Mittwoch, 16. Oktober 2019

Private Equity Der Job danach

Viele Ex-Chefs erleben in der Beteiligungsbranche ihren zweiten Frühling. manager-magazin.de nennt die prominentesten Wechselfälle, analysiert, was sich die Private-Equity-Teams von den Veteranen versprechen, und sagt, welche Anforderungen sie an diese stellen.

Hamburg - Auch Chefs fangen manchmal neu an. Die Zeiten, in denen Topmanager in ihren Unternehmen entspannt alt wurden, sind vorbei: Hedgefonds und Beteiligungsfirmen erhöhen den Druck, Aktionäre stellen unangenehme Fragen, und der Aufsichtsrat, lange Zeit dem Vorstand rücksichtsvoll verbunden, sieht sich immer häufiger zum Durchgreifen gezwungen.

Der Chefsessel wird zum Schleudersitz: Nach einer Untersuchung der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton wurde im vergangenen Jahr weltweit jeder siebte CEO ausgetauscht. Anlass genug für manchen Industrielenker, sich beizeiten nach lukrativen Alternativen umzusehen.

Thomas Middelhoff: Nach seiner Trennung von Bertelsmann heuerte er beim US-Investor Investcorp an, kehrte nach rund zwei Jahren aber als Konzernchef von KarstadtQuelle zurück. Rückkehrer wie er sind die Ausnahme Ulrich Schumacher: Der Ex-CEO des Chipherstellers Infineon wurde vom Aufsichtsrat geschasst. Jetzt sucht Schumacher im Auftrag der Beteiligungsgesellschaft Francisco Partners Anlageziele. Klaus Esser: Nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone räumte Esser seinen Chefsessel - und kassierte rund 15 Millionen Euro Abfindung. Kurz darauf stieg Esser bei der Private-Equity-Gesellschaft General Atlantic ein. Dieter Vogel: Der ehemalige Vorstandsvorsitzende der ThyssenKrupp AG gründete nach seinem Abschied gemeinsam mit einem US-Partner das Investmenthaus Bessemer Vogel & Treichel

Wechselfälle: Vom Konzernlenker zum Investor
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Da trifft es sich gut, dass die Private-Equity-Branche (PE) noch Topjobs zu vergeben hat. Die Firmenjäger, die kräftig am Personalkarussell der Unternehmen mitdrehen, haben selbst hohes Interesse an gut vernetzten Unternehmensinsidern. Erfahrene Manager können nicht nur als Türöffner neue Deals mit einfädeln. Sie erhöhen auch die Glaubwürdigkeit von Beteiligungsunternehmen, die vielfach noch als räuberische "Heuschrecken" verschrien sind.

So benötigte der alerte Thomas Middelhoff nach seiner Trennung von Bertelsmann nicht viel Zeit, um einen hoch dotierten Job bei der US-Investmentgesellschaft Investcorp zu finden. Mannesmann-Chef Klaus Esser heuerte kurz nach der Übernahme durch Vodafone Börsen-Chart zeigen beim Finanzinvestor General Atlantic an. Der glücklose Telekom-Chef Ron Sommer, der Buhrufe auf den Hauptversammlungen überdrüssig, fand im Beirat des US-Investors Blackstone einen auskömmlichen neuen Job.

Ulrich Schumacher, beim Chiphersteller Infineon Börsen-Chart zeigen geschasst, späht jetzt für San Francisco Partners Unternehmensziele aus. DaimlerChrysler-Vorstand Eckhard Cordes, der im Unfrieden aus dem Unternehmen schied, war zeitweise im Beirat des schwedischen Investors EQT hilfreich zur Stelle: EQT sicherte sich unter anderem die Daimler-Tochter MTU Friedrichshafen. Die Liste lässt sich fortsetzen.

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