Auswanderer-Blog Beiträge aus dem Ausland

Müssen Auswanderer an ihre patriotischen Pflichten erinnert werden? Viele im Ausland lebende Deutsche melden sich von allen Kontinenten, um im Auswanderer-Blog von manager-magazin.de zu erklären, warum sie ihr Heimatland verlassen haben.

Benutzername: UKscientist

Beitrag: Versteht irgendjemand noch Deutschland? Folgende Geschichte waere hier in England garantiert nicht passiert:

"Dem DaimlerChrysler-Werk Stuttgart-Untertürkheim ist ein Zusatzgeschäft der US-Sparte Chrysler durch die Lappen gegangen. Der Großauftrag hätte ab 2009 rund 550 zusätzliche Jobs geschaffen, doch Werkleitung und Betriebsrat konnten sich nicht einigen.

Eine Unternehmenssprecherin bestätigte einen Zeitungsbericht, wonach sich Werkleitung und Betriebsrat nicht darauf verständigen konnten, dass der Samstag zur Regelarbeitszeit wird. Wochenlang hatten demzufolge die Betriebsparteien im Werk über die Rahmenbedingungen für solche Zusatzgeschäfte verhandelt. Trotz Zugeständnisse beider Seiten scheiterte eine Einigung letztlich an dem einzigen Punkt." SWR, 4. August 2006

Etwas mehr Pragmatismus und weniger Idealismus (zumeist irrationales Verhalten) wuerde Deutschland ganz gut tun...


Benutzername: Fischkopp

Beitrag: Aus gutem Job in Deutschland raus und in die Schweiz, seitdem bleibt vom Gehalt sogar was übrig. Warum nicht schon 10 Jahre eher? Selber Schuld, zu faul den Arsch zu bewegen. Wenn ich heute aus Distanz deutsche Nachrichten schaue, bin ich fassungslos über soviel Blödheit.

Was bitte hat Auswandern mit Patriotismus zu tun? Wir haben alle nur ein Leben. Deutschland ist doch schon lange ein Testgebiet dafür, was man ungestraft alles mit Leuten machen kann.

Wartet's ab: Ihr werdet noch Sauerstoffbezugssteuer zahlen und Ulla Schmidt in ihrer unnachahmlichen Art wird euch erklären, warum das gut für euch ist. Ein Volk hat immer die Politiker, die es verdient.


Benutzername: Deutschsprachiger Pastor

Beitrag: Hier Horst Gutsche - alter Auswanderer aus der Welle nach dem 2. Weltkrieg. Die Eltern wurden in Bessarabien, Rumaenien geboren, wurden ueber Oesterreich nach Polen heim ins Reich umgesiedelt und sind dann 1945/1946 (mein Vater war 1944-46 Kriegsgefangener in den Staaten) in den Westen gekommen. 1956 ist meine Familie nach Alberta, Kanada ausgewandert - ich war damals vier Jahre alt. Ich habe 1970-72 in Deutschland studiert (Luth. Theol. Hochschule in Oberursel/Taunus). Bin nun sehr interessiert an dieser neuen Auswanderungswelle weil ich um die kirchliche Versorgung der neuen Einwanderer besorgt bin. Ich bin 31 Jahre lang im Dienst von zweisprachig deutsch/englischen ev.-luth. Gemeinde und zur Zeit in der deutschsprachigen Kirchengemeinde in San Francisco.

Deutschland scheucht haeufig Leute ab. Vor einigen Jahren wollte ich meine deutsche Staatsangehoerigkeit wieder erwerben. Es gab eine grosses Hin und Her und mir ging dann die Puste aus. Einige meiner Cousins hatten, obwohl sie in Kanada geboren, die deutsche Staatsangehoerigkeit mit Leichtigkeit bekommen. Da hatten sich aber die Gesetze geaendert. Vielen Dank fuer jahrzehnter Betreuung von Deutschen und unzaehlige Stempel und Unterschriften auf bundesdeutschen Formularen um alle moeglichen Dingen zu bestaetigen. Dies hat ueber die Jahren hindurch mich viel eher zu einem Deutschsprachigen gemacht. Ich fuehle mich mit dem ganzen deutschsprachigen Europa verbunden. Lebet wohl in der Ferne und vergisst Gott nicht!


Benutzername: Ich hab's gemacht

Beitrag: Ist doch nun wirklich kein Wunder, wenn man sieht, wie sich unsere Politiker zuallererst einmal um sich selbst kümmern. Haben Sie das Geschacher um die Posten im letzten Herbst schon vergessen?

Eine Hartz IV-Kur würde allen unseren Politikern gut anstehen, damit sie etwas von der Realität mitbekommen, von der sie so allumfassend und wunderbar geschützt werden. Und die Qualität der Gesetze, die sie für das Volk erlassen? Jedes zweite Gesetz, was zum BVG zur Überprüfung kommt, wird rausgeworfen bzw. muss signifikant geändert werden, weil alles zusammengeschustert wurde und kein Handwerkzeug zum Einsatz kam - und das, wo sie doch alle Rechtsanwälte sind. Bezahlung als Minister usw. nur für die Zeit, in der sie tätig sind, wie in der wirklichen Welt.

Zu den Auswanderern: The grass is not greener on the other side, it only looks that way from here. Sein sie gewarnt.


Benutzername: hombre2708

Beitrag: In den letzten Jahrzehnten sind Schluesselpositionen in Politik, Wirtschaft und oeffentlichen Institutionen vor allem mit Buerokraten fehlbesetzt worden, die sich als Taugenichtse entpuppt haben aber trotzdem an ihren Sesseln kleben und nerven.

