Otto Neue Filialkette für Bademode

Über das Internet hat der Versandriese Otto 30 Prozent mehr als im Vorjahr verkauft, doch insgesamt stockt der Absatz. Als Gegenmaßnahme wird eine neue Ladenkette geplant. Im Angebot: Bademode und Dessous.

Hamburg - Der weltgrößte Versandhändler Otto will den Filialhandel zu einem gleichberechtigten zweiten Standbein neben dem klassischen Verkauf über Katalog ausbauen.

In Deutschland drängt Otto mit einer Ladenkette für Bademode und Unterwäsche in den überbesetzten Textilhandelsmarkt.

"In Deutschland werden wir ein weiteres, ganz neues Stationärkonzept vorlegen", sagte Konzernchef Michael Otto am Donnerstag in Hamburg. Unter dem aus dem Versandhandel bekannten Namen "Lascana" sollen binnen zwei Jahren fünf Läden eröffnet werden. Insgesamt hält Otto 80 bis 100 Standorte für die neue Filialkette für möglich.

Drei Milliarden Euro Onlineumsatz

Otto betreibt unter den Namen Sport Scheck, Zara, Bon Prix und Witt bereits eigene Läden. Außerdem gibt es bundesweit etwa tausend Otto-Shops. In den USA ist zudem das Einrichtungshaus Crate & Barrel erfolgreich. Dessen Angebot soll im kommenden Jahr auf Kanada ausgedehnt werden und später auch nach Europa und Japan expandieren. Bisher ist der Anteil der Läden am Einzelhandelsumsatz von Otto mit 10 Prozent noch gering.

Im Inland kämpft auch der Versandhandel mit der Konsumschwäche. Das Flaggschiff Otto-Versand und die Kataloganbieter Schwab und Baur verbuchten im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 6 Prozent.

Dagegen glänzt der Verkauf über das Internet mit Wachstumsraten um 30 Prozent. Im vergangenen Jahr setzte Otto über das weltweite Datennetz drei Milliarden Euro um, ein Fünftel des Gesamtumsatzes der Gruppe.

Im laufenden Geschäftsjahr 2006/07 soll der Umsatz des Internetgeschäfts um 20 Prozent zulegen. Otto kündigte an, den elektronischen Handel auszubauen. Otto hat den Internetauftritt bereits für andere Händler und Marken geöffnet und bietet ihnen über die Tochter Hermes die komplette Logistik an.

Hermes ärgert die Post

Hermes ärgert die Post

Gleichzeitig baut Otto seine Stellung im Logistikgeschäft europaweit aus. Hermes hat eine Allianz mit der niederländischen Post TNT angekündigt, mit der die beiden Paket- und Expressdienstleister in unmittelbare Konkurrenz zur Pakettochter der Deutschen Post , DHL, treten.

Ab September sollen über die Paket-Shops von Hermes Privatpakete in die ganze EU verschickt werden. Zusätzlichen Schwung erwartet Otto von der für 2007 erwarteten Liberalisierung des deutschen Briefmarkts.

Nach einem guten Auftakt in das Geschäftsjahr (per Ende Februar) ist Otto zuversichtlich. "Insgesamt erwarte ich beim Umsatz ein Plus im einstelligen Bereich und beim Ertrag eine überdurchschnittliche Steigerung", sagte Michael Otto.

Umsatz wird 15-Milliarden-Marke übertreffen

In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres legte der Umsatz dank der florierenden Logistik- und Finanzdienstleistungen um knapp 5 Prozent zu. Im schleppend verlaufenden Einzelhandel mit klassischem Versand über Katalog, dem stationären Verkauf in Läden und über das Internet erhöhten sich die Erlöse um 2 Prozent.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Otto den Umsatz gerade einmal um 1 Prozent auf 14,57 Milliarden Euro gesteigert. Der Betriebsgewinn (Ebitda) legte um 16 Prozent auf 788 Millionen Euro zu.

reuters