Autokonzerne Ford ohne Ford

Der amerikanische Autoriese Ford muss demnächst ohne seinen bisherigen Chef Bill Ford auskommen, der aus der Gründerfamilie des Unternehmens stammt. Ab sofort übernimmt ein ehemaliger Boeing-Manager das Steuer bei Ford. Branchenexperten atmen auf.

Dearborn, USA - Der US-Autohersteller Ford  reagiert auf seinen jüngsten Milliardenverlust mit dem Wechsel des Firmenchefs. Der Konzern teilte am Dienstag nach Börsenschluss mit, der Ex-Boeing-Manager Alan Mulally werde künftig die operative Führung übernehmen. Er löst Bill Ford ab, der aber weiter den Verwaltungsrat vorstehen wird. Bill Ford ist ein Nachfolger des Firmengründers Henry Ford. Die Familie Ford hält die Kontrollmehrheit an dem Autokonzern.

Der Wechsel ist der vorerst letzte Schritt bei Fords Vorhaben, die Kosten zu senken und das Geschäftsmodell zu überarbeiten. Der Konzern kämpft wie der Branchenprimus General Motors  mit Überkapazitäten. Branchenexperten werteten den Wechsel positiv. Die Ford-Aktien stiegen nach Bekanntgabe der Personalie nachbörslich um 3 Prozent.

Unter Bill Ford fiel Fords Marktanteil in den USA von 23 auf 17 Prozent, der Aktienkurs gab um 70 Prozent nach. Im ersten Halbjahr 2006 hatte Ford einen Verlust von 1,44 Milliarden Dollar hinnehmen müssen.

Der Branchenexperte Tim Ghriskey von Solaris Asset Management sagte, Bill habe unter dem Druck gestanden, eine frische Führungskraft in die Firma zu holen. Sein Verzicht auf die operative Führung sei ein honoriger Schritt, der Ford sicher gut tun werde. Mirko Mikelic, Branchenexperte bei Fifth Third Asset Management, sieht durch den Wechsel aber nicht alle Probleme gelöst. "Meine Sorge bezieht sich nicht auf Mulallys Fähigkeit, Kosten zu senken, sondern darauf, den Rückgang des Marktanteils zu stoppen. Wie will er das schaffen?"

Ford hat nach Angaben der Experten unter anderem mit veralteten Modellen zu kämpfen. Vor allem die Nachfrage nach spritschluckenden Geländewagen brach wegen der Rekordpreise für Benzin ein. Dagegen gewinnen Konkurrenten aus Japan und Europa Marktanteile. Um schneller wieder Gewinne zu schreiben, hatte Ford erst Mitte August angekündigt, seine Autoproduktion in Nordamerika drastisch zu senken. Im Gesamtjahr 2006 soll die Produktion mit rund drei Millionen Autos neun Prozent unter dem Vorjahr liegen.

Bill Ford hatte einem Medienbericht zufolge erst vor wenigen Tagen in einer Nachricht an die Mitarbeiter erklärt, der Konzern brauche ein neues Geschäftsmodell. Ford erwäge, sich an Manager außerhalb der Firma zu wenden und Allianzen mit anderen Autobauern einzugehen. Zudem hatte Ford jüngst mitgeteilt, den teilweisen oder kompletten Verkauf der Traditionsmarke Aston Martin zu erwägen. Zugleich hieß es, über die Zukunft der anderen Luxusmarken sei noch keine Entscheidung getroffen worden. Einem Medienbericht zufolge plant Ford den Verkauf der Luxusmarken Jaguar und Land Rover an eine Investmentfirma.

Die Zeitung "USA Today" hatte berichtet, die Familie Ford sei bereit, sich alle Möglichkeiten anzusehen, mit denen das Unternehmen wieder profitabel gemacht werden könne. Dazu gehöre auch der Rückzug von der Börse. Ford produziert auch in Deutschland: Bei den Ford-Werken in Köln sind rund 24.000 Menschen beschäftigt.

Der neue Ford-Lenker Mulally wird einer der ersten Chefs eines großen US-Autobauers sein, der aus einer anderen Branche kommt. Er soll auch dem Ford-Verwaltungsrat angehören. Mulally habe die Boeing-Sparte  Verkehrsflugzeuge erfolgreich durch eine schwere Zeit geführt, sagte Mark Oline von Fitch Rating. Er habe Wert auf die Ausgliederung von Bereichen und die Steigerung der Effizienz gelegt, aber auch 30.000 Arbeitsplätze und 14 Werke gestrichen.

manager-magazin.de mit Material von reuters