Man braucht keine Namen nennen, da sie fast taeglich in den Medien present sind, dummes Zeug reden und sich darueberhinaus oft als wuerdelose Lakaien zu erkennen geben.

Man muss sich geradezu schaemen, sowas als Vertreter unseres Volkes und unserer Gesellschaft zu sehen. Als Hochqualifizierter laesst man sich nicht so leicht gaengeln, man beherrscht mindestens englisch als Fremdsprache, man waegt seine Changen ab und geht wenn sich ergibt.

Ich lebe seit Jahren im suedlichen Ausland und arbeite im Mittleren Osten direkt fuer den einheimischen Kunden vor Ort.


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: Jens Toepfer, London

Beitrag: Ich lebe seit nunmehr sieben Jahren im Ausland und bezahle dennoch in die deutschen Sozialsysteme. D.h. ich leiste deutlich nach wie vor einiges für die Sozialgesellschaft; in meinen Augen eher für zu viele Schmarotzer in der sozialen Hängematte!

Macht mich das jetzt zum Patrioten? Klares Nein. Diese patriotische Diskussion an sich ist völlig absurd, genauso wie diverse Vorschläge nach Passgebühren für Auslandsdeutsche etc.

Aus eigener Erfahrung in drei Ländern ist das deutsche System nicht nur vergleichbar äußerst kompliziert, sondern auch höchst ungerecht.

So genannte Besserverdiener bezahlen sowohl in den USA, Großbritannien als auch Österreich vergleichbar viel Steuern, werden aber nicht durch die Sozialversicherungen geschröpft. Daneben haben alle diese Staaten Anreize geschaffen, qualifizierte Kräfte ins Land zu holen.

Wo ist dieser Ansatz in Deutschland?

Anstatt über Passgebühren zu philosophieren und eine alberne Patriotismusdebatte zu führen, sind Reformen gefragt. Ich bin sehr stolz Deutscher zu sein.

Auf die deutsche Politik und all die nutz- und sinnlosen Verwaltungsgesetze bin ich es nicht. Wann fangen wir endlich an, die gesetzlichen Krankenkassen in eine große Organisation zusammenzufassen? Wann schaffen wir endlich die mafiösen Strukturen im Gesundheitswesen (kassenärztliche Vereinigung, Apotheken etc.) ab? Wann weisen wir eine überholte Gewerkschaft und öffentliche Verwaltung in Ihre Schranken?

Individuen sind frei, und wenn mich der Staat als Auslandsdeutscher als minderwertig ansieht, ok, andere Länder heißen uns herzlich willkommen, nach ein paar Jahren (deutlich weniger als in Deutschland) auch mit möglicher Einbürgerung.

Im Herzen bleiben wir Deutsche. Wenn uns der Staat aber nicht will, können wir das auf dem Papier auch schnell ändern.

Und dann Deutschland, dann sind wir immer noch nicht wieder zurückgekehrt?!

Anstatt "Typisch Deutsch" die Kreativität ausschließlich auf neue Steuern zu konzentrieren, wie waere es mit echten Reformen?


Benutzername: Klaus

Airbus kann keine Leute finden???? Haha....erst die Leute vergraulen und dann jammern. Wow ich koennt ein Buch schreiben das sich gewaschen hat. Aber was solls. Mir geht es gut jetzt und ich kann nur jedem anderen empfehlen nicht darauf zu warten was die Regierung macht. Denkt an euch selbst zu erst.

Beitrag: Habe ihren Beitrag ueber die Fluüchtlinge aus Deutschland gelesen. Ich muss sagen die Art und Weise wie es in Deutschland abgeht......die sind es selber Schuld !!! Ich habe es sogar zwei mal gemacht und bin nun endlich in den USAhängen geblieben. In Deutschland habe ich fünf Berufsausbildungen gemacht im guten Glauben es wuerde mich vorran bringen.....wow war das eine Illusion. Angefangen hat alles mit einer Ausbildung zum Kunststoff Formgeber, danach Industrieelektriker, Elektronik, Automatisierungstechnik und SPS Programmierer. Alles mit Abschluss und guten Noten. Koennen Sie sich vorstellen, dass man mit all den Ausbildungen in Deutschland nichts werden kann.....ja sogar Jobs verweigert bekommt !!!!!! Letzte Rettung Eigenständigkeit....naja. Hat alles recht gut angefangen bis dann die letzten Jahre die Wirtschaft rückwärts ging. Ich wollte nicht zusehen, wie ich alles verliere und krampfhaft an meiner Firma festhalten waerend die deutsche Regierung weiter das Geld mit vollen Armen verteilt und die Zeichen der Zeit nicht sieht. Also habe ich die Türen hinter mir geschlossen und habe mir eine neue Bleibe gesucht.


Benutzername: meister

Beitrag: Verständnis haben kann man für die Auswanderung auf jeden Fall.

Vor zehn Jahren bin ich nach Frankreich gegangen, weil zu diesem Zeitpunkt in Deutschland kein adäquates Arbeitsangebot zu bekommen war. Also habe ich die Möglichkeiten, die die Europäische Union bietet, genutzt und wurde in Frankreich fündig.

Ob das unpatriotisch ist, wage ich zu bezweifeln, denn wo war die "patriotische" Pflicht der Arbeitgeber zu diesem Zeitpunkt Berufsanfängern eine Einstiegschance im eigenen Land zu bieten?

Um dieser Erscheinung entgegenzuwirken wäre es ratsam, die Ursachen zu erforschen und zu versuchen, dem entgegenzusteuern. Offenbar gibt es scheinbar im Ausland besser Bedingungen (nicht nur professioneller Art) als im eigenen Land.


