Mittwoch, 21. August 2019

Brasilien Volkswagen lenkt ein - Streik beendet

Der Streik im größten VW-Werk in Brasilien ist vorerst beendet. Volkswagen hat im Gegenzug 1800 Entlassungen zurückgenommen. Gleichwohl will der Konzern kräftig Stellen abbauen. Der Konflikt wird zu einem Politikum.

Sao Paulo - Der Konflikt um massenhafte Stellenstreichungen bei Volkswagen Börsen-Chart zeigen in Brasilien hat sich durch Zugeständnisse beider Seiten etwas entschärft. Der deutsche Autohersteller nahm 1800 vor einer Woche ausgesprochene Entlassungen zurück. Die Arbeiter der Fabrik in Sao Bernardo im Land Sao Paulo erklärten ihrerseits am Montagabend (Ortszeit) einen Streik nach sechs Tagen für beendet. Diese Maßnahme gilt laut Gewerkschaftssprecher aber nur bis zum 12. September. Bis dahin erwarte man von VW ein neues Gesprächsangebot.

Sie arbeiten wieder: VW-Beschäftigte im Werk Bernardo do Campo
Im Rahmen einer im Mai angekündigten Umstrukturierung will VW bis 2008 bis zu 6000 der insgesamt 22.000 Stellen in den fünf Werken in Brasilien streichen. Die monatelangen Gespräche zwischen Firmenführung und Gewerkschaftsvertretern führten zu keinem Erfolg.

Am Dienstag vergangener Woche hatte VW deshalb 1800 Mitarbeiter entlassen. Die Mehrheit der rund 12.400 Beschäftigten des Werks in Sao Bernardo, der ältesten und größten VW-Fabrik in Brasilien, waren daraufhin in den Streik getreten. Es gab auch Protestkundgebungen.

VW unterstrich derweil die Notwendigkeit von Entlassungen. Dagegen warnte der Präsident der Metallgewerkschaft, José Lopes Feijóo: "Spielt nicht mit uns, wir kämpfen gut. Und wir werden jeden Vorschlag, der nicht wirklich neu ist, sofort zurückweisen."

Die Ankündigung des Personalabbaus ist in Brasilien ein Politikum. Im Oktober wird in dem Land gewählt. Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva war selbst einmal Gewerkschaftschef in Anchieta und hat seinen Wahlkreis in der Region. Die Regierung in Brasilia hatte vor den Entlassungen den Druck auf VW durch die vorläufige Einstellung der Vergabe staatlicher Kredite erhöht. Die Freigabe eines bereits zugesagten Kredits in Höhe von 497 Millionen Real (185 Millionen Euro) wurde vom Konfliktausgang abhängig gemacht.

Probleme gibt es laut VW do Brasil vor allem wegen der Aufwertung der Währung Real, die den Export belastet, und der gestiegenen Rohstoffkosten. Nach Einschätzung des Präsidenten der VW-Tochter, Hans-Christian Maergner, wird VW do Brasil frühestens 2007 wieder Gewinne erzielen. Er erwartet zudem eine Abnahme der Exportzahlen um 40 Prozent bis 2008 im Vergleich zu 2005. Im vorigen Jahr waren knapp 260.000 Fahrzeuge ins Ausland verkauft worden - vor allem nach Lateinamerika, USA/Kanada und Europa.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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