Donnerstag, 17. Oktober 2019

Anti-Diskriminierung "Erhebliche Mehrkosten"

2. Teil: Gleichbehandlung treibt bizarre Blüten

Das Anti-Diskriminierungsgesetz verfolgt beste Absichten. Doch für den Unternehmensalltag birgt es zahlreiche Fallstricke:

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) tritt voraussichtlich in wenigen Tagen in Kraft, nachdem Bundespräsident Horst Köhler es nun Anfang der Woche unterzeichnet hat. Eigentlich sollte das Gesetz pünktlich ab dem 1. August dieses Jahres gelten, doch die Korrektur "redaktioneller Ungenauigkeiten" (Bundesregierung) verzögerte die fristgerechte Umsetzung der EU-Richtlinie.

Diskriminierung: Das AGG soll verhindern, dass Mitarbeiter wegen Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität benachteiligt werden
manager-magazin.de
Diskriminierung: Das AGG soll verhindern, dass Mitarbeiter wegen Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität benachteiligt werden
Das AGG soll verhindern, dass Mitarbeiter wegen Rasse, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität diskriminiert werden. Den Personalabteilungen beschert das AGG eine Menge Arbeit: Schichtpläne, Stellenausschreibungen, Arbeitsabläufe, Firmenstrukturen, Entgelt- und Beförderungssysteme müssen akribisch überprüft werden. Denn bei Verstößen gegen das Gesetz drohen Schadensersatzforderungen - mindestens zwei Monatsgehälter, nach oben ist die Skala offen.

In der Wirtschaft ist das Anti-Diskriminierungsgesetz umstritten und die Unsicherheit groß, denn die neuen Regeln treiben bisweilen bizarre Blüten. So kann bereits als diskriminierend gelten,

  • in Stellenausschreibungen nach "Sekretärinnen" und "Arzthelferinnen" zu suchen, nach Bewerbern mit "einem ansprechenden Äußeren" oder nach "Verstärkung für ein junges Team". Die Lufthansa Börsen-Chart zeigen hat in ihren Jobanzeigen schon die Altersbeschränkung für Flugbegleiter entfernt

  • Absagen mit dem höflichen Satz zu beenden "Bitte sehen Sie darin keine Aussage über Ihre Qualifikation", denn dies legt den Verdacht nahe, dass etwas Diskriminierendes den Ausschlag gab

  • eine Schicht mit überproportional vielen Mitarbeitern eines Geschlechts oder einer Religion zu besetzen

  • Frauen und Männer für die gleiche Arbeit unterschiedlich zu bezahlen

  • einen kostenlosen Werkskindergarten einzurichten. Gegen dieses Vorhaben wandte sich der homosexuelle Betriebsratschef eines Unternehmens mit der Begründung, es stelle eine "Entgeltdiskriminierung" der homosexuellen Mitarbeiter dar, die dann ein Recht auf Ausgleichszahlungen hätten. Der Unternehmer verzichtete entnervt auf den Kinderhort - dabei hätte er trotz AGG vor Gericht wohl recht bekommen.

Seite 2 von 2

© manager magazin 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung