Schuhe aus Fernost Strafzölle treffen auch deutsche Hersteller

Die EU hat Strafzölle auf Schuhe aus China und Vietnam beschlossen. Davon sind auch deutsche Unternehmen betroffen, die ihre Modelle zu Tiefpreisen in Fernost fertigen lassen. China protestiert gegen die EU-Entscheidung und erwägt Gegenmaßnahmen.

Peking/Luxemburg - China hat die angekündigten EU-Strafzölle für Lederschuhe kritisiert und will möglicherweise Gegenmaßnahme ergreifen. Das erklärte das Handelsministerium in Peking am Freitag auf seiner Internetseite. Für die Erhebung von Strafzölle gebe es weder eine rechtliche Basis noch eine sachliche Grundlage.

Der EU-Ministerrat hatte am Vortag für die zusätzlichen Zölle gestimmt wegen angeblichen Preisdumpings der asiatischen Hersteller. Die Entscheidung war erwartet worden, nachdem Österreich und Zypern am Mittwoch ihren Widerstand aufgegeben hatten.

Damit konnten sich Deutschland und andere nordeuropäische Länder nicht durchsetzen. Sie hatten sich mit Rücksicht auf ihren Handel gegen die Zölle gewandt, während Italien als eines der EU-Staaten mit großer Schuhindustrie dafür geworben hatte. Deutsche Hersteller lassen ihre Modelle oft in China fertigen und sind damit auch von den Zöllen betroffen.

Zölle für zunächst zwei Jahre

Die EU-Kommission hatte die Zölle ursprünglich für fünf Jahre festsetzen wollen, Frankreich schlug dann zwei Jahre Dauer als Kompromiss vor. Anschließend soll eine Verlängerung geprüft werden. Der zusätzliche Zoll wird für Lederschuhe aus China 16,5 Prozent und für solche aus Vietnam zehn Prozent betragen.

Die Kommission hatte Vorwürfe aus dem Handel stets zurückgewiesen, Schuhe drohten in den Geschäften nun erheblich teurer zu werden. Schuhimporte aus beiden Ländern seien so preiswert, dass sich der Zoll beim Endpreis im Geschäft kaum bemerkbar machen werde.

Zuzahlung auf Einkaufspreis

Im Schnitt koste ein Paar Schuhe aus beiden Ländern 8,50 Euro im Einkauf und werde für 35 Euro verkauft. Einige Markenschuhe kosteten im Import etwas mehr, aber würden für 120 Euro verkauft. Der Zoll wird nicht auf den Endpreis im Laden, sondern auf den niedrigen Einkaufspreis erhoben.

Der deutsche Groß- und Außenhandelsverband hatte dennoch gewarnt, die Zeche müssten die Verbraucher zahlen, weil der Handel die Zusatzkosten nicht allein auffangen könne. Arbeitsplätze in Europa würden durch die Maßnahme nicht gesichert.

Deutsche Schuhbranche: "Zölle kommen zu spät"

"Strafzölle kommen zu spät"

Die EU-Strafzölle für Billigschuhe aus China und Vietnam kommen für deutsche Hersteller zu spät und sind nach deren Einschätzung auch nicht das richtige Mittel zum Schutz der Branche. Derzeit gibt es in der Bundesrepublik 95 Betriebe mit rund 13.000 Mitarbeitern - Tendenz weiter sinkend.

Das bislang letzte Opfer der Billig-Schwemme aus Asien ist der Traditionshersteller Bleil aus dem schwäbischen Kirchheim am Neckar. Das in vierter Generation betriebene Familienunternehmen kündigte Ende August die Einstellung der Produktion an, Ende Oktober wird die letzte Naht genäht. 69 Arbeitsplätze fallen dann weg. "Gegen die Extrem-Billigimporte aus Asien waren wir machtlos", sagte am Donnerstag Geschäftsführerin Sabine Füllemann. Auch die Auslagerung der kostenintensiven Stepperei nach Ungarn habe die Kostenschere nicht schließen können.

"Zuletzt habe ich bei einem Discounter Schaftstiefel für einen Verkaufspreis von 12,99 Euro gesehen - dafür bekommen wir im Einkauf noch nicht einmal das erforderliche Material." Die Strafzölle der EU hält Füllemann dennoch nicht für den richtigen Weg. "Das ist reine Kosmetik. Uns hätte die Beibehaltung der Importquoten mehr gebracht, die es noch bis 2004 gab." Seither stiegen die Einfuhren aus Asien rapide an.

Auch der Hauptverband der Deutschen Schuhindustrie (HDS) lehnt Strafzölle ab. "Sie wirken protektionistisch und tragen nicht zum notwendigen strukturellen Wandel der europäischen Schuhindustrie bei", urteilt HDS-Vorsitzender Philipp Urban.

Im ersten Halbjahr 2006 schrumpfte die inländische Produktion nach Angaben des HDS um 8,5 Prozent auf 2,4 Millionen Schuhpaare mit Lederoberteil - gegenüber einer Flut von 228,4 Millionen importierten Schuhen aus dem Ausland.

dpa/reuters

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