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Wal-Mart Rückzug aus Deutschland kostet 863 Millionen Dollar

Nach acht Jahren auf dem deutschen Markt, in denen Wal-Mart nur Verluste schrieb, zog der weltgrößte Einzelhändler die Reißleine. Wie schmerzhaft sich das auf die Bilanz auswirkte, steht nun fest. Der Gewinn pro Aktie sank weit unter die Erwartungen der Analysten.

Bentonville - Der Rückzug vom deutschen Markt kommt Wal-Mart teuer zu stehen: Der erfolgsverwöhnte US-Konzern muss einen Verlust von 863 Millionen Dollar (680 Millionen Euro) verbuchen und hat deshalb erstmals seit mehr als zehn Jahren einen Gewinnrückgang verzeichnet. Angesichts des scharfen Wettbewerbs und anderer Einkaufsgewohnheiten in Deutschland hatten die 85 deutschen Filialen des erfolgsverwöhnten US-Riesen seit dem Start vor acht Jahren kein einziges Mal schwarze Zahlen geschrieben.

Wal-Mart  verdiente im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2006/07 (31. Juli) mit knapp 2,1 Milliarden Dollar fast 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie fiel auf 50 (67) Cent, wie Wal-Mart am Dienstag in Bentonville (US-Bundesstaat Arkansas) mitteilte. Ohne die Sonderbelastung aus dem gescheiterten Deutschland-Geschäft erhöhte sich der Gewinn um 4,6 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar.

Der Quartalsumsatz legte kräftig auf 85,4 (76,7) Milliarden Dollar zu. Der Halbjahresumsatz stieg ebenfalls deutlich auf 165,1 (147,5) Milliarden Dollar. Wal-Mart verdiente im Halbjahr wegen des schlechten zweiten Quartals nur noch 4,7 (5,3) Milliarden Dollar oder 1,13 (1,25) Dollar je Aktie. Deren Kurs fiel nach Bekanntgabe der Zahlen um zwei Prozent.

Zu neuen Ufern in Brasilien und Japan

Der US-Konzern hatte bei der Verkaufsankündigung den Vorsteuerverlust für den Deutschland-Rückzug auf rund eine Milliarde Dollar geschätzt. Das Unternehmen betonte, die Verluste von 863 Millionen Dollar für den Deutschland-Rückzug seien im zweiten Quartal verbucht worden. Käufer Metro  will mit dem Zukauf die in Deutschland schwächelnde Tochter Real stärken.

Sollten noch höhere Verluste anfallen, würden sie später berücksichtigt, so Wal-Mart. Der Verkauf des südkoreanischen Geschäfts, der zeitlich parallel passierte, werde hingegen einen Gewinn bringen. Vor dem Abschluss der Transaktionen seien noch kartellrechtliche Genehmigungen in beiden Ländern notwendig.

Konzernchef Lee Scott sagte, Wal-Mart werde sich auf Wachstumsbereiche konzentrieren. Der US-Riese expandierte durch die Erhöhung der Beteiligung an dem japanischen Einzelhändler Seiyu, durch den Kauf eines brasilianischen Unternehmens und die Übernahme der Mehrheitsbeteiligung am mittelamerikanischen Einzelhändler Carho im Ausland viel stärker als im heimischen Markt.

Scott unzufrieden mit US-Geschäft

Scott unzufrieden mit US-Geschäft

Scott bezeichnete das US-Geschäft als enttäuschend und verwies auf die gestiegenen Energie- und Benzinpreise. Die Wal-Mart-Kunden, die überwiegend aus niedrigeren Einkommensschichten kommen als etwa beim Konkurrenten Target, sind davon besonders betroffen. Scott kündigte eine Modernisierung der amerikanischen Wal-Mart-Geschäfte und eine Erweiterung des Sortiments mit höherwertigen Produkten an.

Das Unternehmen steigerte den Umsatz mit seinen amerikanischen Wal-Mart-Geschäften im zweiten Quartal um 6,9 Prozent auf 55,4 Milliarden Dollar und mit seinen auf kleine US-Geschäftskunden ausgerichteten Sam's-Club-Märkten um 5,0 Prozent auf 10,5 Milliarden Dollar. Dagegen legte Wal-Mart im Ausland ohne Deutschland und Südkorea um 31,9 Prozent auf 18,7 Milliarden Dollar zu. Das Unternehmen erwartet für das dritte Quartal einen Gewinn aus dem laufenden Geschäft von 59 bis 63 Cent je Aktie und will im Gesamtjahr 2,88 bis 2,95 Dollar je Aktie verdienen.

Die drastische Verteuerung des Benzins in den USA hinterlässt auch in den Bilanzen anderer US-Einzelhändler ihre Spuren. Die weltgrößte Baumarktkette Home Depot bekommt außerdem die Abkühlung des Immobilienbooms in den USA zu spüren.

Home Depot klagt, aber die Aktie steigt

Das Geschäft werde im Gesamtjahr wegen der durchwachsenen wirtschaftlichen Aussichten nicht ganz so kräftig wachsen wie erhofft, erklärte Home Depot am Dienstag.

Im abgelaufenen Quartal verdiente der Konzern allerdings dank unerwartet starker Umsätze mehr: Der Gewinn stieg um fünf Prozent auf 1,86 Milliarden Dollar. Seinen Umsatz steigerte der Konzern durch neue Baumärkte im zweiten Vierteljahr um knapp 17 Prozent auf 26 Milliarden Dollar. Die Geschäftsentwicklung werde sich im Gesamtjahr im unteren Bereich der bisher erwarteten Spannen bewegen, erklärte der Konzern nun.

In den vergangenen Jahren hat Home Depot von dem US-Boom beim Immobilienkauf und -bau profitiert. Dieser hatte die Amerikaner in Scharen in die Baumärkte getrieben. Die höheren Zinsen und die Abschwächung der Konjunktur haben den Markt jedoch deutlich abgekühlt. Home Depot-Aktien notierten in New York rund zwei Prozent fester.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters