Seegerichtshof Nur 13 Fälle in zehn Jahren

Prominente Gäste an der Hamburger Elbchaussee. Das zehnjährige Bestehen des Internationalen Seegerichtshofs ist ein Grund zum Feiern - doch nur auf dem ersten Blick. Ganze 13 Fälle wurden bisher dort verhandelt, Kritiker prangern die Verschwendung von Steuergeldern an.

Hamburg - Mit einem Festakt haben am Freitag Vertreter von Bundesregierung, Hamburger Senat und Vereinten Nationen das zehnjährige Bestehen des Internationalen Seegerichtshofs in der Hansestadt gefeiert.

Das Gericht ist die höchste UN-Instanz in Fragen des Seerechts und kann sowohl von Staaten und Organisationen als auch von Privatleuten angerufen werden. Kritiker bemängeln, dass in zehn Jahren nur 13 Fälle verhandelt wurden. Meist ging es um die Freilassung gekaperter Schiffe, aber auch um illegalen Fischfang oder Grenzstreitigkeiten. Auf den ersten Fall mussten die Richter nach der Gründung mehr als ein Jahr warten. Und nach wenigen Minuten war alles geklärt.

Stolze 63 Millionen Euro hat der Bau mit Blick auf die Elbe gekostet. Die Bundesregierung bezahlte 80 Prozent, die Hansestadt Hamburg 20 Prozent. Und: In der Verwaltung des Gerichts sind 35 Personen beschäftigt.

Die wenigen Fälle sind laut Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) allerdings "kein Maßstab für die Bedeutung des Gerichts". Allein durch seine Existenz zwinge der Gerichtshof Kontrahenten, sich vor einem Prozess "vernünftig zu einigen", so der Politiker am Rande der Feierlichkeiten.

Abgesehen von den seltenen Verhandlungen kommen die 21 Richter nur zu zwei Arbeitssitzungen pro Jahr nach Hamburg. Ansonsten residiert Gerichtspräsident Rüdiger Wolfrum in der Prachtvilla an der Elbchaussee allein. Kein Wunder, dass er zudem als Professor an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Heidelberg arbeitet und Mitglied diverser Gremien und Stiftungen ist.

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