Mannesmann-Prozess D wie Düsseldorf statt V wie Victory

Noch drei Wochen sind es bis zum Neubeginn des Mannesmann-Prozesses. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gibt sich betont unaufgeregt, will den Prozessauftakt nicht unnötig durch Spekulationen aufheizen.

Düsseldorf - Drei Wochen vor der Neuauflage des Mannesmann- Prozesses zeigt sich die Staatsanwaltschaft bemüht, eine aufgeheizte Atmosphäre wie im ersten Prozess zu vermeiden. "Wir gehen trotz der überzeugenden Entscheidung des Bundesgerichtshofs vollkommen ergebnisoffen in die neue Hauptverhandlung", sagte Oberstaatsanwalt Peter Lichtenberg am Freitag. An Spekulationen über den Ausgang des Verfahrens werde man sich nicht beteiligen.

Der spektakulärste deutsche Wirtschaftsstrafprozess, in dem der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der Ex-IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser angeklagt sind, muss vom 26. Oktober an vor dem Düsseldorfer Landgericht wiederholt werden. Ackermann hatte angekündigt, im Falle einer Verurteilung zurückzutreten. Das Düsseldorfer Landgericht muss erneut entscheiden, ob die Zahlung von 57 Millionen Euro Prämien und Pensionen den Tatbestand der schweren Untreue erfüllt.

Die Ankläger werden nicht mehr mit drei, sondern nur noch mit zwei Vertretern im Gerichtssaal präsent sein und wollen auf neue Beweismittel verzichten. Durch die Entscheidung des Bundesgerichtshofs, der die Freisprüche der ersten Instanz aufgehoben hatte, sehen sich die Ankläger allerdings in ihrer Rechtsauffassung bestätigt, "dass es für die Anerkennungsprämien keine Rechtfertigung gab".

Viel Arbeit für die Verteidigung

Für die Verteidigung bleibt dennoch viel zu tun: Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte betont, dass die millionenschweren Anerkennungsprämien, unter anderem für den damaligen Konzernchef Klaus Esser, für Mannesmann letztlich nutzlos gewesen seien und damit der objektive Tatbestand der Untreue verwirklicht worden sei. Die zentrale Frage des neuen Prozesses ist daher aus Sicht der Anklage, ob die Angeklagten sich dennoch für berechtigt halten durften, die Prämien zu bewilligen, oder ob ihnen die Nutzlosigkeit der Ausgaben bewusst war. Die Ankläger erwarten, dass die Verteidiger erneut versuchen werden, ein unternehmerisches Interesse an den Sonderzahlungen herauszuarbeiten. Denn dann wären die Zahlungen legal geflossen.

Angesichts der engen Vorgaben des BGH rechnen die Staatsanwälte mit einem weniger spektakulären Verlauf der Hauptverhandlung als im ersten Durchgang an gleicher Stelle vor fast drei Jahren. Die zehnte große Wirtschafts-Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf hat für das Verfahren zunächst 26 Verhandlungstage bis Ende Februar 2007 angesetzt.

Die umstrittenen Millionenprämien waren im Zuge der damals teuersten Firmenübernahme der Welt geflossen, als der britische Mobilfunkriese Vodafone im Jahr 2000 nach einer beispiellosen Übernahmeschlacht den Traditionskonzern Mannesmann für rund 180 Milliarden Euro schluckte.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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