Handel Aus für Rewe-Chef Egner

Achim Egner muss seinen Posten räumen - nach nur anderthalb Jahren im Amt. Er ist der sechste Rewe-Vorstand binnen zweier Jahre, der seinen Hut nehmen muss. Der Auflösungsvertrag wurde Freitagabend unterschrieben. Nachfolger wird Alain Caparros, bisher verantwortlich für den Rewe-Discounter Penny.

Hamburg - Nach lediglich 18 Monaten im Amt verlässt Rewe-Chef Achim Egner das Unternehmen im Streit um den Reformkurs des Konzerns. Egners Vertrag sei mit sofortiger Wirkung aufgehoben worden, erfuhr manager-magazin.de am Freitagabend aus Kreisen des Aufsichtsrates. Wenig später bestätigte Rewe die Ablösung Egners.

Nachfolger wird der bisher für den Rewe-Discounter Penny zuständige Vorstand Alain Caparros. Zuvor hatte der Aufsichtsrat der genossenschaftlich organisierten Handels- und Touristikgruppe bei einer außerordentlichen Sitzung stundenlang über Egners Reformkurs und Führungsstil beraten. Der Aufsichtsrat berief zudem Frank Hensel, bisher Vorstandsmitglied des österreichischen Rewe-Ablegers, in den Konzernvorstand. Die übrigen Vorstandsposten wurden vom Aufsichtsrat bestätigt.

Die Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete den Managerverschleiß des Handelskonzerns als reordverdächtig. "Die Vorstände wechseln heute zwar deutlich häufiger, aber nicht so schnell wie es bei der Rewe der Fall ist", sagte Jürgen Kurz, der Sprecher der DSW. Das Ende der so genannten Deutschland AG habe die Schlagzahl bei den Wechseln beschleunigt. "Langzeitvorstände mit 15 oder 20 Jahren Amtszeit gibt es immer weniger", sagte Kurz.

Doch häufige Managerwechsel seien nicht nur teuer, sondern sorgten auch für erhebliche Unruhe in der Belegschaft: "Ein neuer Chef will eigene Duftmarken setzen".

Beschwerden über "eisernen Besen"

Am Sonnabend vergangener Woche hatte sich Vorstandsmitglied Caparros zusammen mit ein paar anderen Managern bei Aufsichtsratschef Klaus Burghard über Egner und dessen Führungsstil beschwert. Burghard, der Egner vor anderthalb Jahren zum Chef bei Rewe machte und damals voll des Lobes über Egner war, schlug sich im Laufe der Woche auf die Seite der Rebellen um Caparros und ließ Egner fallen.

Burghard ist es damit nicht gelungen, Kontinuität an der Spitze des Handelskonzerns zu erzeugen. Zuerst trennte man sich im Oktober 2004 von Vorstandschef Ernst Dieter Berninghaus. Das danach amtierende Vorstandstrio Gerd Bruse, Josef Sanktjohanser und Hans Schmitz ersetzte er im Frühjahr 2005 durch den nun geschassten Egner.

Der branchenfremde Egner hatte bei seinem Amtsantritt erklärt, er wolle "mit eisernem Besen kehren." In der Tat blieb schon kurz nach seinem Amtsantritt kaum ein Stein auf dem anderen. Von den damaligen Vorstandsmitgliedern ist nur noch einer im Amt, auch in der zweiten und dritten Managerebene gab es zahlreiche Umbesetzungen. Das sorgte für Unmut im Unternehmen, ein Aufstand an der Spitze war aber bislang ausgeblieben.

Wie reformbedürftig das Unternehmen war und ist, zeigten die hohen Einsparpotenziale, die von Egner gerufene Berater ausmachten. Kritiker warfen Egner allerdings vor, sich nur noch mit externen Beratern umgeben und mit erfahrenen Genossenschaftlern aus dem Hause gebrochen zu haben. "Sicher sind viele persönlich von den Umstrukturierungen betroffen, aber im Grunde haben alle verstanden, dass die eingeleiteten Maßnahmen überfällig waren," hieß es dazu am Freitag aus dem Umfeld des Unternehmens.

Neuer Job für Berninghaus

Der Discounter Denner hat unterdessen den wegen schwerer Untreue verurteilten ehemaligen Chef des deutschen Handelskonzerns Rewe, Berninghaus, als Verwaltungsrat und Berater engagiert. Der 41-Jährige soll zum 1. Januar 2007 in den Verwaltungsrat der Denner-Muttergesellschaft Rast Holding einziehen, wie das Unternehmen am Freitag bekannt gab. Berninghaus stehe Denner und seinem 34-jährigen CEO Philippe Gaydoul per sofort als Berater zur Verfügung.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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