Metro AG Familienkrach und Aktienverkauf

Einer der drei Großaktionärsstämme des Düsseldorfer Handelskonzerns Metro AG gibt ein Aktienpaket von 5,39 Prozent ab. Die Verkäufer, die Brüder Michael Schmidt-Ruthenbeck und Reiner Schmidt, sind nach Informationen von manager-magazin.de zerstritten; der Fall ging schon vor Gericht.

Hamburg - Die Suprapart AG, eine Investmentgesellschaft der Familie Schmidt-Ruthenbeck, wird ihr Aktienpaket von 5,39 Prozent an der Metro AG verkaufen. Die Papiere sollen über die Investmentbank J.P. Morgan bei institutionellen Anlegern platziert werden. Das gab die Metro Vermögensverwaltung GmbH & Co. KG am Freitag bekannt. Bei dieser Gesellschaft sind die Anteile der drei Großaktionärsstämme Schmidt-Ruthenbeck, Haniel und Otto Beisheim gepoolt.

Wie manager-magazin.de ergänzend erfuhr, wird ein Verkaufserlös von 43 Euro je Aktie nach Abzug der Platzierungskosten angestrebt. Das entspräche einem Preis von rund 750 Millionen Euro für das Paket. J.P. Morgan garantiert den Verkäufern allerdings nur einen Erlös von 40 Euro je Aktie. Die Metro-Aktie  verlor am Freitag bis zum frühen Nachmittag knapp 4 Prozent und notierte bei 43,30 Euro.

Nach dem Verkauf wird die Familie Schmidt-Ruthenbeck noch über ein Paket von 13,15 Prozent der Metro-Aktien verfügen, die Großaktionäre zusammen über 50,23 Prozent. Allerdings erwägt auch der Haniel-Konzern einen Ausstieg, obgleich Haniel-Chef Eckhard Cordes (55) dies am Freitag zum wiederholten Mal dementierte: "Veränderungen in der Gesellschafterstruktur sind nicht geplant." Die Familien Beisheim, Haniel und Schmidt-Ruthenbeck seien "von der positiven Entwicklung und den langfristigen Perspektiven des Unternehmens überzeugt". Die Private-Equity-Gesellschaft Kohlberg Kravis Roberts (KKR) hatte den Schmidt-Ruthenbecks Insidern zufolge angeboten, ihr gesamtes Paket von 18,54 Prozent Metro-Aktien zu übernehmen. Dieses Ansinnen wurde jedoch abgelehnt.

Die aktuelle Abgabe eines Pakets von 5,39 Prozent der Aktien hat möglicherweise mehrere Ursachen. Einerseits ist Miteigner Michael Schmidt-Ruthenbeck (63) verärgert über die Anfang August bekannt gegebene Übernahme der deutschen Wal-Mart-Läden durch Metro. Andererseits gibt es Familienkrach bei den Verkäufern. Die Brüder Reiner Schmidt (65) und Michael Schmidt-Ruthenbeck führen eine juristische Auseinandersetzung gegeneinander.

Anlass des Rechtsstreits ist die Abberufung Reiner Schmidts als Geschäftsführer der in Essen ansässigen Führungsgesellschaft des Clans, der Gebr. Schmidt Verwaltungsgesellschaft mbH. Diese GmbH wiederum ist Komplementärin der Familienholding Gebr. Schmidt GmbH & Co. KG, die über mehrere zwischengeschaltete Firmen die wesentlichen Vermögenswerte der Sippe hält, darunter auch die Metro-Anteile.

Der Hinauswurf Reiner Schmidts stellt den bisherigen Höhepunkt der Meinungsverschiedenheiten zwischen den Brüdern dar. Solange ihre Mutter lebte, so scheint es, trugen die beiden ihre Reibereien im Stillen aus. Ihr Vater Wilhelm Schmidt-Ruthenbeck war bereits Ende 1988 gestorben.

