Bayer Nichts für Jojo-Spieler

Die größte Akquisition in Bayers Firmengeschichte liegt erst wenige Wochen zurück. Doch der Chef des Chemie- und Pharmakonzerns, Werner Wenning, hat durchaus Lust auf mehr. Vor allem im Bereich Pharma und Consumer Care möchte er gerne zukaufen. Altanas Pharmasparte steht allerdings nicht auf seiner Akquisitionsliste.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main – "Mit der Schering-Akquisition habe ich mich in diesem Jahr mehr beschäftigt als mit meiner Frau", sagte Werner Wenning vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten schmunzelnd. Vielleicht muss seine Frau schon bald wieder einige Zeit auf ihren Mann verzichten.

Dem seit vier Jahren an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer  stehenden Wenning ist die Akquisitionslaune noch längst nicht vergangen, obwohl ihm die Abwicklung des Schering-Deals durchaus nicht nur Applaus von Seiten der Aktionäre eingebracht hat. Im Sommer hatte Wenning für gut 16 Milliarden Euro nach einem Bietergefecht mit dem Darmstädter Konkurrenten Merck KGaA  den Berliner Arzneimittelkonzern Schering  gekauft. Die Akquisition ist die größte Akquisition in der Bayer-Geschichte.

"Schering ist ein sehr bedeutender Zwischenschritt", so Wenning - mit solchen Äußerungen kann ein Vorstandsvorsitzender Spekulationen nähren. Bayer suche vor allem in den Bereichen Pharma und Consumer Care, also bei den verschreibungsfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten, nach Möglichkeiten für internes und externes Wachstum.

Durch den geplanten Börsengang der Chemiesparte des Bad Homburger Altana-Konzerns  und damit der Konzentration auf das Pharmageschäft gilt Altana als Übernahmekandidat. Allerdings bekräftigte Wenning sein Desinteresse an diesem Unternehmen: "Wir sind an Altana nicht interessiert."

Der für Bayer überraschende Aufbau eines Schering-Aktienpakets durch Merck markiert für Wenning eine Zäsur im deutschen Pharmamarkt. Die Darmstädter hatten bereits zuvor einen Übernahmeversuch für Schering gestartet, waren aber am Widerstand des Schering-Vorstands gescheitert.

Für den Bayer-Chef wäre es die erste feindliche Übernahme in Deutschland in dieser Branche gewesen. "Mit Blick auf das Humankapital sollten wir überlegen, ob wir wirklich oft feindliche Übernahme machen", gab er zu bedenken.

Sorgen, dass Bayer selbst ins Visier eines Akquisiteurs geraten könnte, gibt Wenning nicht zu erkennen, obwohl das Unternehmen keinen Anteilseigner mit einem Sicherheit bietenden großen Paket hat. "Die beste Art und Weise zu verhindern, dass jemand mit uns Jojo spielt, ist es, die Marktkapitalisierung und den Aktienkurs zu erhöhen", so er. Und das schaffe Bayer.

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