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: phil

Beitrag: Meiner Meinung nach ist es gerechtfertigt das Land zu verlassen, da ich mich nicht verantwortlich fühle, die Schulden der vorherigen Generation zu bezahlen. Die Folgen der sozialen Marktwirtschaft müssen nun diese in ihrem Rentenalter ertragen, die es damals gewählt haben.

Deutschland ist mittlerweile ein Staat, der Menschen mit Leistungsstreben, durch hohe Abgaben, bestraft. Die weitverbreitet Meinung das Reichtum und Geld schlecht sei, macht es für ehrgeizige Menschen schwer sich zu entfalten.

Ich bin 21, studiere BWL in Australien, und habe das Land nach meinem Abitur 2005 verlassen. Mein Ziel ist es in der Zukunft unabhängig von Deutschland zu sein!


Benutzername: Matthias Mitze

Beitrag: Sehr geehrtes MM,

ich gehöre selber zu denen die gegangen sind.

Warum? Weil es mir die Situation in D und die Unternehmen leicht gemacht haben.

Wenn jemand mit 32 Jahren, Erfahrungen im Consulting, im Management, mit breitem fachlichen Hintergrund und 4 Sprachen bei der Jobsuche behandelt wird wie ein Berufsanfänger oder erst nach 12 Wochen (wenn überhaupt) eine Reaktion auf eine Bewerbung bekommt, dann fängt man an in anderen Dimensionen zu denken.

Vor die Alternative gestellt in D um einen Job zu betteln, Hartz IV zu bekommen oder in Spanien zu angemessenen Konditionen leben und arbeiten zu können, habe ich Anfang des Jahres die Koffer gepackt.

Vor hundert Jahren war die Situation schon einmal so, die Auswanderer sind nach Amerika gegangen und momentan schätze ich es so ein, dass es wieder so werden wird.

In D stehen für die Unternehmen mitlerweile nur die Kosten an erster Stelle und Mitarbeiter sind der Faktor, der am meisten kostet.

Aber wer soll bitte all die schönen Produkte kaufen, wenn immer weniger Leute Arbeit haben? 3000 Mitarbeiter der Allianz müssen gehen - ob die noch alle Ihre teuren Versicherungen bei der Allianz abschließen werden?

Hier in Spanien verdienen die Leute weniger und es wird noch mehr manuell gearbeitet, aber dafür haben die Menschen Arbeit und die Arbeitslosenquote sinkt seit 3 Jahren.

Auch ich bekomme weniger als für einen vergleichbaren Job in DE, aber ich habe Arbeit und die Lebenshaltungskosten sind geringer.

Und natürlich bin ich nicht der einzige - viele meiner Freunde, alle mit mehrjähriger Berufserfahrung, mehrsprachig und hochmotiviert haben keine Lust mehr auf DE.

Ich höre nur Geschichten vom schlechtem Betriebsklima, Arbeiten bis zum Umfallen, permanenter Kostendruck, Angst der/die nächste zu sein, beim Kostensenken.

Die interessanten Ziele sind mitleweile um den ganzen Globus verstreut: Spanien, Irland, Asien, Dubai etc.

Die Lücken werden gigantisch sein, weil diejenigen die zuerst gehen, sind die besten oder motiviertesten und in DE wird nur noch das Mittelmaß zurückbleiben.

Was sich ändern muss? - Das Menschen Menschen nicht mehr nur als Belastung und Kostenfaktor ansehen. Maschinen kaufen keine Produkte....

- Das diejenigen die Entscheider sind auch Menschen eine Chance geben und die irrwitzigen Anforderungen für Stellen auf ein realistisches Maß zurückschrauben.

- Ein besseres Klima für Existenzgründer und kleine Unternehmen schaffen.

- (Neben) Kosten und Regulierungswut eindämmen.

Ich könnte noch sehr viel schreiben, aber ich muss nun weiter arbeiten.

Grüße aus dem sonnigen Süden Europas MM


Benutzername: PeterKEH

Beitrag: Hallo, ich würde empfehlen dieses Phänomen nicht negativ zu sehen, da es ein Zeichen dafür ist, dass die Qualifikationen der Deutschen im Ausland gefragt sind. Aus meiner Sicht ist dies auch ein Folge der Globalisierung, da es einfacher wird ins Ausland zu gehen und sich Informationen zu verschaffen. Es ist auch ein Gegenargument dafür, dass Deutsche nicht mobil sind. Viele werden mit ihren Erfahrungen auch wieder nach Deutschland zurückkommen. Ich selbst arbeite und lebe seit 3 Jahren in der Schweiz und habe auch wieder vor nach Deutschland zurückzugehen.


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: Biscuit

Beitrag: Deutschland ist einfach nicht attraktive genug, was die weitere Entwicklung im Beruf angeht. Noch immer sind viele Firmen und Angestellte der Meinung, dass man, sobald man eine sichere Arbeitsstelle hat, da sitzen bleibt bis zur Rente. Akuter Stillstand in den Köpfen der Arbeitnehmer und mitunter deshalb auch möglicherweise Stillstand in den Betrieben. Ein Arbeitnehmer, der nicht gefördert wird, wird selten mehr einsetzen, als er muss.

Schließlich bekam ich ein Angebot von einer Zeitarbeitsfirma in Schottland um dort fuer Big Blue zu arbeiten. Call-Centre. Sicherlich nichts mit Prestige und auch verbunden mit sehr viel harter Arbeit, Einsatz und ja, auch Eintönigkeit. Nach 9 Monaten meine erste Beförderung, weitere 7 Monate später die Zweite. Plötzlich wurde ich ins Ausland geschickt um an hochbezahlten Outsourcing Projekten mitzuarbeiten. Aus dieser Position heraus war es auch gut, sich weiter zu bewerben mit Erfolg: seit gut einem Jahr arbeite ich für ein mittelständiges Unternehmen in Schottland, welches über 60 Länder mit seinen Produkten beliefert. Nach 10 Monaten wurde ich befördert und bin nun verantwortlicher Manager des Export Sales Teams. Desweiteren zahlt mir diese Firma meinen MBA Studiengang.

