Linde Umzugskartons bestellt

Deutschlands größter Gas- und Gabelstaplerkonzern Linde verlegt seinen Konzernsitz. Das Unternehmen wird seine neue Zentrale demnächst in München beziehen. Allerdings ziehen nicht alle Mitarbeiter um: Die bisherige Gabelstaplersparte des Konzerns steht offenbar kurz vor dem Verkauf an Finanzinvestoren.

Wiesbaden - Nach der Übernahme des britischen Konkurrenten BOC Group  firmiert der Industriegasekonzern Linde  künftig unter "The Linde Group" und verlegt seine Zentrale nach München. Der bisherige Standort Wiesbaden wird Hauptsitz der unter dem Namen "Kion Group" ausgegliederten Gabelstaplersparte.

Linde bestätigte zudem, dass ein zweiter Standort mit unterstützenden Funktionen in England in der Region Surrey eingerichtet werde, in der Nähe des bisherigen Stammsitzes von BOC. Linde hatte den britischen Konkurrenten in der größten Übernahme der Unternehmensgeschichte für rund zwölf Milliarden Euro übernommen. Mit 53 000 Mitarbeitern und rund 12,7 Milliarden Euro Jahresumsatz wird die "Linde Group" Weltmarktführer im Gasgeschäft.

"Dies ist ein historischer Tag für Linde und BOC", sagte Unternehmenschef Wolfgang Reitzle. "Wir werden den jetzt anstehenden Integrationsprozess gemeinsam mit BOC partnerschaftlich gestalten und alle Voraussetzungen schaffen, um die Chancen und Potenziale, die diese Kombination bietet, zügig zu erschließen."

Unterdessen hat Linde entschieden, das Komponentengeschäft der neuen Vakuumtechniktochter BOC Edwards zu verkaufen. Im Zuge der Konzentration auf das Industriegasegeschäft würden strategische Optionen für die Veräußerung dieses Geschäfts geprüft, teilte der künftig unter dem Namen "The Linde Group" firmierende Konzern am Mittwoch mit. Das Geschäft mit Flüssiggasen und Elektronikgasen von BOC Edwards solle dagegen weitergeführt und in die neue Linde Group integriert werden. 2005 erzielte BOC Edwards im Komponentengeschäft einen Umsatz von etwa 800 Millionen Euro.

Nach Angaben der Tageszeitung "Die Welt" hat Linde bereits den angekündigten Verkauf seiner bisherigen Gabelstapler-Sparte eingeleitet. Wie die Zeitung berichtet, verschickte die Investmentbank Credit Suisse im Auftrag von Linde nun das Exposé an alle potenziellen Investoren. Dazu zählen offenbar die Investmentgesellschaften KKR und Goldman Sachs, aber auch die Finanzinvestoren CVC, Blackstone und BC Partners. Vor allem CVC werde sehr starkes Interesse nachgesagt.

Credit Suisse bereite parallel zum Verkauf an Finanzinvestoren allerdings auch einen möglichen Börsengang der Sparte vor. Weder Linde noch die Credit Suisse hätten zum Start des Verkaufprozesses Stellung nehmen.

Lindes Gabelstapler-Sparte erwirtschaftet mit rund 19.000 Mitarbeitern mehr als ein Drittel des gesamten Konzerngeschäfts, wie es hieß. Die neue Kion Gabelstapler Gruppe kommt mit einem Umsatz von 3,2 Milliarden Euro weltweit auf einen Marktanteil von 19 Prozent und liegt damit auf Platz zwei hinter dem Marktführer Toyota, der in dieser Sparte auf 21 Prozent kommt. Linde-Vorstand Hubertus Krossa soll nach Informationen der "Financial Times Deutschland" Sprecher der Geschäftsführung werden.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters