Gazprom "Wir werden wohl nicht so viel Gas liefern können"

Gazprom-Vorstand Alexander Medwedew warnt vor einer neuen Versorgungskrise in Europa. Schuld daran sei nicht nur die Ukraine, sondern auch das Streben der westlichen Kunden nach mehr Unabhängigkeit: Für diesen Fall droht der russische Energieriese mit Konsequenzen.

Hamburg - Für die "Besorgnis erregende Situation" sei in erster Linie die Ukraine verantwortlich, sagte Medwedew im Interview, das in der neuen Ausgabe des manager magazins am Freitag (23. Juni) erscheint. Der Chef der Exporttochter Gasexport sieht die Gefahr, dass der russische Nachbarstaat "nicht in der Lage sein wird, Verträge zu erfüllen".

Der Gazprom-Vize verdächtigt die Ukraine, immer noch "zu viel Gas aus dem Leitungssystem zu entnehmen oder es in hohem Maße in Reservespeicher zu pumpen, ohne vertragliche Grundlage." Als Folge sieht Medwedew: "Wir werden wohl nicht so viel Gas liefern können, wie notwendig wäre."

Besorgt zeigte sich der Manager außerdem über Stimmen aus dem Westen, man wolle von russischem Gas unabhängiger werden. Falls diese Wünsche ernst gemeint seien, so der Russe, "müssen wir ernsthaft darüber nachdenken, wo wir zukünftig unser Gas verkaufen werden".

Die Verhandlungen mit der Düsseldorfer Eon AG  über eine Beteiligung am sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje sind laut Medwedew auf einem guten Weg. "Ich bin sehr optimistisch, dass wir uns einigen, falls sich die EU-Wettbewerbsbehörde nicht quer legt." Gazprom  verlangt im Tausch gegen die Förderbeteiligung den Zugang zu Eon-Vertriebsmärkten.

Wettlauf mit Exxon Mobil

"Wir haben bereits definiert, welche Assets in Europa Teil des Deals mit Eon sein könnten", so Medwedew, "derzeit befinden wir uns in der Phase der Bewertung." Generell wolle Gazprom in jedem wichtigen europäischen Markt mittelfristig einen Anteil von 20 Prozent am Endkundenmarkt erreichen: "Das ist unser Ziel."

Schon jetzt gehört Gazprom zu den Unternehmen mit der weltweit höchsten Marktkapitalisierung; Anfang Juni bewertete die Börse den russischen Rohstoffriesen mit rund 220 Milliarden Dollar.

Medwedew will das derzeit wertvollste Unternehmen der Welt, den US-Ölgiganten Exxon Mobil , irgendwann als Nummer eins ablösen. Auf Grund der hohen Gasreserven von Gazprom hält er eine Marktkapitalisierung von 1000 Milliarden Dollar durchaus für realistisch: "Falls Exxon nicht noch etwas Außergewöhnliches einfällt, werden wir mit Sicherheit irgendwann an denen vorbeiziehen."