MAN/Scania Die Grenzen der Macht

Leif Östling steht seit 17 Jahren an der Spitze von Scania. Nun will MAN den Wettbewerber übernehmen. Östling stemmt sich mit aller Kraft dagegen – und stößt damit zum ersten und wohl auch zum letzten Mal an die Grenzen seiner Macht.

Stockholm - Das bevorstehende Übernahmeangebot des deutschen Nutzfahrzeugkonkurrenten MAN  hat Leif Östling, dem Chef von Scania , ein wenig die Sprache verschlagen. Der als kompromissloser Gegner der Übernahme geltende Schwede beschied eine Reporterfrage von "Dagens Industri" kurz und knapp mit dem in Skandinavien üblichen Du: "Guck mal, jetzt wird es hier still". Vorher hatte der oft knurrig wirkende Östling aber doch noch gepoltert: "Im Augenblick trau' ich keiner Sau über den Weg."

Klarer konnte der 60-jährige Mann an der Scania-Spitze wohl kaum ausdrücken, wie sehr ihn die angekündigte Kaufofferte seines Landsmannes Hakan Samuelsson aus der Münchener MAN-Zentrale zwischen den Fronten eingeklemmt hat. Östling wolle viel lieber den etwa gleich großen deutschen Konkurrenten übernehmen und agiere hinter den Kulissen weiter verbissen dafür, berichtet die Stockholmer Wirtschaftspresse.

Östlings Vorlieben dürften aber nur eine unbedeutende Rolle spielen, wenn Volkswagen  und die schwedische Finanzgesellschaft Investor als Haupteigner andere Ziele im Blick haben. Nach 17 erfolgreichen Jahren an der Scania-Spitze ist Östling damit zum ersten Mal und gleichzeitig wohl auch zum letzten Mal an die Grenzen seiner Macht gestoßen.

1999 hatte ihn noch die EU-Kommission gerettet, als sie die schon beschlossene und von Östling ebenfalls heftig befehdete Fusion mit dem größeren schwedischen Konkurrenten Volvo untersagte. Auf MAN ist Östling seit dem folgenden Jahr nicht mehr gut zu sprechen, als die Münchener Lkw-Bauer seinen Produktionschef Samuelsson nach mehr als 20 Jahren bei Scania wegschnappten. In Södertälje hatte der neue MAN-Chef einst als Lehrling angefangen. Drei weitere Scania-Topmanager wechselten Anfang dieses Jahres nach Deutschland.

Wohl auch als Reaktion darauf kündigte Östling im April die Zusammenarbeit mit MAN im Bereich Achsen auf. Offiziell ließ er verbreiten, die Kostenvorteile reichten nicht aus. Als Samuelsson vor zwei Jahren zum ersten Mal öffentlich die Möglichkeit einer Übernahme von Scania erwog, reagierte Östling ebenfalls öffentlich mit heller Empörung.

Nach Beginn des derzeitigen zweiten Anlauf spekulierten Stockholmer Börsianer, dass möglicherweise Östling selbst das "Leck" war, das mit vorzeitigen Informationen eine Menge Sand ins Getriebe der vertraulichen Kontakte zwischen MAN, Volkswagen, Investor und Scania gestreut hat. Der alte Fuchs habe den Preis so weit nach oben treiben wollen, dass es für MAN zu teuer würde. Gibt es nun aber trotz alledem eine Einigung, soll Östling der Abschied mit 200 Millionen Kronen (22 Millionen Euro) versüßt werden.

Öffentliches Übernahmeangebot am Montag?

Öffentliches Übernahmeangebot am Montag?

Im Milliardenpoker um die Übernahme von Scania durch MAN hat der VW-Aufsichtsrat am Freitag nichts entschieden. Scania sei kein Thema gewesen, sagte eine Sprecherin des Wolfsburger Autobauers . Im Vorfeld der turnusmäßigen Sitzung war spekuliert worden, dass VW über die Reaktion von Volkswagen auf die Pläne von MAN berät, den schwedischen Konkurrenten Scania zu übernehmen. Volkswagen ist mit einem Anteil bei den Aktien von 18,7 Prozent und bei den Stimmrechten von 34 Prozent größter Scania-Aktionär.

MAN wird wahrscheinlich am Montag ein öffentliches Übernahmeangebot für den viertgrößten europäischen Nutzfahrzeughersteller vorlegen. Am Wochenende findet dazu eine Sitzung des MAN-Aufsichtsrats statt. Ein Unternehmenssprecher bestätigte allerdings lediglich den Termin der Sitzung, nannte aber keine Themen.

Der VW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder hat bereits mehrfach klar ein industrielles Interesse an Scania bekundet und erklärt, der Wolfsburger Konzern wolle eine aktive Rolle bei der Konsolidierung der Nutzfahrzeugbranche spielen.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa

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