Wäre das in Deutschland möglich gewesen? Manager innerhalb von 4 Arbeitsjahren ohne Studium?

Ach, ich hätte ja auch in Deutschland studieren können, aber dann wäre ich wahrscheinlich auch jetzt noch nicht fertig...

Ich selber bin vor 3 Jahren in die UK ausgewandert. Zuvor habe ich in einem Bekleidungsunternehmen eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau abgeschlossen und ein Jahr in dem Unternehmen gearbeitet. Erfolgreich möchte ich hinzufügen. Doch auch nachdem ich mit viel Mühe und wenig Unterstützung eine sehr profitable Abteilung aus dem Boden gestampft habe, sah mein Arbeitgeber nicht die Notwendigkeit mich zu fördern. Vielleicht in 5 Jahren ...


Benutzername: goldfish

Beitrag: Bin selber im zweiten Jahr in der Schweiz und bereue nichts. Der Blick von außen schärft die Sinne dafür, wie schlimm es die Laienspielschar der deutschen Politiker seit Jahren sehenden Auges treibt. Alle Probleme sind seit den 80ger Jahren bekannt- passiert ist nichts. Deutschland leistet sich eine Verwalterkaste, welche zum großen Teil am Qualifikationstest zum Spargelstechen scheitern würde und mit Ideen aus dem letzten Jahrtausend versucht die jeweilige Klientel zufrieden zu stellen. Warum soll jemand der nicht lokal gebunden ist, sich das auf Dauer antun? Teures Programm, schlechtes Entertainment, elende Gestalten, kein Nutzwert.


Benutzername: PGr

Beitrag: Ich lebe und arbeite seit einigen Monaten in Irland und es ist unglaublich wie viele Deutsche man hier trifft und keiner von denen ist zum Spaß, sondern schlicht deshalb weil es hier gute Jobs für qualifizierte Leute gibt. Damit ist auch klar, dass zumindest die Gefahr eines brain drain für Deutschland besteht. Und diese Gefahr ist wiederum hausgemacht. Bspw. wird an den Universitäten der komplette Mittelbau "gesundgeschrumpft" Damit fehlen Beschäftigungsmöglichkeiten für all die, die man in Doktorandenprogrammen in großer Zahl ausbildet (auch um billigen Ersatz für das im Mittelbau gestrichene Lehrpersonal zu haben). Außerdem wurde von der letzten Bundesregierung die Möglichkeit gestrichen, eine Karriere auf Projektbasis aufzubauen (da man nur noch begrenzt Zeit befristet beschäftigt sein darf). Stattdessen soll man Professor werden oder in der Wirtschaft, die angesichts der Leute, die ich in Irland treffe auch ihre Probleme hat, glücklich werden. Auf die Hochschulen bezogen frage ich mich, wie klug ein Unternehmenskonzpet sein kann, das außer CEOs (Professoren) und Trainees (Doktoranden) keine weiteren Mitarbeiter vorsieht. Da lebe, lerne, arbeite und qualifiziere ich mich lieber in Irland und komme zurück ... oder auch nicht (das gilt übrigens für eine vierköpfige Familie - von denen wir in Deutschland ja auch nicht zu viele haben).


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: Christlicher Araber

Beitrag: Ich bin schon 1995 aus Deutschland weg, ueber mehrere GUS-Staten schliesslich in den Emiraten gelandet und hier jetzt heimisch geworden. Als Auaslaender in den GUS-Staaten genoss und jetzt in den VAE geniesst man einige Vorteile, die es in Deutscchland nicht gibt, an erster Stelle sei einmal die Steuerfreiheit genannt. Das macht Dienstleistungen erschwinglich, auch wen die Preise hier in den VAE aehnlich wie eine Rakete abgehen. Aber noch kann man das kompensieren. Jedenfalls zieht mich nichts in die alte Heimat zuerueck; wenn ich schon sehe und hoere, wie kein Problem in Deutschland auch nur annaehernd geloest werden kann, geht mir die Hutschur hoch. Jeder blockiert jeden und auf der Strecke bleiben diejenigen, die die ausgefahreren Gleise verlassen wollen. Wenn ich hier in den VAE ein neues Geschaeftsfeld aufbauen will, brauche ich dafuer vielleicht eine Woche, wenn es sehr lange dauert. Und wenn ich eine Baugenehmigung brauche, habe ich die in zwei bis drei Wochen! Ohne Bestechung und ohne juristische Spitzfindereien. Brauche ich fuer eine Investition Geld, finde ich einen Investor. Wenn ich von Freunden in Deutschland hoere, dass die Banken mit dem Hinweis auf Basel II ihnen die Ueberziehungskredite kuerzen oder gar gaenzlich streichen - dann frage mich mich ernsthaft, wer was in deutschland zu sagen hat.

Ehrlich gesagt, ich fuehle mich inzwischen in den VEA zu Hause. Ich kann mich mit den gesellschaftlichen Zielen identifizieren und daraus meine Taetigkeit ableiten, die mich ernaehrt. Gewiss, vieles ist komplett anders als in Deutschland, aber das hindert mich nicht, mein Leben besser und anders als in Deutschland gestalten zu koennen. Wenn ich die Medienberichte ueber die VAE in Deutschland sehe, dann muss ich feststellen, dass der/die Schreiber/in nichts, aber auch gar nicht verstanden haben. Hier herrscht eine Aufbruchsstimmung, die es in Deutschland zuletzt 1989/90/91 gab und die von der Regierung Kohl kaputtgemacht wurde. Die historisch einmalige Chance, eine neues, besseres und vor allen zukunftsorientiertes Deutschland zu schaffen, wurde von engstirnigen Politikern schlicht und ergreifend verspielt.

