Volkswagen Kurze Frist fürs neue Gehaltsmodell

Das siebte deutsche Volkswagen-Logistikzentrum in Brandenburg ist eröffnet, die Absatzzahlen in China ziehen an, nun fordert Vorstandschef Bernd Pischetsrieder noch eine rasche Antwort auf eine wichtige Frage: Die Gespräche mit Betriebsrat und IG Metall über eine Senkung der Arbeitskosten will er bis Ende Juli abschließen.

Wolfsburg/Wien/Peking - "Ich kann ihnen sagen, bis wann ich das unter Dach und Fach bringen will - Ende Juli -, aber ich weiß nicht, ob wir das bis dahin unter Dach und Fach bringen", sagte Volkswagen-Chef Pischetsrieder am Mittwochabend auf einer Branchenkonferenz in Wien.

Der Vorstand fordert eine Verlängerung der Arbeitszeit auf 35 von 28,8 Stunden ohne Lohnausgleich, um bei den Arbeitskosten in Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu werden. VW sieht 20.000 Stellen in seinen Werken in Westdeutschland auf der Kippe.

Pischetsrieder wies den Vorwurf von Betriebsratschef Bernd Osterloh zurück, VW habe die Arbeitnehmer mit der Entscheidung, den neuen Scirocco nicht in Wolfsburg, sondern in Portugal zu bauen, provozieren wollen. Das sei "totaler Unsinn", sagte er. Die Entscheidung für den Standort Setubal sei vor einem Dreivierteljahr gefallen.

VW will Absatz in China steigern

Unterdessen zeichnet sich eine leicht positive Tendenz für den Abverkauf auf dem chinesischen Markt ab: Das chinesische VW-Jointventure Shanghai Volkswagen Automotive hofft in diesem Jahr auf einen Absatz im Heimatmarkt von rund 300.000 Fahrzeugen. Das sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens am Donnerstag in Shanghai. Die Verkäufe von Shanghai Volkswagen waren im vergangenen Jahr auf 285.000 Stück zurückgegangen - nach einem Rekordabsatz von 396.000 im Jahr 2003 und zumindest noch 355.000 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2004.

In Brandenburg eröffnete Volkswagen  am heutigen Donnerstag das letzte von insgesamt sieben regionalen VW-Logistikzentren. Vom Originalteile-Vertriebszentrum Brandenburg in Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) am Standort Preußenpark sollen rund 850 Händler in Berlin und den neuen Ländern beliefert werden. Die Investitionen betrugen 54 Millionen Euro. Am Standort werden rund 600 Mitarbeiter beschäftigt, davon 350 aus dem Bereich Original Teile Logistik und 250 aus dem Bereich Vertrieb, Service und IT.

Der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) reichen die jüngsten Konzernmeldungen aber offenbar nicht aus, um das bisherige Kursziel für Volkswagen-Aktien von 77 Euro aufrecht zu erhalten. Die Bank senkte ihre Erwartung auf 68 Euro zum Jahresende.

Trotz höherer Aufwendungen für Vorruhestandsregelungen und Aufhebungsverträgen beim geplanten Personalabbau hält Analyst Michael Punzet jedoch in einer Studie vom Donnerstag an seiner positiven Sichtweise der Restrukturierungsnahmen fest. Detaillierte Informationen seitens VW seien jedoch erst bei der Vorlage des Jahresabschlusses, frühestens im vierten Quartal 2006 zu erwarten. Die Einstufung "Outperformer" bleibt unverändert.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters