Herr Esser hat jetzt einen großen Schritt nach vorn gemacht", habe Kopper gesagt. "Es ist aber auch sehr viel Geld", habe Zwickel entgegnet. Darauf Kopper: "Jetzt ist Mannesmann unschlagbar."

11.20 Uhr: Prämien seien bei Mannesmann nichts Ungewöhnliches gewesen, fährt Zwickel fort. "Für außergewöhnliche Leistungen wurden bei Mannesmann oft Prämien gezahlt", sagt er. "Ich kannte das auch aus anderen Unternehmen." Ein Geschenk sei die Zahlung an Esser "nie gewesen", sagt Zwickel. Schließlich habe dieser "weit mehr geleistet, als man das von anderen Leuten in solchen Funktionen kennt", so der ehemalige Gewerkschaftsführer.

Zwickel verweist auf die besondere Situation, in der sich die Mitglieder des Aufsichtsrats während der Übernahmeschlacht im Frühjahr 2000 befunden haben. Er habe an den 37 Verhandlungstagen während des ersten Mannesmann-Verfahrens mehr erfahren, als er damals gewusst habe, sagt Zwickel. "Man kann uns nicht vorwerfen, wir hätten kriminell gehandelt. Woher hätten wir damals wissen sollen, dass unser Handeln strafrechtlich relevant war?", fragt Zwickel.

Anruf von Ackermann und Funk

11.40 Uhr: Zwickel berichtet auch über das entscheidende Telefonat, das er im Februar 2000 mit den beiden anderen Mitgliedern des Präsidiumsausschusses geführt hat. In diesem Gespräch mit Funk und Ackermann ging es darum, die geplanten Millionenprämien an die ausscheidenden Führungskräfte abzusegnen.

Aufsichtsratschef Funk habe ihn angerufen und gesagt, der Mannesmann-Großaktionär Hutchison Whampoa habe 20 Millionen Pfund für Prämien vorgeschlagen. "Im ersten Moment habe ich etwas missverstanden", berichtet Zwickel. Er habe deshalb geantwortet: Wenn Vodafone die Prämien zahle, habe er nichts gegen einen solchen Schritt einzuwenden. Doch Funk habe ihn aufgeklärt: Die Prämien sollten aus dem Mannesmann-Vermögen gezahlt werden. Darauf Zwickel: "Dann enthalte ich mich der Stimme."

Anschließend habe Funk den Telefonhörer an Josef Ackermann weitergereicht. Dieser habe ihm erklärt, dass es auch eine Prämie für den ehemaligen Mannesmann-Chef Funk geben solle. Auch in diesem Punkt habe sich Zwickel enthalten. "Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ich mit dieser Entscheidung nicht einverstanden war und meine Zustimmung nicht geben wollte", sagt Zwickel.

Ein Nein hätte aus seiner damaligen Sicht nichts bewirkt, wenn sich Funk und Ackermann bereits einig seien, argumentiert Zwickel. Moralisch habe er aber erhebliche Bedenken wegen der hohen Summen gehabt, gesteht Zwickel ein. Dennoch habe er sich nicht anders zu helfen gewusst. "Was hätte ich denn tun sollen?", fragt Zwickel an den Richter gewandt. "Den Hörer auflegen? Das wollte ich nicht."

11.50 Uhr: Der Vorsitzende Richter fragt im Anschluss an Zwickels Vortrag nach. "Warum haben Sie der Prämie an Herrn Funk zugestimmt? Daraufhin ergreift Zwickels Verteidiger das Wort: Sein Mandant möchte sich zu diesem Zeitpunkt auf diese Frage nicht einlassen.

12.07 Uhr: Richter Drees schließt für den heutigen Tag die Verhandlung. Der nächste Verhandlungstag ist der 2. November.

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