Donnerstag, 2. April 2020

Allianz Kündigungsverbot für profitable Unternehmen?

Wenn Unternehmen sich als "vaterlandslose Gesellen" gebärden, müsse der Staat eingreifen, sagte DGB-Chef Michael Sommer. Gewinne und gleichzeitig Stellenstreichungen verkünden - das soll den Managern gesetzlich verboten werden, fordert Verdi. Die Gewerkschaft bezog sich dabei auf das jüngste Beispiel, geliefert von der Allianz.

Oldenburg/München - DGB-Chef Michael Sommer hat Unternehmen wie den Allianz-Konzern, die trotz hoher Gewinne Stellen abbauen, scharf angegriffen. "Es gibt in diesem Land Unternehmen, die sich als vaterlandslose Gesellen herausstellen", sagte Sommer der Oldenburger "Nordwest-Zeitung". Die Allianz sei nur ein trauriges Beispiel. Der Profit sei diesen Firmen allemal wichtiger als ihre soziale Verantwortung. Die große Koalition müsse das Verhältnis von Subventionen und Gegenleistungen - in Form von Arbeitsplätzen - ins Lot bringen.

Wenn der Arbeitgeber Gewinne einstreicht, sollte er nicht kündigen dürfen: Gewerkschaft fordert neues Gesetz
Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi forderte unterdessen ein gesetzliches Kündigungsverbot für profitable Unternehmen. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung Stellung bezieht", sagte Uwe Foullong vom Verdi-Bundesvorstand dem "Tagesspiegel am Sonntag". Sonst drohten gefährliche gesellschaftspolitische Verwerfungen. "Wenn immer mehr Unternehmen trotz hoher Gewinne Arbeitsplätze vernichten, erschüttert das den Glauben der Bürger an die soziale Marktwirtschaft und an die demokratisch ausgerichtete Verfassung", sagte der Gewerkschafter.

SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler sieht jedoch keinen Gestaltungsspielraum für die Politik. Man könne nur dem Betriebsrat den Rücken stärken und in den Gremien auf Unternehmensebene für die Belange der Beschäftigten kämpfen. "Wir müssen jetzt den Blick nach vorne richten", sagte Stiegler der Zeitung. Auch der Politiker übte heftige Kritik an der Allianz-Führung: "Es wäre besser, einen unfähigen Vorstand auszutauschen als die Mitarbeiter büßen zu lassen."

Gespaltenes Echo von 10.000 Allianz-Vertretern

Der massive Stellenabbau stößt auch bei den mehr als 10.000 selbstständigen Vertretern der Versicherung auf Kritik. "Die Meinung unter den Vertretern ist sehr gespalten", sagte der Sprecher der Interessengemeinschaft der Allianz-Vertreter, Udo Balshüsemann, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Das bevölkerungsreichste Bundesland werde nun "praktisch Allianz-freie Zone", kritisierte Balshüsemann mit Blick auf die Stellenstreichungen in Nordrhein-Westfalen. Zugleich warnte er davor, unzufriedene Allianz-Vertreter könnten zur Konkurrenz wechseln. Häufig gingen dann der Allianz auch ein Großteil der betreuten Kunden verloren.

Am Donnerstag hatte die Allianz als Konsequenz aus dem einschneidenden Konzernumbau den Abbau von insgesamt 7500 Jobs im deutschen Versicherungsgeschäft und bei der Tochter Dresdner Bank sowie Standortschließungen angekündigt. Dies war bei Gewerkschaften und Politik angesichts von Milliardengewinnen auf heftige Kritik gestoßen.

Dresdner-Bank-Chef: Zwei gute Quartale nützen nichts

Der Vorstandschef der Dresdner Bank, Herbert Walter, hat den angekündigten Abbau von 2500 Arbeitsplätzen bei der Allianz-Tochter verteidigt. "Wir sind immer noch nicht effizient genug", sagte Walter dem "Handelsblatt" (Montagsausgabe). Ziel der Allianz-Tochter sei es, ab dem Jahr 2008 eine Rendite von zwölf Prozent nach Steuern zu erreichen, auch dann, wenn es an den Märkten einmal nicht so gut laufen sollte. "Es nutzt nichts, wenn wir ein oder zwei Quartale gut sind und dann wieder zurückfallen", sagte Walter.

Nach wie vor sieht der Chef der Dresdner Bank in der Kooperation mit dem Mutterkonzern Allianz beim Verkauf von Finanz-Produkten die größten Wachstumschancen für sein Institut. So habe es die Dresdner Bank in den vergangenen fünf Jahren geschafft, unter den privaten Großbanken die Nummer eins beim Vertrieb von Versicherungen über den Bankschalter zu werden. Im vergangenen Jahr seien allein über diesen Weg 145.000 Sachversicherungen und fast 90.000 Lebensversicherungen verkauft worden, sagte Walter.

manager-magazin.de mit Material von ddp, reuters

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