Allianz Einstürzende Neubauten in Frankfurt

Vor vier Jahren wurde das neue Domizil der Frankfurter Allianz-Niederlassung am Main eröffnet. Nun werden in der Finanzmetropole mehr als die Hälfte der Stellen gestrichen. Was langfristig mit dem Gebäude passieren wird, ist unklar.

Frankfurt am Main – Einen idyllischeren Arbeitsplatz kann es in der Finanzwelt kaum geben: Direkt am Main gelegen, mit einem tollem Blick auf die Skyline von Frankfurt, umgeben von herrlichen Gründerzeitvillen. Dazu das nahe Museumsufer in Frankfurt-Sachsenhausen und eine verkehrsgünstige Lage mit schneller Erreichbarkeit von Bahnhof und Flughafen.

"Ein architektonisches Highlight" hieß es aus dem Allianz-Vorstand, als der Versicherungskonzern das moderne Bürozentrum am Theodor-Stern-Kai für bis zu 2500 Beschäftigte einweihte. Das 300 Meter lange, 80 Meter breite und 60 Meter hohe Domizil schien im Juni 2002 noch als das perfekte Gebäude für die Mitarbeiter – doch die "Allianz fürs Leben" dauerte für viele von ihnen nur vier Jahre.

Heute folgte der Paukenschlag – die Abteilung Lebensversicherung am Main wird geschlossen. "Der Bereich Leben wird sich künftig auf Stuttgart und Karlsruhe konzentrieren", so ein Allianz-Sprecher gegenüber manager-magazin.de. "Lediglich ein auf die Kraftfahrzeugversicherung und Automobilwirtschaft spezialisierter Bereich bleibt in Frankfurt", sagte der Sprecher. In Zahlen ausgedrückt: Die Anzahl der Mitarbeiter in Frankfurt sinkt von derzeit 1643 auf 765. Erst Ende Mai hatten 1000 Beschäftigte eine Menschenkette um das Gebäude gebildet, um für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze zu demonstrieren. Die Gewerkschaften haben bereits weitere Proteste angekündigt.

250 Millionen Euro hatte die Allianz 2002 in das neue Domizil investiert. Das attraktive Gelände gehört dem Konzern schon seit knapp 30 Jahren, bis 1999 stand dort ein nicht ganz so ansehnliches Verwaltungsgebäude, das von der AEG genutzt wurde. Architektonisches Herzstück des Neubaus ist eine 166 Meter lange Erschließungsstraße inmitten des Bürokomplexes in 24 Meter Höhe, das die einzelnen Gebäudeteile per Brücke verbindet.

Was die Allianz dann vor vier Jahren noch zum Wohle ihrer Mitarbeiter auf die Beine stellte, ist in Deutschland einzigartig: Der Main liegt nur einen Steinwurf entfernt, doch das südliche Ufer war an dieser Stelle eher trostlos. Die Allianz Umweltstiftung engagierte sich daher gemeinsam mit der Stadt Frankfurt in Sachen Landgewinnung. Es entstand ein 17 Meter breiter und völlig neuer Uferstreifen auf fast einem Kilometer Länge - dort wo vorher noch das Mainwasser floss.

Dieses Neuland wurde von den Allianz-Mitarbeitern sofort dankbar als Erholungsgebiet in den Pausen oder nach Feierabend angenommen, aber auch von Anwohnern und Patienten der nahe gelegenen Frankfurter Uniklinik genutzt. Einen hohen Millionenbetrag hat die Allianz auch in dieses Projekt gesteckt.

Offen ist nun, wie das Gebäude weiter genutzt wird. Zunächst werden die verbliebenen Allianz-Mitarbeiter sich in den Räumen ausbreiten können. Eine Fremdvermietung der frei werdenden Gebäudekomplexe wollte der Allianz-Sprecher nicht ausschließen. Gespräche mit der Uniklinik soll es schon vor einigen Monaten - unabhängig von der aktuellen Entwicklung im Allianz-Konzern - gegeben haben, allerdings ohne ein konkretes Ergebnis. Es bleibt also abzuwarten, wer sich in den nächsten Jahren an der Frühlingsblüte der von der Allianz gepflanzten Kirschbäume am Mainufer erfreuen darf.