Montag, 23. September 2019

Geldwäsche "Al Qaida braucht 50 Millionen Dollar jährlich"

Mehr als sieben Milliarden Euro illegale Gelder sind im vergangenen Jahr allein in Deutschland gewaschen worden. Im Gespräch mit manager-magazin.de verrät der Volkswirtschaftler Friedrich Schneider, wie das organisierte Verbrechen vorgeht und warum die Regierungen nichts dagegen tun.

mm.de: Herr Schneider, lässt sich der finanzielle Umfang der Geldwäsche quantifizieren?

Verdoppelt: Das weltweite Geldwäschevolumen liegt bei 1500 Milliarden Dollar
Schneider: In den vergangenen zahn Jahren hat sich das Geldwäschevolumen ungefähr verdoppelt. Weltweit betrug das Geldwäschevolumen aus Drogengeschäften im vergangenen Jahr 1039 Milliarden Dollar, das gesamte Geldwäschevolumen lag bei 1500 Milliarden Dollar. Das sind 3 bis 5 Prozent des Welt-Bruttoinlandsprodukts (BIP). Solange der globale Drogen- und Waffenhandel weiter floriert, ist mit einem Rückgang nicht zu rechnen. In Deutschland belief sich das Geldwäschevolumen auf sieben Milliarden Euro.

mm.de: Wie kommen Sie auf diese Zahlen?

Schneider: Bei diesen Zahlen handelt es sich natürlich um Schätzungen. Hier gibt es verschiedene Methoden, diese aufzustellen. Recht häufig wird der Umfang der Geldwäsche über die Erlöse aus dem Drogenhandel geschätzt, denn die organisierte Kriminalität erzielt knapp 40 Prozent ihres Umsatzes aus Suchtgift. Da man über die Zahl der Drogenabhängigen ziemlich genau Bescheid weiß und deren Konsum gut kalkulieren kann, lassen sich auch recht detaillierte Angaben über die Erlöse aus diesem Bereich machen.

mm.de: Was genau bedeutet Geldwäsche?

Schneider: Geldwäsche ist der Prozess, durch den Erlöse, die aus kriminellen Tätigkeiten stammen, transportiert, überwiesen, konvertiert oder mit legalen Geschäften vermischt werden. Das geschieht in der Absicht, die wahre Herkunft, die Beschaffenheit, das Eigentum an solchen Erlösen zu verschleiern oder zu verheimlichen.

mm.de: Woher stammt der Begriff?

Schneider: Der Begriff Geldwäsche stammt aus den Vereinigten Staaten der 1920er und 1930er Jahre, als die ersten Waschsalons ihren Betrieb aufnahmen. Kriminelle Gruppen investierten ihre Bargeldeinkünfte aus Verbrechen in diese "laundromats", weil deren Umsätze kaum zu kontrollieren waren. Sie gaben dem Staat überhöhte Gewinne an und mussten dann nur noch die Waschmaschinen im leeren Zustand laufen lassen, um den Strom- und Wasserverbrauch dem Gewinn anzupassen. Dieses "money laundering" wurde später wörtlich als Geldwäsche übersetzt.

mm.de: Wie schaffen es kriminelle Organisationen, ihre Einkünfte zu verschleiern?

Schneider: Ich beschreibe Ihnen ein Beispiel für Deutschland. Im Ruhrgebiet, Hamburg und Berlin fallen kleinere Mengen Geld durch Drogenhandel an. Ähnlich wie bei den Waschautomaten kann die Geldwäsche über das Angeben höherer Umsätze laufen. Das Geld aus dem Drogenhandel wird beispielsweise in chinesischen Restaurants eingeschleust und anschließend an Großhändler im Ausland transferiert.

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