Ford "Frühruhestand für alle"

Der angeschlagene Autohersteller Ford macht ernst. Laut Sanierungsplan werden bei den amerikanischen Angestellten weitere 10.000 Jobs gestrichen. Darüber hinaus werden allen Arbeitern Abfindungen von bis zu 140.000 Dollar angeboten - so sollen in den US-Werken 30.000 Arbeitsplätze schon bis 2008 wegfallen.

Detroit - Der Automobilhersteller Ford  beschleunigt sein nordamerikanisches Sanierungsprogramm angesichts massiver Absatzprobleme auf seinem Heimatmarkt drastisch und will damit fünf Milliarden Dollar operative Kosten einsparen. Ford will bis zu 14.000 Angestelltenjobs streichen, wie das Unternehmen am Freitag bekannt gab. Davon waren im ersten Quartal bereits 4000 Stellen abgebaut worden.

Insgesamt sind rund ein Drittel der nordamerikanischen Angestellten betroffen. Die meisten der Betroffenen werden Ford bis Ende des ersten Quartals 2007 verlassen.

Ford hat im Einvernehmen mit seinen Gewerkschaften außerdem sämtlichen amerikanischen Arbeitern Frühruhestandsprogramme angeboten und will so bis Ende 2008 insgesamt bis zu 30.000 Arbeiter nach Hause schicken. Ursprünglich wollte Ford dieses Ziel erst 2012 erreichen.

Der Konzern wird jetzt insgesamt 16 Fabriken dicht machen, davon bis 2008 bereits neun nordamerikanische Werke. Alle Werke, die von der ehemaligen Ford-Teilesparte Visteon zurückgenommen wurden, sollen bis Ende 2008 verkauft oder geschlossen werden. Auch alle Arbeiter der für diese Betriebe von Ford gebildeten Auffanggesellschaft "Automotive Components Holdings" erhalten die Frühruhestandspakete angeboten. Sie betragen nach Angaben der amerikanischen Automobilarbeitergewerkschaft "United Auto Workers" je nach Betriebszugehörigkeit und Alter bis zu 140.000 Dollar.

Analysten bezweifeln allerdings, dass Ford mit seinem Paket ähnlichen Erfolg haben wird wie Konkurrent General Motors , bei dem unlängst bis zu 35.000 Arbeiter die Abfindungen akzeptiert haben. Die Ford-Mitarbeiter seien jünger und weniger gewillt, ihr relativ gutes Gehalt aufzugeben, sagen Branchenexperten.

Offen ist, ob die mit Milliardenverlusten belastete britische Luxuswagenmarke Jaguar oder ein Teil der lukrativen Finanztochter Ford Credit verkauft werden. Ford kündigte aber bereits an, dass man mit dem möglichen Verkauf der angesehenen Sportwagenmarke Aston Martin Geld in die Kassen holen will.

Der Ford-Verwaltungsrat habe außerdem angedeutet, dass er die Dividendenzahlen vom vierten Quartal 2006 an einstellen wolle. Ford kündigte darüber hinaus auch an, dass bis Ende 2008 die nordamerikanische Produktpalette zu rund 70 Prozent erneuert wird.

Zuvor hatte Ford bereits bekannt gegeben, dass die Vizepräsidentin Anne Stevens ihr Amt abgibt. Die 57-Jährige war seit Oktober 2005 für Umstrukturierungen zuständig.

In der vergangenen Woche hatte Ford den erfahrenen Boeing-Manager Alan Mulally an die Spitze des Unternehmens geholt. Mulally gilt als Spezialist für Sanierungen. Er strukturierte die Passagiersparte des Flugzeugkonzerns um und strich dabei Tausende Stellen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.