EnBW Erbitterter Streit um viel Müll

Deutschlands drittgrößter Energiekonzern EnBW hat sich auf ein skandalöses Müllgeschäft mit der Liechtensteiner Thermoselect AG eingelassen. Jetzt bekriegen sich die Ex-Partner vor Gericht. Streitwert: 500 Millionen Euro.
Von Klaus Boldt

Hamburg - Energie Baden-Württemberg (EnBW , Umsatz: 10,8 Milliarden Euro) hatte die neuartige, angeblich umweltschonende Anlage im Jahr 2004 nach hohen Verlusten abgeschaltet. Entwickelt wurde sie nach einem Verfahren des deutschen Ingenieurs und Thermoselect-Mehrheitsaktionärs Günter Kiss, 64.

Wie das manager magazin in seiner neuen Ausgabe, die am Freitag (23. Juni) erscheint, berichtet, sind derzeit vier Klagen anhängig, bei denen es um einen Gesamtstreitwert von mehr als 500 Millionen Euro geht.

Thermoselect-Erfinder Kiss bestreitet, dass die Stilllegung der Müllverbrennungsanlage rechtens und notwendig gewesen sei und fordert von EnBW unter anderem Schadensersatz in Höhe von 209 Millionen Euro für entgangene Aufträge sowie die Bezahlung eines Restkaufpreises von 45 Millionen Euro für eine 1995 eingegangene Beteiligung von EnBW an der Liechtensteiner Thermoselect AG. Die Gesamtforderungen von Kiss belaufen sich auf 269,9 Millionen Euro.

EnBW moniert angebliches Gefälligkeitsgutachten

EnBW wiederum macht Ansprüche geltend in Höhe von 238,4 Millionen Euro. Hierbei handelt es sich unter anderem um die Rückzahlung von Werklöhnen sowie um die Herausgabe der Anzahlung auf die Beteiligung an Thermoselect, deren Wert nach Ansicht von EnBW auf einem Gefälligkeitsgutachten beruhte.

Internen Dokumenten zufolge hat der Betrieb von Thermoselect den Energieriesen EnBW rund 500 Millionen Euro gekostet. Die Beteiligten wollen auf Grund der anhängigen Verfahren keine Stellungnahme zu den Vorgängen abgeben.