Steuer-Kolumne Beim Geld kennt die Fifa keine Freunde

Die Welt zu Gast bei Freunden - die WM in Deutschland hat ein schönes Motto. Bisher sieht auch alles danach aus, dass es faire Wettkämpfe mit fröhlichen Fans werden. Doch die Veranstaltung musste teuer erkauft werden – wenn es ums Geld geht, kennt die Fifa keine Freunde.
Von Hartmut Fischer

Vorweg: Hier soll die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland nicht madig gemacht werden. Es ist schön zu erleben, dass fahnenschwenkende, feiernde Fans Beispiele für Spaß und Lebensfreude geben. Dass es in Deutschland einen Patriotismus gibt, den die gesamte Welt akzeptieren kann.

Doch bei der Fußball-WM geht es nicht nur um fröhliche Fans und spannende Spiele. Es geht auch um viel Geld. Es wäre ein Desaster, wenn randalierende Hooligans oder fanatische Terroristen die Spiele für ihre Zwecke missbrauchen könnten. Darum geben Bund und Länder - und damit der deutsche Steuerzahler - mit gutem Grund viel Geld für Sicherheit aus.

Genaue Zahlen wollen die Länder und der Bund nicht veröffentlichen. Eine Umfrage, die knapp vier Monate vor den Spielen durchgeführt wurde, lässt aber die Schätzung zu, dass der Schutz von zwölf Stadien, von Mannschaftsquartieren und Fanmeilen einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen wird.

Bayern rechnet mit über 16 Millionen Euro Sicherheitskosten, Hamburg hat neun Millionen veranschlagt und Nordrhein-Westfalen wird allein zehn Millionen Euro für Rettungscontainer ausgeben. Kosten, die unvermeidbar sind. Wer als Gastgeber zu einer solchen Großveranstaltung einlädt, der muss alles tun, um die Sicherheit seiner Gäste zu garantieren. Doch es darf die Frage erlaubt sein: Müssen diese Kosten wirklich komplett von der öffentlichen Hand getragen werden?

Auch beim Ausbau der Stadien wurden Steuergelder von knapp 576 Millionen Euro investiert. Die Infrastrukturmaßnahmen belaufen sich auf 3,57 Milliarden Euro, die zumindest teilweise auf das WM-Konto gebucht werden müssen.

Nach vorsichtigen Schätzungen werden sich die Kosten für die öffentlichen Haushalte auf einen bis zu zweistelligen Milliardenbetrag belaufen. Bei diesen Summen hat der Gastgeber auch das Recht, einmal auf die Einnahmenseite zu schauen.

"WM-Zuschuss" zur rechten Zeit

"WM-Zuschuss" zur rechten Zeit

Die Fans aus dem Ausland werden wohl rund eine Milliarde Euro an Mehrumsatz in die Kassen der Geschäfte bringen. Das ist für den stark gebeutelten Einzelhandel und die Gastronomie sicher ein Segen. Dieser "WM-Zuschuss" kommt gerade zur rechten Zeit. Anziehende Umsätze werden weiter beflügelt und könnten zu Investitionen in den betroffenen Branchen führen, die sonst vielleicht ausgeblieben wären.

Doch gemessen an den Kosten sind diese Einnahmen ein Tropfen auf den heißen Stein. Dabei sind natürlich die Image- und Werbeeffekte einer solchen Veranstaltung nicht zu unterschätzen. Der Slogan "Zu Gast bei Freunden" kann das Image Deutschlands in der Welt auf Dauer verbessern - in einer Art und Weise, wie es über PR- und Marketingmaßnahmen wohl nie möglich gewesen wäre.

Dass sportliche Großereignisse einen ökonomischen Effekt erzielen, wird kaum noch bestritten. Doch wer profitiert letztlich davon? Ist es nur ein kleiner Kreis oder die gesamte Gesellschaft, welche die Kosten der Veranstaltung trägt?

Auch der positive Effekt der Imagebildung kann sich schnell ins Gegenteil verkehren - wenn es zu Krawallen kommt, die potenzielle Deutschland-Besucher abschrecken und nicht einladen. Also sind auch weiche Faktoren wie die Imagebildung nicht eindeutig zuzuordnen.

Bei den harten Faktoren gehen die Meinungen hingegen auseinander. Einige Banken schätzen, dass durch die WM ein einmaliger Wirtschaftsimpuls von bis zu einem halben Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erwarten ist. Andere - wie beispielsweise das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung - sehen keine spürbaren Effekte, weder auf die Investitionen noch auf den privaten Konsum.

Doch bei der Kostenanalyse muss auch einmal gefragt werden, wer denn der eigentliche Gastgeber der Fußball-WM ist. Deutschland ist der Austragungsort - und wir sind stolz darauf. Doch der eigentliche Gastgeber ist der Veranstalter. Und der heißt Fifa.

Steuerfreiheit für die Fifa

Steuerfreiheit für die Fifa

Und die Fifa kann sich die Hände reiben, denn sie wird satte Einnahmen verbuchen. Die Fußballübertragungsrechte bringen allein rund eine Milliarde Euro. Eine weitere dreiviertel Milliarde Euro bringt der Verkauf der Werberechte an die offiziellen Sponsoren. Experten schätzen den Reingewinn der Spiele für die Fifa zwischen 1,0 und 1,7 Milliarden Euro.

Steuern? Für die Fifa ist das ein Fremdwort. Sie hat das Monopol auf die Spiele und nutzt das weidlich aus. Wer sich als Land um die Austragung der Spiele bemüht, muss der Fifa Steuerfreiheit einräumen. Neben der Fifa selbst gilt dieses Privileg auch für ihre Offiziellen, ihre Gäste, ihre Kongressteilnehmer und die Schiedsrichter. So bezahlt Deutschland nicht nur den Auftritt der Fifa, sondern muss obendrein noch auf rund 250 Millionen Euro an Steuereinnahmen verzichten.

Die Fifa zeigt sich in diesen Dingen alles andere als sportlich fair. So sagte der Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag Peter Dankert: "Wenn man dann sagen würde, nein, wir wollen das nicht, weil es auch im Verhältnis zu anderen Veranstaltern, die Weltmeisterschaften darbieten, nicht gerecht ist, dann wären wir sofort aus dem Thema draußen. Und deshalb mussten wir dem zustimmen." Im Klartext: Die Fifa erpresst die an der WM-Austragung interessierten Länder.

Übrigens schafft es nur die Fifa, dieses Steuerprivileg durchzusetzen. Andere Verbände, die für ihre Weltmeisterschaften die gleichen Rechte forderten, wurden abgeschmettert.

Keinem soll die WM vermiest werden. Aber es muss auch darüber nachgedacht werden, wie man einen Verband in die Schranken weist. Die Fifa ist letztlich ein Verein wie jeder andere, und es gibt - gerade bei der Höhe der Einnahmenseite - keinen Grund, diesem Verein ein solches Steuerprivileg einzuräumen.

Natürlich ist dies ein internationales Problem. Doch keine Regierung der Erde verschenkt gerne Geld. Deshalb müsste es doch möglich sein, eine gemeinsame Basis zu finden, der Fifa ihr Privileg streitig zu machen.