Mir tun mein daheimgebliebenen Landsleute echt leid. Wir haben doch jetzt genaugenommen die gleiche Situation wie 1989: die Abstimmung mit den Fuessen! Wenn mir Freunde mitteilen, dass beispielsweise eine 50-g-Rolle Wolle 15mal mehr in Deutschland kostet als hier, dann frage ich mich wirklich, was mit meiner alten Heimat passiert ist.

Vor einem graut mir jetzt schon: Was wird aus Deutschland werden, wenn immer mehr vor allem junge Menschen begreifen, dass ihr hoher Bildungsstandard ihnen im Ausland weitaus bessere Chancen bietet als daheim? Deutschland, das Land der Looser?

Meine Meinung ist klar und einfach: Es gibt kein einigendes Ziel in Deutschland und keine Motivation, ein solches zu definieren. Zu gross sind die gegenlaufenden Interessen verschiedensten Gruppen und Grueppchen - vorallem aber die Interessen der Lobbyverbaende und der Masse der Bescheaftigten. In einer Welt der Globalisierung, in der heute moeglich, was vor 10...15 Jahren noch undenkbar war, zaehlt augenschainlich nur eines: Gewinnmaximierung. Der Mensch bleibt da auf der Strecke, weil der Staat als Regulativ quasi auf der Gehaltsliste der Konzerne steht. Selbst die medien sind derart kommerzialisiert, dass es schon schade ist, seine knappe Freizeit mal vor dem Fernseher zu verbringen oder sich Zeitungen und Zeitschriften aus der alten Heimat zu besorgen.


Benutzername: Christoph

Beitrag: Ich lebe seit nunmehr drei Jahren in der Schweiz, zuerst in Bern, nunmehr in Zürich. Ich arbeite als Executive Manager in einem internationalen IT Konzern und habe eine große Zeitlang als Geschäftsbereichsleiter Schweiz einen lokalen Geschäftsbereich betreut. Einige Schlüsselobservationen, die ich im Vergleich zu Deutschland immer wieder beobachte, vielleicht etwas plakativ: In der Schweiz ist man lösungsorientierter, in Deutschland werden Probleme bejammert, Meetings finden statt, man beschließt, verteilt Aufgaben, danach kommt nichts raus. Gleichzeitig betriezen sich die Kollegen und hauen aufeinander ein, dass keine Freude macht.

Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: Emigrant

Beitrag: Ich arbeite jetzt 2 Jahre als Arzt in den Niederlanden und habe den Schritte nicht bereut. Ich habe hier bessere Konditionen und mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Mein Eindruck ist, dass man hier auch flexibler in der Lage ist, sich auf neue Entwickelungen einzustellen. Vorher habe ich in Deutschland erleben auch persönlich dürfen wie im öffentlichen Dienst und in der Politik nur noch Verantwortung hin und her geschoben wird aus Angst die eigenen Pfründe zu gefährden. Die Bürger fürchten Veränderungen und eine Gefährdung des Erreichten und die Politik hat Angst vor der Angst der Bürger. Hinzu kommt das man an gleichzeitiger Ausübung von anderen Tätigkeiten und politischem Mandat noch persönlich gut verdienen kann und das Treffen notwendiger Entscheidungen sowohl Mandat als auch die Nebeneinnahmen gefährden würde.

Die Presse ist scheinbar auch schon in das korrupte System eingebunden und berichtet wenig über die Verstrickungen zwischen Politik und Wirtschaft, obwohl allgemein bekannt ist wer gleichzeitig ein Mandat hat und in Aufsichtsräten sitzt. Inzwischen breitet sich das System der Vorteilsname aus und man wundert sich auch noch darüber das Lobbies so stark sind und Entscheidungen von denen jeder weiss, dass diese notwedig sind, nicht getroffen werden. Auf sachliche Kritik wird im allgemeinen mit Stimmungsmache und Diffamierung reagiert. In die gleiche Kategorie kann man das Argument einordnen die Emigranten kämen sowieso zurück. Als Deutschland nicht mehr handlungsfähig wird und sich die oben beschriebene Negativspirale fortsetzt sehe ich auch langfristig keine Perspektive mehr in meiner Heimat. Vielleicht sollte sich die Politik, statt zu behaupten die Emigranten kämes sowieso zurück, sachlich mit dem Thema "brain drain" auseinandersetzen, wozu auch gehört den Leistungstr ägern etwas zu bieten. Es könnte nützlich sein, auch den jetzigen Ärztestreik aus diesem Blickwinkel zu betrachten.


Benutzername: rheinbob

Beitrag: Zwei Masterabschluesse(Jura + MBA), zwei Fremdsprachen(Eng+Mandarin), Berufserfahrung reichten nicht fuer eine entsprechende Anstellung in der Heimat. Folglich bleibe ich in Taipei habe nach meinem MBA Studium in einer Unternehmensberatung gestartet. Vor zwei Jahren bin ich, teils aus Abenteuerlust, teils aus mangelnden Perspektiven in Deutschland, nach Taiwan. Zwischenzeitlich habe ich dort eine Menge Geld fuers Studium gelassen anstatt in Deutschland Beitraege zu entrichten. Waehrend des Studiums habe ich mich sowowhl in Deutschland als auch in Taiwan beworben. Vermutlich ist in Deutschland die Konkurrenz zu gross, als das ein Bewerber aus dem Ausland beruecksichtigt wuerde. Jedendfalls gab es nur Absagen. Natuerlich reizt es auch in der Heimat zu arbeiten, Deutschland hat einen tollen Lebensstandard zu bieten und die derzeitige Euphorie ist einfach klasse.

Was sind die Vorteile in Ostasien? Es ist wesentlich Arbeitgeber freundlicher, in der Konsequenz wird im Zweifel eher eingestellt. Fuer mich als Arbeitnehmer sehe ich Perspektiven, es ist dynamischer. Mehr Risiken und mehr Optionen.

Wie steuert der Staat gegen, dass viele gute Leute gehen und der positive Migrationssaldo weitgehend durch minderqualifizierte erreicht wird? In Deutschland sieht es nach einer Besitzstandwahrung fuer die arbeitende Bevoelkerung aus. Macht den Markt flexibel und bringt mehr in Lohn und Brot! Das Potential in unserem Land ist wie das Ansehen in Asien: grossartig.


Benutzername: Michael Klinger

Beitrag: Es fängt damit an, daß man die Tageszeitung abbestellt, um sich von schlechten Nachrichten nicht den Tag verderben zu lassen. Seine Überlegungen, welche Chancen die Kinder wohl in diesem Land haben werden, kann man nicht einfach so abschalten.

Also packt man die Koffer und geht ins Ausland. Hier ist es zunächst viel schwerer als erwartet. Sprache und Landesgewohnheiten lernen, Freundes- und Bekanntenkreis aufbauen, Arbeit suchen......aber die Stimmung im neuen Land ist besser. Die Kinder fühlen sich schnell im neuen Umfeld wohl, lernen als erste die Sprache und werden schnell heimisch. Man beginnt nicht mehr alles so ernst zu nehmen und lernt den Tag zu geniessen. Mit etwas Abstand kann man auch wieder die Nachrichten im deutschen Fernsehen ertragen, liest zunächst regelmäßig Stern, Spiegel, Focus, um auf dem Laufenden zu bleiben, -doch mit der Zeit läßt man das auch mal ein paar Wochen bleiben, -ist ja nicht so wichtig, was im entfernten, verregneten Deutschland passiert.

Jetzt ist man gerne wieder zu Besuch in Deutschland, besucht Freunde und Bekannte und bringt ein bischen fremdländische Gelassenheit mit. Das führt dazu, daß auch die Daheimgebliebenen gute Laune bekommen und man fühlt sich wohl, -zu Hause.

M. Klinger (Unternehmer im IT-Bereich, Lebensmittelpunkt seit 3 Jahren: Spanien)


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: Full Time Working Mother

Beitrag: Ich halte es fuer eine Pflicht des Staates, dafuer zu sorgen, dass sich die Buerger selbst verwirklichen koennen. Und dazu zaehlt bei mir die Moeglichkeit, Kinder zu bekommen, und auch die Moeglichkeit, einen Beruf ausueben zu duerfen. Meiner Meinung nach sind das zwei Grundrechte, die jedem Buerger zustehen sollten.

Das geht in Deutschland nicht, - vor allem nicht fuer Akademiker, die nicht so mal eben ein Jahr Elternzeit nehmen koennen, weil der aktuelle Stand der Forschung nun mal auch kein Jahr Elternzeit nimmt.

Vor allem nicht, wenn beide Elternteile Akademiker sind.

Mir und meinem Freund wir in Deutschland nicht die Moeglichkeit geboten, gleichzeitig unsere Doktorarbeit zu schreiben und Kinder zu haben, ohne groessere finanzielle und nicht-materielle Unterstuetzung unserer Eltern.

Wir sind in die Niederlande gezogen, weil wir hier beide arbeiten koennen und ohne Probleme einen Day-care Platz bekommen haben und zusaetzilch die finanzielle Unterstuetzung dazu von Staat und Arbeitgeber. Waeren wir in Deutschland geblieben, so haetten wir entweder kein Kind, oder einer von uns haette aufhoeren muessen, zu arbeiten. Was, nebenbei gesagt, nach einer 10 jaehrigen Universitaetsausbildung eine riesige Verschwendung von Steuergeldern gewesen waere.

Wir kommen erst zurueck, wenn es unsere Kinder alt genug sind, den Nachmittag nach der Schule (die ja in Deutschland im Gegensatz zu anderen europaeischen Laendern ja nur den Vormittag andauert, - was nebenbei erwaehnt, moeglicherweise ein Grund fuer die schlechten Pisa Ergebnisse sein koennte?) alleine zu Hause zu verbringen, sprich, in etwa 16 Jahren. Vorher wird uns Deutschland nicht wiedersehen.

Wir brauchen in Deutschland eine bessere Familienpolitik, die es beiden Elternteilen erlaubt, im Beruf zu verbleiben. Mehr Kindertagesplaetze bereits fuer Babies ab 3 Monaten. Wir brauchen keinen Ehrziehungs(!)URLAUB(1), moeglicherweise brauchen wir Elternzeit, aber ganz sicher benoetigen wir mehr Moeglichkeiten, ohne groessere Unterbrechung im Beruf zu bleiben. Vor allem fuer die akademischen Schichten, wo sich eine Pause laenger als 6 Monate sehr negativ auf die Karierre auswirkt.

Wir brauchen mehr (ausschliesslich?) Ganztagsschulen, Schulen, die Kinder gerne besuchen, mit Lehren, die eine vernuenftige Ausbildung fuer diesen Beruf haben.

