Quotenkartell Millionenstrafe für Pharma-Quartett

Vier Pharmakonzerne haben sich über Marktanteile und Anreize für Apotheker abgesprochen. Bei Razzien stießen Kartellwächter auf ein System, nach dem das Quartett Verkaufsregionen säuberlich verteilte - und damit auch die Erlöse. Initiiert wurde das Quotenkartell demnach von den Top-Managern bei Anzag, Gehe, Phoenix und Sanacorp.

Düsseldorf - Das Bundeskartellamt hat gegen vier Pharmagroßhändler und gegen sieben Verantwortliche Bußgelder wegen kartellrechtswidriger Absprachen in Höhe von insgesamt rund 2,6 Millionen Euro verhängt. Dabei handele es sich um die Andreae-Noris Zahn AG (Anzag) , die Phoenix Pharmahandel AG & Co. KG, die Gehe Pharma Handel GmbH ( eine Tochter von Celesio ) und die Sanacorp Pharmahandel AG, teilte die Behörde am Freitag mit.

In der Mitteilung beschreibt das Kartellamt das Vorgehen der Beteiligten detailliert. So habe sich der Pharmagroßhändler Anzag Anfang 2003 zu einer "Vorwärtsstrategie" entschlossen, um seinen Marktanteil auszubauen. Dabei habe Anzag die den Apothekern gewährten Rabatte erhöht. Um ihre verlorenen Marktanteile zurückzugewinnen, hätten andere Pharmagroßhändler mit erhöhten Rabatten reagiert.

Nach einem Wechsel im Vorstand habe Anzag Mitte 2003 beschlossen, den in der Branche als "Rabattschlacht" bezeichneten Preiskampf zu beenden, heißt es in der Mitteilung weiter. Dazu sei mit den drei anderen großen bundesweit tätigen Pharmagroßhändlern Phoenix, Gehe und Sanacorp vereinbart worden, die von Anzag gewonnenen Marktanteile wieder auf die drei Pharmagroßhändler zu verteilen. Auf regionaler Basis seien daher so genannte "Saldenlisten" ausgetauscht worden.

Apotheker über regionale Preislisten beeinflusst

In diesen wurde dem Kartellamt zufolge aufgelistet, wie viele Apotheken mit welchem durchschnittlichen Monatsumsatz in der betreffenden Region von Anzag zu dem jeweiligen Wettbewerber gewechselt waren und umgekehrt. Die Differenz sollte in der Weise ausgeglichen werden, dass Anzag Apotheken mit einem entsprechenden Einkaufsvolumen ungünstige Konditionen gewährt, um den Apotheker zu veranlassen, zu dem jeweiligen Absprachepartner zu wechseln.

Kartellamtspräsident Ulf Böge erklärte, es handele sich hier um ein Quotenkartell an der Grenze zu einem Preiskartell, der schärfsten Form der Wettbewerbsbeschränkung. Es sei wichtig, dass das Bundeskartellamt entsprechend durchgreife, zumal das Amt bereits 1990/1991 wegen ähnlicher Absprachen Geldbußen gegen zahlreiche Pharmagroßhändler und deren Verantwortliche verhängt habe. Böge betonte, aufgrund von Beweismitteln, die bei Razzien bei den Unternehmen sichergestellt worden seien, habe "das Amt keinen Zweifel an der vorsätzlichen Absprache der beschuldigten Pharmagroßhändler".

Wie schon in anderen Branchen sei auch in diesem Fall die Kartellabsprache auf der Führungsebene initiiert worden. Da für die Bußgeldbemessung das zum Zeitpunkt des Kartellverstoßes geltende Gesetz angewendet werden musste und ein kartellbedingter Mehrerlös nicht mit der notwendigen Sicherheit festgestellt werden konnte, seien die Bußgelder vergleichsweise milde. Nach dem seit Juli 2005 geltenden Recht wären sie deutlich höher ausgefallen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, vwd

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.