Allianz-Stellenabbau "Die Angst ist allgegenwärtig"

Rekordgewinne und Stellenabbau – das wollen sich die Arbeitnehmer der Allianz und der Tochter Dresdner Bank nicht gefallen lassen. Die Beschäftigten an den betroffenen Standorten sind wegen des geplanten Abbaus von 7500 Arbeitsplätzen empört, die Gewerkschaften kündigen Warnstreiks an.

München - Die Pläne des Allianz-Konzerns  zum Abbau von 7500 Arbeitsplätzen haben zu einem Aufschrei der Empörung bei Arbeitnehmern, Gewerkschaften und Politikern geführt. Die Gewerkschaft Verdi kündigte am Donnerstag unmittelbar nach Bekanntwerden des Vorhabens massiven Widerstand an. Erste Warnstreiks würden bereits vorbereitet.

Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong sagte, die Beschäftigten hätten angesichts des Rekordgewinns der Allianz kein Verständnis für den Umgang des Konzerns mit den Beschäftigten. "Wenn die Allianz nicht kurzfristig zu ernsthaften Verhandlungen über einen Kündigungsschutz und zu Standortsicherungszusagen bereit ist, werden die Betroffenen ihren Unmut nicht mehr nur mit Demonstrationen äußern. Streiks sind dann nicht mehr auszuschließen", erklärte Foullong.

Der Hamburger Allianz-Betriebsratsvorsitzender, Jens Schulzki, bezeichnete den geplanten Stellenabbau als "eine Riesen-Schweinerei". Er gehe davon aus, "dass es zu Arbeitskampfmaßnahmen kommen wird", sagte Schulzki. Auch der stellvertretende Allianz-Betriebsratsvorsitzende in Köln, Wolfgang Tesch, sagte, die Belegschaft werde die geplante vollständige Schließung des Standortes Köln "nicht kampflos hinnehmen".

Auch Politiker zeigten sich betroffen. Die hessische SPD-Vorsitzende Ypsilanti forderte, profitablen Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen gesetzlich zu verbieten. Angesichts eines Gewinns in Milliardenhöhe könne wohl von einer wirtschaftlichen Notlage des Allianz-Konzerns keine Rede sein. "Da werden einfach Leute auf die Straße gesetzt, die vorher durch ihren Fleiß die Gewinne des Konzerns miterwirtschaftet haben", kritisierte Ypsilanti.

Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) kündigte an, sie werde versuchen, in Gesprächen mit dem Allianz-Management den Stellenabbau abzumildern. Der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma zeigte sich entsetzt über die Pläne der Allianz, den Standort Köln und Niederlassungen der Sach- und Krankenversicherung in Aachen und Dortmund zu schließen.

"Ich kann es kaum glauben, dass sich der Konzern aus dem bevölkerungsreichsten und mit einem Bruttoinlandsprodukt von 500 Milliarden Euro wirtschaftsstärksten Bundesland Nordrhein-Westfalen komplett zurückziehen will", erklärte der Politiker.

"Es gibt keine Arbeitsplatzgarantie"

"Es gibt keine Arbeitsplatzgarantie"

Der Allianz-Konzern will bis Ende 2008 bei den Versicherungen bundesweit 5000 Stellen streichen. Bei der Dresdner Bank ist der Abbau von etwa 2500 Jobs geplant, davon rund 500 bei in- und ausländischen Töchtern.

Die Beschäftigten in Köln lassen ihrer Wut mit Tränen freien Lauf. Die 40-jährige Marlies Kütsch hat die schlimme Nachricht aus dem Fernsehen erfahren. "Als Mitarbeiter fühlt man sich da - auf gut deutsch gesagt - verarscht", sagt die Frau mit geröteten Augen. Seit 23 Jahren ist sie Sachbearbeiterin bei der Allianz. Das war früher wie eine lebenslange Jobgarantie. Es habe schon viele Gerüchte gegeben, sagt sie, aber alle hätten an einen Erhalt der Kölner Filiale geglaubt. "Damit hat wirklich keiner gerechnet", empört sich Kütsch.

An Hamburg, wo die Angst vor Schließung ebenfalls grassierte, ist der Kelch vorübergegangen. Erleichterung ist trotzdem nicht zu spüren. Die Stimmung sei "beschissen", sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben will. Zwar bleibe der Standort erhalten, aber Betroffene in anderen Städten wie Köln würden aufgefordert, sich für die Hansestadt zu bewerben. "Es gibt keine Arbeitsplatzgarantie - für niemanden", sagt sie.

Die Mitarbeiter der Frankfurter Niederlassung der Allianz Lebensversicherung kannten derartige Hiobsbotschaften bislang nicht: Bei ihnen gab es kaum Stellenabbau. Nun soll der Standort Ende 2008 komplett dicht gemacht werden.

Dagegen ist die Ankündigung für die Beschäftigten in der Frankfurter Dresdner Bank-Zentrale nach dem Abbau tausender Stellen in der Vergangenheit nichts wirklich Neues. "Die Angst ist bei uns eigentlich seit Jahren allgegenwärtig", sagt ein Sachbearbeiter der Dresdner Bank. "Die Bank war ja mal ein Drittel größer", erklärt der 38-Jährige und meint dann resigniert: "Man lebt mit der Unsicherheit und hat sich fast schon dran gewöhnt."

Die Belegschaft zeigt sich von den Effizienzsteigerungsplänen wenig begeistert: "Die Leute werden stattdessen langsam müde und sauer", sagt eine 48-Jährige. "Und wer von uns heute sagt, er habe keine Angst um seinen Arbeitsplatz, der lügt." Ein Mitarbeiter aus der Personalabteilung schimpft: "Das ist doch eine Schande bei den Gewinnen".

manager-magazin.de mit Material von ap, reuters