Donnerstag, 17. Oktober 2019

Terra Firma Einmal volltanken, bitte

Rund eine Milliarde Euro hat der britische Finanzinvestor Terra Firma Ende 2004 für den Raststättenbetreiber Tank&Rast bezahlt. Die Übernahme ist längst refinanziert. Da sich die Investoren aber eine stolze Sonderdividende genehmigt haben, werden dem Unternehmen Finanzkreisen zufolge weitere Schulden aufgebürdet.

Autobahnraststätte: "Keine Probleme mit dem Schuldendienst"
Frankfurt am Main - Gut eineinhalb Jahre nach dem Kauf hat Terra Firma dem Autobahn-Raststätten-Betreiber Tank & Rast Finanzkreisen zufolge weitere Schulden aufgebürdet und sich damit selbst eine Sonderausschüttung genehmigt. Dem Finanzinvestor flössen rund 400 Millionen Euro zu, sagte eine mit der Situation vertraute Person am Mittwoch zu Reuters.

Angesichts des konstanten Liquiditätszuflusses habe Tank & Rast aber keine Probleme, die zusätzlichen Schulden zu bedienen. "Das Unternehmen entwickelt sich gut", hieß es. Weder Terra Firma noch Tank & Rast wollten sich zu der Kapitalmaßnahme äußern.

Einsatz bereits fast verdoppelt

Die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtete ebenfalls von der Rekapitalisierung, einer bei Private-Equity-Firmen gängigen Vorgehensweise, um sich das beim Kauf investierte Geld wieder zurückzuholen. Nach Angaben der Zeitung hat Terra Firma mit der Sonderausschüttung bereits das Eineinhalb- bis Zweifache des eingesetzten Kapitals zurückerhalten. Der Finanzinvestor hält aber nach wie vor alle Anteile am Unternehmen.

Die Briten hatten den Raststätten-Betreiber im November 2004 von einem Konsortium aus Apax, Allianz Capital Partners sowie Lufthansa übernommen. Finanzkreisen zufolge hatten sie damals rund 1,1 Milliarden Euro gezahlt und so den angekündigten Börsengang von Tank & Rast verhindert. Die frühere Eigentümer-Gruppe hatte das Unternehmen 1998 vom Bund übernommen.

Schuldenlast steigt um mehr als ein Drittel

Fast wie Gelddrucken: Die Übernahme wird durch Kredite finanziert, die Schulden bedient das Unternehmen.
Arne Dedert / DPA
Fast wie Gelddrucken: Die Übernahme wird durch Kredite finanziert, die Schulden bedient das Unternehmen.
Auf Basis der "FTD"-Angaben dürfte Terra Firma beim Einstieg weniger als 300 Millionen Euro Eigenkapital aufgewendet haben - ein in der Branche übliches Verhältnis. Bei 75 bis 80 Prozent der Investitionssumme dürfte es sich um Kredite gehandelt haben, die umgehend Tank & Rast aufgebürdet wurden.

Dem Bericht zufolge erhöhen sich durch den Rekapitalisierungsschritt die Schulden des Raststätten-Betreibers um mehr als ein Drittel.

Rekapitalisierungen von Portfolio-Firmen werden häufig von Finanzinvestoren angewandt, sind aber umstritten. Sie bergen die Gefahr, dass ein Unternehmen unter der Schuldenlast in Schwierigkeiten gerät - vor allem, wenn sich die Geschäftsentwicklung verschlechtert.

So hatte sich die Beteiligungsgesellschaft Carlyle beim Autozulieferer Edscha 2005 eine solche Sonderausschüttung genehmigt. Zusammen mit der schwachen Autokonjunktur führte dies dazu, dass das Unternehmen mit Problemen kämpft und nun Stellen in Deutschland streicht.

rtr

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