Das geht in Deutschland nicht, - vor allem nicht fuer Akademiker, die nicht so mal eben ein Jahr Elternzeit nehmen koennen, weil der aktuelle Stand der Forschung nun mal auch kein Jahr Elternzeit nimmt.


Benutzername: Bergziege

Beitrag: Auch wir gehören zu den Deutschen, die ein bisschen gen Süden (in die Schweiz) gezogen sind. Mein Mann (Dipl. Physiker) wollte nach Jahren an der Hochschule als wissenschaftlicher Mitarbeiter, immer nur zeitlich befristet, immer nur auf DFG-Anträge, auch mal was Längerfristiges haben.

Für mich, Physiotherapeutin, ist es D eh nur noch brotlose Kunst, bei den Regelsätzen, die die KK zu zahlen bereit sind.

Wir können es uns nicht vorstellen, in der nächsten Zeit zurückzukehren, jedenfalls nicht, solange das Land immer schlechtgeredet wird, schliesslich bleibt irgendwann nichts anderes als es wirklich zu glauben.

Natürlich ist hier auch nicht alles Gold was glänzt, aber die Stimmung ist einfach besser.

Solange die Aussichten auf eine halbwegs stabile zukunft nicht bessern, werden sicher noch etliche gut ausgebildete Menschen das Land verlassen, nachdem sie auf Staatskosten ausgebildet wurden.

Das ist dann letztendlich ein doppelter Verlust, man sollte nachdenken, wie man es schafft, diese Resource, eine der wenigen, die Deutschland ja nun überhaupt hat, im Land zu behalten.


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: TheScotsman

Beitrag: Ich bin vor sieben Jahren aus Deutschland ausgezogen, weil die Stimmung in Deutschland unangemessen schlecht war.

Dabei habe ich niemals verstehen koennen, warum sich viele Deutscen ueber alles beschweren und sich auch gegenseitig an den Kragen gehen, wenn es um Argumente geht. Staendig wird geklagt und anderen Fehler vorgehalten, der Zeigefinger erhoben und anderen gesagt, was sie zu tun und zu lassen haben.

Sicherlich gibt es Probleme in Deutschland (vorallem Ost-Deutschland) und die Arbeitslosigkeit ist hoch, ABER: diese Probleme gibt es ueberall und nur mit Meckern bringt man auch nichts zustande.

Da gefaellt es mir in Schottland besser, wo die Leute mehr Sinn fuer Humor haben als die Mehrheit der Deutschen.

Schwarzmalerei ist eben auch naiv !


Benutzername: dominik

Beitrag: Die Frage wird mir oft gestellt. "Wann kommst Du wieder zurück nach München..." Nach einigen Jahren in Athen, Madrid und Stockholm muss man zwar eingestehen, dass dort auch nicht immer alles besser ist, aber dafür lebt man dort zumindest mit dem Auslandsbonus und kann es, wenn nötig, auf dieses Land mit seinen Leuten, Gepflogenheiten, etc. schieben.

Vorneweg. Wer zu hause nicht glücklich ist, der wird im Ausland meistens auch nicht glücklicher, aber das ist ein anderes Thema.

Aber eines ist mir im Ausland schon aufgefallen. In Deutschland haben seit Jahren die smarten Besserwisser das Wort. Diejenigen, die spezialiesiert sind, es mit fachlichen Argumenten und erarbeiteten Konzepten versuchen, das sind die am schlechtesten bezahlten, die uncoolen, die politisch nicht vertretbaren, diejenigen, die ökonomisch gesehen leider keiner Managermode entsprechen...(einen feschen Typen habt Ihr da auf Eurem Titelblatt...)

Hahaha... wir werden es ja sehen. Zehn Jahre, so meine Prognose, muss es in Deutschland wohl so weitergehen... bis man diese dämliche Einstellung ändert. Oder sich die Dinge ändern.

Ich gehe langfristig (!) meine Weg besser ohne Deutschland...

Immer wenn ich einen Brief aus einer deutschen Amtsstube öffne, dann öffne ich auch eine Flasche Wein...und denke an Karl Valetin. (Rente, Arbeitsamt, Architektenkammer(das sind die "schlimmsten"), etc...)

Wenn ich von den neusten Politikerslogen höre, dann nehm ichs mit (Galgen-)Humor.(egal welche Partei, leider..)

Wenn ich eine deutsche Zeitung lese, finde ich nur Artikel mit Meinung und Stimmungsmache... um Information zu bekommen, Diskussionen über Ansätze... das steht woanders... ist halt überall so. Man denkt wohl es verkauft sich besser...hahaha...

Liebe Grüsse aus dem wunderschönen Stockholm


Benutzername: Beate Phillipson

Beitrag: Hei! Als seit Jahren in Norwegen lebende Deutsche finde ich Ihr Titelthema sehr interessant. Auch ich habe vor 6 Jahren Deutschland den Ruecken gekehrt und glauben Sie mir, es ist mir nicht leicht gefallen. Aber welche Alternativen boten und bieten sich denn in Deutschland wenn man weiblich, mitte 30 mit zwei kleinen Kindern und nach jahrelangem Studium und Ausbildung hoch qualifiziert ist?


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge

Benutzername: grille

Beitrag: Tja, ist ganz einfach für mich gewesen. Arbeitslos oder Ausland. Anfangs hatte ich den Wohnsitz noch in D. Aber warum soll man es nicht auch wie die grossen Konzerne machen. Kostenoptimierung und deshalb Wegzug in die Schweiz, wo ich eh schon arbeitete. Ergibt auch einen kürzeren Arbeitsweg und die Steuerformulare sind bedeutend kürzer. Inzwischen bin ich ja aufgrund meiner Berufserfahrung gefragt, aber Jobs in D sind halt nicht so gut bezahlt. Ich rechne da halt netto was auf die Hand kommt. Und bei den ganzen Abgaben (Staatsquote so bei etwa 70%) kommen dann Brutto wieder utopische Summen raus.