Am 26. Januar dieses Jahres verschied dann auch die Mutter Vera Schmidt-Ruthenbeck. Michael und seine Mitgesellschafter, darunter der Ehemann von Reiners und Michaels Schwester Viola, Ludwig Reisner (62), und ein paar Vertraute der Familie, hielten offenbar nur ein paar Tage Pietätsfrist ein. Dann schritten sie zur Tat.

Rechtsstreit unter Brüdern

Als Reiner Schmidt erfuhr, dass er in der auf den 7. Februar terminierten Gesellschafterversammlung als Geschäftsführer entlassen werden sollte, versuchte er dies mit Gerichtshilfe zu verhindern. Er reichte beim Landgericht Essen den Antrag auf eine einstweilige Verfügung ein. Die 5. Kammer für Handelssachen folgte dem Begehren am 3. Februar zwar nicht in vollem Umfang, verbot eine Abberufung aber immerhin für den Fall, dass "kein sachlicher Grund" vorliege.

Am 7. Februar beriefen die Gesellschafter Reiner Schmidt als Geschäftsführer ab, wobei nicht bekannt ist, ob sie - wie vom Gericht gefordert - einen sachlichen Grund angaben. Schmidts Anwälte sehen jedenfalls eine Verletzung der einstweiligen Verfügung. Am 1. März 2006 hat die Kanzlei Taylor Wessing im Auftrag Reiner Schmidts beim Amtsgericht Essen eine Schutzschrift hinterlegt. Auf diese Weise wollen die Juristen verhindern, dass ihr Mandant als Geschäftsführer aus dem Handelsregister gelöscht wird.

In dem Schriftsatz heißt es: "Die Abberufung wurde unter Verstoß gegen ein ausdrückliches Verbot durch einstweilige Verfügung des Landgerichts Essen ... beschlossen." Bislang wurde der Name Reiner Schmidt offenbar nicht aus dem Register getilgt. Als weiterer Geschäftsführer der GmbH ist Michael Schmidt-Ruthenbeck eingetragen.

Niemand in der Familie hat ein Interesse daran, dass der Streit öffentlich ausgetragen wird. Die Brüder gelten als ausgesprochen publizitätsscheu. Bereits 1997 hatte Reiner, wie aus einer Namensänderungsurkunde des Kreises Wesel hervorgeht, den zweiten Teil des Familiennamens abgelegt. Dies vermutlich, um besser in der großen Masse der Schmidts untertauchen zu können. Auch Michael beschränkt sich zuweilen auf den Allerweltsnamen, agiert unauffällig als "Dr. M. Schmidt".

Lange bevor es zu dem aktuellen Streit kam, hatte Michael Pläne verfolgt, den größten Teil seines Vermögens auf die von der Familie gegründete "Stiftung Mercator"  zu übertragen. Die in Essen ansässige gemeinnützige Einrichtung widmet sich der Förderung der Wissenschaft, besserer Bildung für Kinder und Jugendliche sowie der Völkerverständigung.

Offenbar gab es zwischen den Brüdern Meinungsverschiedenheiten über das Vorgehen, die dann eskalierten. Unklar ist, ob der Erlös aus dem jetzt bekannt gegebenen Aktienverkauf dazu dienen soll, die Stiftung zu alimentieren oder Reiner Schmidt auszuzahlen.

Die Schmidt'sche Stiftung Mercator widerspricht übrigens auf ihrer Internetseite  der Legende, Metro sei im Jahre 1964 von Otto Beisheim gegründet worden. Bei Mercator heißt es: "Wilhelm (der Vater von Reiner und Michael, die Red.) und Ernst Schmidt, die zweite Generation der erfolgreichen Kaufmannsfamilie, gründeten 1963 den ersten Metro SB-Großmarkt in Essen." Erst 1964 hätten sie sich mit Otto Beisheim und einem weiteren Unternehmer namens Schell zusammengeschlossen, die die Eröffnung eines Selbstbedienungs-Großmarktes in Mülheim/Ruhr planten.

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