Sonntag, 22. September 2019

Metro AG Familienkrach und Aktienverkauf

2. Teil: Rechtsstreit unter Brüdern

Als Reiner Schmidt erfuhr, dass er in der auf den 7. Februar terminierten Gesellschafterversammlung als Geschäftsführer entlassen werden sollte, versuchte er dies mit Gerichtshilfe zu verhindern. Er reichte beim Landgericht Essen den Antrag auf eine einstweilige Verfügung ein. Die 5. Kammer für Handelssachen folgte dem Begehren am 3. Februar zwar nicht in vollem Umfang, verbot eine Abberufung aber immerhin für den Fall, dass "kein sachlicher Grund" vorliege.

 Ungleiche Töchter: Kennzahlen der Metro AG
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Ungleiche Töchter: Kennzahlen der Metro AG
Am 7. Februar beriefen die Gesellschafter Reiner Schmidt als Geschäftsführer ab, wobei nicht bekannt ist, ob sie - wie vom Gericht gefordert - einen sachlichen Grund angaben. Schmidts Anwälte sehen jedenfalls eine Verletzung der einstweiligen Verfügung. Am 1. März 2006 hat die Kanzlei Taylor Wessing im Auftrag Reiner Schmidts beim Amtsgericht Essen eine Schutzschrift hinterlegt. Auf diese Weise wollen die Juristen verhindern, dass ihr Mandant als Geschäftsführer aus dem Handelsregister gelöscht wird.

In dem Schriftsatz heißt es: "Die Abberufung wurde unter Verstoß gegen ein ausdrückliches Verbot durch einstweilige Verfügung des Landgerichts Essen ... beschlossen." Bislang wurde der Name Reiner Schmidt offenbar nicht aus dem Register getilgt. Als weiterer Geschäftsführer der GmbH ist Michael Schmidt-Ruthenbeck eingetragen.

Niemand in der Familie hat ein Interesse daran, dass der Streit öffentlich ausgetragen wird. Die Brüder gelten als ausgesprochen publizitätsscheu. Bereits 1997 hatte Reiner, wie aus einer Namensänderungsurkunde des Kreises Wesel hervorgeht, den zweiten Teil des Familiennamens abgelegt. Dies vermutlich, um besser in der großen Masse der Schmidts untertauchen zu können. Auch Michael beschränkt sich zuweilen auf den Allerweltsnamen, agiert unauffällig als "Dr. M. Schmidt".

Lange bevor es zu dem aktuellen Streit kam, hatte Michael Pläne verfolgt, den größten Teil seines Vermögens auf die von der Familie gegründete "Stiftung Mercator" zu übertragen. Die in Essen ansässige gemeinnützige Einrichtung widmet sich der Förderung der Wissenschaft, besserer Bildung für Kinder und Jugendliche sowie der Völkerverständigung.

Offenbar gab es zwischen den Brüdern Meinungsverschiedenheiten über das Vorgehen, die dann eskalierten. Unklar ist, ob der Erlös aus dem jetzt bekannt gegebenen Aktienverkauf dazu dienen soll, die Stiftung zu alimentieren oder Reiner Schmidt auszuzahlen.

Die Schmidt'sche Stiftung Mercator widerspricht übrigens auf ihrer Internetseite der Legende, Metro sei im Jahre 1964 von Otto Beisheim gegründet worden. Bei Mercator heißt es: "Wilhelm (der Vater von Reiner und Michael, die Red.) und Ernst Schmidt, die zweite Generation der erfolgreichen Kaufmannsfamilie, gründeten 1963 den ersten Metro SB-Großmarkt in Essen." Erst 1964 hätten sie sich mit Otto Beisheim und einem weiteren Unternehmer namens Schell zusammengeschlossen, die die Eröffnung eines Selbstbedienungs-Großmarktes in Mülheim/Ruhr planten.

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