Terrorgefahr "Geplanter Massenmord"

Britische Antiterrorspezialisten haben nach Angaben des Innenministeriums Bombenanschläge auf Passagierflugzeuge mit dem Ziel USA vereitelt. Innenminister John Reid erklärte am Donnerstag, Terroristen hätten geplant, mehrere Passagierflugzeuge durch Explosionen zum Absturz zu bringen. Scotland Yard meldete 21 Festnahmen.

London/Washington - Der stellvertretende Polizeichef Paul Stephenson sprach von einem geplanten "Massenmord in einem unvorstellbaren Ausmaß". "Dies sollten simultane Anschläge auf mehrere Ziele sein, gerichtet gegen Flugzeuge mit dem Ziel Vereinigte Staaten."

Aus US-Sicherheitskreisen verlautete, die Anschlagspläne hätten auf Maschinen der amerikanischen Fluggesellschaften United Airlines, American Airlines und Continental Airlines  abgezielt. Weiter hieß es, an dem Terrorplan seien bis zu 50 Menschen beteiligt gewesen. Sie hätten noch nicht in den Flugzeugen gesessen, seien dem Abflug aber sehr nahe gekommen.

Stephenson wollte sich nicht dazu äußern, wie viele Flugzeuge angegriffen werden sollten. Er wollte auch nicht sagen, ob es sich bei den bisher Festgenommenen um britische Staatsbürger handelte. Der Chef der Antiterroreinheit der Londoner Polizei, Peter Clarke, erklärte, gegen die Verdächtigen sei seit Monaten ermittelt worden. "Der mutmaßliche Plan hat globale Dimensionen", sagte Clarke.

Der britische Premierminister Tony Blair, der in der Karibik Urlaub macht, informierte US-Präsident George W. Bush telefonisch über die Entwicklung. Das nationale Warnsystem für mögliche Terroranschläge in Großbritannien zeigte am Donnerstag die höchste Alarmstufe "kritisch" an. Sie deutet auf einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag hin. Bislang hatte das auf der Homepage des Inlandsgeheimdienstes MI5 veröffentlichte Warnsystem das Risiko eines Terroranschlags als "schwer" eingestuft.

Der Londoner Flughafen Heathrow wurde für aus Europa kommende Flüge weitgehend gesperrt. Flüge mit einer Dauer von drei Stunden oder weniger dürften in Heathrow vorerst nicht mehr landen, teilte ein Flughafensprecher am Donnerstag mit. In den Wartehallen bildeten sich lange Schlangen, während die Passagiere über verstärkte Sicherheitsmaßnahmen informiert wurden.

Die Fluggesellschaft British Airways  kündigte an, dass die Mitnahme von Handgepäck bei einem Start von britischen Flughäfen nicht mehr erlaubt sei. Die Passagiere dürften nur noch Reisedokumente, Brillen und einige wenige andere Wertsachen mit an Bord nehmen. Elektrische Geräte wie Laptops oder Handys dürften nicht mehr mit in die Kabine genommen werden. Die Fluggesellschaft warnte vor größeren Verspätungen und appellierte an ihre Fluggäste, zunächst nicht nach London zu fliegen, wenn es nicht unbedingt notwendig sei.

Erinnerungen an Jussef-Plan und Lockerbie

In den Vereinigten Staaten wurde als Reaktion auf die geplanten Anschläge zum ersten Mal die höchste Terrorwarnstufe "rot" für alle Flüge von Großbritannien in die USA ausgerufen. Für alle anderen Flüge galt die zweithöchste Warnstufe "orange". Der Minister für Heimatschutz, Michael Chertoff, erklärte zur Begründung, man könne nicht sicher sein, dass die Bedrohung durch die Terroristen vollkommen ausgeschaltet worden sei. Hinter dem Terrorplan könne das Netzwerk al-Qaida stehen.

Auch die US-Behörden untersagen es Passagieren, Flüssigkeiten und Gele mit an Bord ihrer Flüge zu nehmen, darunter Zahnpasta, Sonnencreme und Make-up. Chertoff erklärte, möglicherweise hätten die Anschläge mit Flüssigsprengstoff ausgeführt werden sollen. Ein ähnliches Verbot hatten die US-Behörden 1995 ausgesprochen. Damals wurde in Manila der Plan von Ramsi Jussef aufgedeckt, US-Maschinen über dem Pazifik mit Flüssigsprengstoff zum Absturz zu bringen.

Der Flughafen Heathrow war schon einmal Ausgangspunkt eines Terroranschlags: Am 21. Dezember 1988 stürzte über der schottischen Ortschaft Lockerbie eine Boeing 747 der Pan Am ab, nachdem eine Bombe an Bord explodiert war. Alle 259 Menschen an Bord und weitere elf am Boden starben. Der Sprengsatz war in einem tragbaren Radio versteckt. 2003 übernahm Libyen die Verantwortung für den Anschlag und kündigte Entschädigungszahlungen an.

Danica Kirka, ap