Und wer jetzt die patriotische Flöte spielt soll erstmal erzählen wie lange sein Wehr/Zivildienst war. Ich hatte da 20 Monate Dienst für Deutschland.

Gruss an die Daheimgebliebenen


Benutzername: Irland

Beitrag: Seit einem Jahr wohnen und arbeiten wir nun schon in Irland. In Deutschland hat mich nichts mehr gehalten. Es is traurig anzusehen wie sich das Land herunterwirtschaftet. Alle blockieren sich gegenseitig. Auch in Irland ist nicht alles perfekt, aber zB. ist das Steuersystem 1000 mal einfacher in Deutschland und man hat auch mehr in der Tasche. Hier hat man einfach mehr Moeglichkeiten. Gruesse von der Insel and alle daheimgebliebenen...


Benutzername: Ralf

Beitrag: Guten Tag, zunaechst einmal danke ich Ihnen, dass Sie dieses Thema zur Sprachen bringen, betrifft es mich doch direkt, da ich einer der "Ausreisser" bin. Ich lebe und arbeiteseit zwei Jahren in Dublin in einer hollaendischen Bank und muss sagen, dass ich diesen Schritt keinen Tag bereue.

Als ich mein Studium der VWL 2002 abschloss, gab es nicht viele Alterntiven in Deutschland, der deutsche Bankensektor befand sich gerade in einer Umstrukturierungsphase (der offenbar immer noch nicht abgeschlossen ist (z.B. Dresdner Bank) und da war wenig Platz fuer Berufseinsteiger. So entschloss ich mich, zunaechst nach Oesterreich zu gehen und fand dort auch recht schnell eine Arbeit in einer Bank.

Schliesslich entschied ich mich, in ein englischsprachiges Land weiterzuziehen - nach Irland. Und mein naechstes Ziel ist sicher nicht Deutschland.

Gruende: 1.)Ich bin nicht bereit, fast die Haelfte meines Einkommens fuer sagen wir mal vorsichtig "Verwaltung" abzufuehren. Andere Laender (Oesterreich, Irland) machen es vor, wie man regieren kann, ohne die Steuerzahler derart zu belasten. Insofern muss ich mir gefallen lassen, als oekonomischer Nomade bezeichnet zu werden. Aber ist es nicht gerade der Vorteil der EU, das man die freie Wahl hat, wo man sich niederlassen moechte?

Wenn anderswo die Bedingungen besser sind, darf sich niemand wundern, wenn diejenigen, die die Moeglichkeit haben und bereit sind, neu anzufangen, sich fuer die bessere Alternative entscheiden. Auch kann ich aus eigener Erfahrung sagen, das man als Persoenlichkeit reift, wenn man sich der Herausforderung Auslandsaufenthalt stellt und diese erfolgreich meistert.

2.)Die Arbeitswelt in Deutschland ist um vieles haerter geworden, wie mir Freunde immer wieder berichten: Wer Arbeit hat, arbeitet doppelt so hart, um im Spiel zu bleiben. Oft grenzt das an etwas, was man "auf Verschleiss fahren" bezeichnet. Gedanken fuer Familiengruendung bleiben da schnell auf der Strecke. Auch spielt die staendige Unsicherheit ueber den Erhalt des Arbeitsplatzes eine Rolle bei der Entscheidung gegen mein Heimatland.

Was koennte mich bewegen, nach Deutschland zurueckzukehren? Zunaechst sind das die oekonomischen Rahmenbedingungen, die stimmen muessen: Wenn es wieder attraktiv wird, in meinem geliebten(!) Heimatland Leistung zu bringen und man dafuer nicht mit einer horrenden Abgabenlast bestraft wird (nicht allein die Steuern, die enormen Beitraege fuer Krankenkassen etwa sowie all die anderen SV-Abgaben fallen hier ebenso ins Gewicht). Das mag egoistisch klingen, aber letzendlich hat jeder mit sich selbst zu vereinbaren, ob und wieviel er fuer Ineffizienz bereit ist zu zahlen. Ich bin bin nicht gewillt, fuer zu viel Verwaltung zu viel von meinem hart erarbeiteten Geld zu zahlen, das ich stattdessen verkonsumieren koennte und somit der Volkswirtschaft einen groesseren Dienst erweisen wuerde.

Auch sollte mehr fuer junge Leute getan werden (Bildung !), junge Familien noch mehr gefoerdert und finanziell entlastet werden. Dieser Personenkreis ist unsere Zukunft, nicht die Rentner. Alles in allem sollte ich das Gefuehl haben, dass es in Deutschland wieder richtig vorangeht, es ist diese Dynamik (die ich z.B. in Irland spueren kann), die ich momentan vermisse in Deutschland.

Abschliessend moechte ich noch sagen: Deutschland ist und bleibt meine Heimat,daran aendert sich nichts. Nur der Ort, an dem ich wohne. Ich liebe den Teil des Landes, aus dem ich stamme (Sachsen). Trotz der Probleme, die wir haben, ist vieles nahezu perfekt, alles ist so organisiert und funktioniert einfach. Vermeintlich eine Selbstverstaendlichkeit, jedoch findet man dies im Ausland haeufig nicht.


Die veröffentlichten Beiträge wurden nicht redigiert. manager-magazin.de behält sich aber vor, Zuschriften zu kürzen.

Weitere Leser-Beiträge im Auswanderer-Blog

Verwandte Artikel