Allianz Diekmann und der Ackermann-Effekt

Massiver Stellenabbau trotz eines Milliardengewinns: Allianz-Chef Michael Diekmann verteidigt den Konzernumbau mit Hinweis auf sinkende Kundenzahlen und die "künftige Wettbewerbsfähigkeit". Damit folgt er dem Beispiel der Deutschen Bank. Den "Ackermann-Effekt", also scharfe öffentliche Kritik, will Diekmann durch Vorwärts-Verteidigung vermeiden.

Hamburg/München – Der mit dem Abbau von rund 7500 Arbeitsplätzen verbundene Konzernumbau sei "leider absolut notwendig", sagte Diekmann in einem konzerninternen Interview. 

Die Allianz habe in den vergangenen Jahren in Deutschland "besonders im Versicherungsgeschäft kontinuierlich Kunden und damit Marktanteile verloren". Dieser Entwicklung konnte man nicht untätig zusehen.

Die Allianz hat für das Jahr 2005 einen Gewinn von 4,4 Milliarden Euro ausgewiesen und ihren Quartalsgewinn im ersten Quartal 2006 um 38 Prozent gesteigert. Man dürfe jedoch nicht den Fehler machen, sich "mit dem aktuellen Niveau schon zufrieden zu geben. Das wäre die Entscheidung zum langsamen Abstieg", sagte Diekmann. Das Sparprogramm schaffe die "Voraussetzungen dafür, auch in Deutschland in Zukunft profitabel zu wachsen."

Damit argumentiert Diekmann ähnlich wie Deutsche-Bank-Konzernchef Josef Ackermann. Die Deutsche Bank war stark in die öffentliche Kritik geraten, weil sie einerseits einen Rekordgewinn für 2005 sowie eine Eigenkapitalrendite von mehr als 25 Prozent verkündete und gleichzeitig den Abbau von 6000 Stellen bekannt gab. Der Stellenabbau sei unabdingbar, um die Deutsche Bank fit zu machen für den internationalen Wettbewerb, hatte Ackermann gesagt, konnte mit seiner Argumentation die Kritiker aber kaum besänftigen.

Nun liefert Diekmann die Argumente wenigstens gleich mit. Es sei wichtig, die "Modernisierung aus einer Position der stärke anstoßen zu können", so Diekmann. Die Alternative – abwarten und erst dann reagieren, wenn das Unternehmen massiv unter Druck stehe – sei für die Betroffenen "weitaus härter".

"Orientierung für die kommenden Jahre"

Das Programm biete eine "Orientierung für die Unternehmensentwicklung der kommenden Jahre", so der Allianz-Chef. Es gehe darum, die Komplexität der Geschäftsabläufe zu reduzieren, die Kapitalbasis zu stärken und die Kosten zu senken. Das Nebeneinander von Standorten verursache hohe Kosten: Die Allianz müsse den Kunden, die "zunehmend das Preis-Leistungs-Verhältnis" vergleichen, jedoch "den besseren Service zu einem angemessenen Preis bieten". Anders seien die Kunden nicht zu halten.

Bei der Allianz Deutschland AG (ADAG), in der die Versicherungsbereiche zusammengefasst werden, würde bis Ende 2007 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet, sagte Diekmann.

Der Konzernchef verteidigte auch den Umbau und die Sparmaßnahmen bei der Banktochter Dresdner Bank: Die Bank schalte "mit zahlreichen Initiativen auf Wachstum". Beispiele dafür seien die Bündelung des Mittelstandsgeschäfts, der Ausbau des Privatkundengeschäfts sowie die Fokussierung im Investmentbanking. Auch mit diesen Zielen lässt sich der Allianz-Chef durchaus mit Deutsche-Bank-Chef Ackermann vergleichen.