Montag, 17. Juni 2019

Anti-Diskriminierung "Erhebliche Mehrkosten"

Nach kleinen Pannen und "redaktionellen" Korrekturen hat Bundespräsident Horst Köhler nun das Anti-Diskriminierungsgesetz unterzeichnet. Walter Scheurle, Personalvorstand der Deutschen Post, erläutert im Gespräch mit manager-magazin.de die Folgen für sein Unternehmen.

mm.de: Herr Scheurle, in wenigen Tagen tritt das heftig diskutierte "Allgemeine Gleichstellungsgesetz" in Kraft. Wie bereitet sich die Deutsche Post Börsen-Chart zeigen darauf vor?

Post-Vorstand Scheurle: "Dafür hätte es keines Gesetzes bedurft"
Scheurle: Als globales Unternehmen mit 500.000 Mitarbeitern mussten wir uns schon früh mit dem Thema Anti-Diskriminierung auseinandersetzen, da diese Frage etwa in den USA enorme Bedeutung hat. Insofern haben wir schon vor einiger Zeit begonnen, unsere Personalprozesse zu überprüfen. Für mittelständische oder weniger internationale Firmen aber dürfte die Umsetzung der neuen Regeln eine wesentlich größere Belastung sein.

mm.de: In welchem Maß wird das Gesetz Ihr Personalmanagement verändern?

Scheurle: Künftig werden bei Einstellungen, Beförderungen oder Entlassungen umfangreiche Dokumentationen notwendig sein, um etwa Entscheidungen später vor Gericht vertreten zu können. Das verursacht eine Menge zusätzlicher Bürokratie, weil der gesamte Prozess im Zweifelsfall transparent und belegbar sein muss.

mm.de: Befürchten Sie Klagewellen abgelehnter Bewerber?

Scheurle: Unsere Stellenanzeigen sind bereits höchst neutral formuliert, und wir haben uns auch in der Vergangenheit schon diskriminierungsfrei verhalten. Deshalb erwarten wir keine Klagen vor Gericht - können diese aber natürlich nicht ausschließen.

mm.de: Wie werden die Mitarbeiter informiert?

Scheurle: Über das Intranet, Arbeitsbesprechungen und Workshops. Die Führungskräfte werden gesondert geschult, und für die Personalabteilung haben wir einen eigenen Recruiting-Leitfaden erstellt. All das bringt erhebliche Mehrkosten, die sich aber jetzt noch nicht beziffern lassen.

mm.de: Muss die Post jetzt darauf achten, dass genauso viele Frauen wie Männer schwere Pakete schleppen?

Scheurle: Das Gesetz lässt in bestimmten Fällen eine unterschiedliche Behandlung zu, etwa bei schwerer körperlicher Tätigkeit. In unserem Verladedienst etwa arbeiten überwiegend Männer. Frauen sind natürlich nicht ausgeschlossen, zeigen aber von sich aus wenig Interesse für diesen Bereich.

mm.de: Beeinträchtigen die neuen komplizierten Richtlinien die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Konzerne im Kampf um die besten Köpfe?

Scheurle: Ein diskriminierungsfreies Arbeitsumfeld ist sicher ein Wettbewerbsvorteil. Die besten Köpfe bekommt aber, wer eine an Werten orientierte Personal- und Unternehmenspolitik betreibt. Dafür hätte es jedoch keines Gesetzes bedurft. Dies führt nur zu unnötigem administrativem Mehraufwand.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung