Donnerstag, 23. Mai 2019

Erwerbsstatistik Heute leben kaum mehr auf Staatskosten als vor zehn Jahren

41,5 Prozent der Deutschen leben vom Staat, hieß die "Bild"-Schlagzeile. Viele erboste Rentner beschwerten sich daraufhin beim Statistischen Bundesamt. Die Behörde erklärte gegenüber manager-magazin.de: "Das ist keine alarmierende Zahl, sie war vor zehn Jahren kaum anders." Die Auflösung für den Statistik-Aufreger ist simpel.

Hamburg - 1996 bestritten 41,3 Prozent aller deutschen Haushalte "den überwiegenden Teil" ihres Lebensunterhalts aus öffentlichen Unterstützungsleistungen wie Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Rente. 2005 waren es nach der jüngsten Auswertung des Statistischen Bundesamts in Wiesbaden gerade einmal 0,2 Prozent mehr.

Auf Staatskosten leben heute nicht mehr Deutsche als vor zehn Jahren: Warteschlange im Sozialamt Berlin-Wedding
Die Meldung, dass 41 Prozent aller Deutschen vom Staat und nicht vom persönlich erarbeiteten Einkommen leben, ist zudem grob verkürzt. 32,2 Prozent aller Haushalte - und nicht der einzelnen Personen - leben größtenteils von den Einkünften eines Rentners oder Pensionärs. Das bedeutet: Leben ein Rentner mit 1500 Euro monatlichen Bezügen und seine Frau mit 1200 Euro Monatseinkommen unter einem Dach, zählt der Haushalt in der Statistik zu jenen, die überwiegend vom Geld des Rentners leben.

Eine Statistik zum überwiegenden Lebensunterhalt der einzelnen Haushaltsmitglieder für das Jahr 2005 bietet das Statistische Bundesamt ebenfalls.. Demnach leben 29,2 Prozent der Bevölkerung (nicht der Deutschen) zum überwiegenden Teil von staatlichen Sozialleistungen, 1996 waren es 27 Prozent. Dabei sind zwar 800.000 Personen, die in Altenheimen, Gefängnissen oder Behinderteneinrichtungen leben, nicht enthalten, dies hat aber keinen signifikanten Einfluss auf die Anteilsquote.

Weniger Einwohner leben von Zuwendungen Angehöriger

Die auffälligsten Veränderungen beim Vergleich der Erhebung zwischen 1996 und 2005 ergeben sich in zwei Punkten: 7,2 Prozent aller Haushalte lebten 2005 zum größten Teil von Arbeitslosengeld I oder II, 1996 waren es dagegen nur 4,6 Prozent.

Zweite Auffälligkeit: Während 1996 noch 3 Prozent aller Haushalte zum überwiegenden Teil von Zuwendungen Angehöriger finanziert wurden, sank die Ziffer für das vergangene Jahr um knapp ein Viertel auf 2,3 Prozent.

Bei 55,4 Prozent aller deutschen Haushalte bilden Einkünfte aus Erwerbstätigkeit den "überwiegenden Lebensunterhalt des Haupteinkommensbeziehers im Haushalt", so die amtliche Statistik, die manager-magazin.de vorliegt. Im Jahr 1996 lag dieser Anteil um 0,4 Prozentpunkte niedriger.

Die Angaben über die Einkünfte der Deutschen stammen aus dem so genannten Mikrozensus, in den die Arbeitskräftestichprobe der Europäischen Union integriert ist.

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