Beck & Co. "Wir haben eine Abfüll-Krise"

400.000 Flaschen Beck's Bier laufen in Bremen stündlich von den Bändern. Doch das reiche leider nicht, erklärt die Brauerei. Der Branchenverband GFGH dagegen rügt Beck's, weil der Lieferengpass hausgemacht sei. So gerät die bisher wachstumsstärkste Biermarke 2006 unter Druck. Die Brauerei kündigt Entschädigungszahlungen an.
Von Christian Buchholz

Bremen/Hamburg - Deutsche Biertrinker müssen künftig möglicherweise gezielt nach Produkten der Marke "Beck & Co." (Beck's) in den Verkaufsregalen suchen. Denn zwischen den deutschen Getränkegroßhändlern und dem Beck's-Mutterkonzern Inbev  gibt es Streit. Wegen schleppender Lieferungen der deutschen Tochter drohen die Händler mit dem Entzug von Verkaufsfläche.

"Die Probleme bei Inbev tangieren unser Geschäft in erheblichem Maße, jeder von uns hat einen dicken Hals", sagte Günther Guder, Vorstand des Bundesverbands des deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH), der "Financial Times Deutschland" (FTD). Der GFGH wickelt drei Viertel des Biervertriebs in Deutschland ab und setzt jährlich rund 15 Milliarden Euro um. Die Verbandsmitglieder würden sich nun Gedanken machen, welchen Stellenwert Produkte der Beck's-Brauerei künftig in ihren Regalen hätten. Zudem forderte Guder der Zeitung zufolge von dem belgisch-brasilianischen Braukonzern Inbev Entschädigungszahlungen.

Möglicherweise könnten Ende August alle Bestellungen der Kunden bedient werden, sagte ein Sprecher des Mutterkonzerns am Dienstag zu dem Vorwurf. Exakte Voraussagen seien jedoch nicht möglich. Die Brauerei will nun in Einzelfällen Kunden für entfallene Lieferungen entschädigen.

"Wir haben genug Kästen und Flaschen"

"Dass es bei Verbrauchsspitzen zu Engpässen kommen kann, ist in der Branche aber ein ganz normaler Vorgang", erklärte Beck's-PR-Chef Jörg Schillinger gegenüber manager-magazin.de. Er könne aber "wahrlich nicht bestreiten", dass es derzeit zu einschneidenderen Engpässen als in anderen heißen Sommern komme. Die "FTD" hatte zwei namentlich nicht genannte Experten mit der These zitiert, dass die schleppende Versorgung mit Beck's Bier auf einem hausgemachten Problem basiere: Inbev habe wahrscheinlich zu wenig in Mehrweg-Leergut investiert. Davon kann jedoch laut Schillinger keine Rede sein: "Der Vorwurf ist aus der Luft gegriffen. Wir haben ausreichend in Flaschen und Kästen investiert - der Flaschenhals ist in der Abfüllung."

Schon vor einem Absatzsprung von mehr als 30 Prozent im Mai gegenüber dem Vorjahrsmonat habe der Konzern die Produktion von Beck's, das bis dahin lediglich am Stammsitz Bremen gebraut wurde, auf vier weitere Standorte ausgedehnt. An den Inbev-Standorten München, Stuttgart, Hannover und bei der Diebels-Brauerei in Issum werden die Kapazitäten seitdem mit Beck's ausgelastet. "Leider reicht das aber immer noch nicht, um die Nachfrage zu decken", so der Sprecher. Beck's ist nach Angaben des Branchendienstes Inside die drittgrößte deutsche Biermarke hinter Krombacher und Bitburger. Mit einem Zuwachs von 16,6 Prozent habe sie im ersten Halbjahr das mit Abstand höchste Plus im Markt erzielt.

400.000 Flaschen pro Stunde klimpern in Bremen von acht Abfülllinien in die meist grünen Kästen. Doch während hier rund um die Uhr und mindestens sechs Tage pro Woche produziert werden kann, müssen an anderen Standorten die Maschinen nachts abgeschaltet werden. Auf Anordnung der regionalen Behörden.

Verständnis für den Ärger bei der GFGH

Verständnis für den Ärger bei der GFGH

Zur Entzerrung könnte beitragen, wenn die Konsumenten auf Bier in Dosen umstiegen, doch das Gegenteil ist der Fall. So soll Beck's 2006 bereits gute 200.000 Hektoliter mehr Bier im Mehrwegbereich produziert haben als im ersten Halbjahr 2005. Im Dosenbereich dagegen stagniert der Absatz.

Insbesondere bei der im vergangenen Jahr eingeführten Sorte "Green Lemmon" und beim hellen "Gold" brauche man "derzeit jede verfügbare Düse", um der Nachfrage Herr zu werden, so Schillinger. Zum Brauen habe man genügend Kapazitäten in den Kesseln, nur die Flaschenhälse seien just-in-time nicht vollzukriegen, daher die "Abfüll-Krise".

Zum mittlerweile öffentlichen Disput mit der GFGH sagt Schillinger, Beck's betreibe derzeit "Aufklärungsarbeit". Doch auch die Position der GFGH sei nachvollziehbar: "Deren Kunden machen ihrem Ärger natürlich auch Luft, schließlich müssen sie den Endverbraucher vertrösten." Schillinger betonte aber, dass der Konzern darauf achte, keinen Abnehmer zu bevorteilen: "Mit der Lücke müssen wir alle leben."

Die Abfüll-Krise macht die Marke mit den gekreuzten Schlüsseln aber nicht zukunftsverdrossen: Beck's plant in Bremen für einen hohen einstelligen Millionenbetrag ein neues Logistikzentrum zur Bewältung möglicher neuer Bier-Schwemmen.