Montag, 21. Oktober 2019

Steuer-Kolumne Beim Geld kennt die Fifa keine Freunde

Die Welt zu Gast bei Freunden - die WM in Deutschland hat ein schönes Motto. Bisher sieht auch alles danach aus, dass es faire Wettkämpfe mit fröhlichen Fans werden. Doch die Veranstaltung musste teuer erkauft werden – wenn es ums Geld geht, kennt die Fifa keine Freunde.

Vorweg: Hier soll die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland nicht madig gemacht werden. Es ist schön zu erleben, dass fahnenschwenkende, feiernde Fans Beispiele für Spaß und Lebensfreude geben. Dass es in Deutschland einen Patriotismus gibt, den die gesamte Welt akzeptieren kann.

Es geht nicht nur um Fußball:
Fifa-Präsident Blatter
Doch bei der Fußball-WM geht es nicht nur um fröhliche Fans und spannende Spiele. Es geht auch um viel Geld. Es wäre ein Desaster, wenn randalierende Hooligans oder fanatische Terroristen die Spiele für ihre Zwecke missbrauchen könnten. Darum geben Bund und Länder - und damit der deutsche Steuerzahler - mit gutem Grund viel Geld für Sicherheit aus.

Genaue Zahlen wollen die Länder und der Bund nicht veröffentlichen. Eine Umfrage, die knapp vier Monate vor den Spielen durchgeführt wurde, lässt aber die Schätzung zu, dass der Schutz von zwölf Stadien, von Mannschaftsquartieren und Fanmeilen einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen wird.

Bayern rechnet mit über 16 Millionen Euro Sicherheitskosten, Hamburg hat neun Millionen veranschlagt und Nordrhein-Westfalen wird allein zehn Millionen Euro für Rettungscontainer ausgeben. Kosten, die unvermeidbar sind. Wer als Gastgeber zu einer solchen Großveranstaltung einlädt, der muss alles tun, um die Sicherheit seiner Gäste zu garantieren. Doch es darf die Frage erlaubt sein: Müssen diese Kosten wirklich komplett von der öffentlichen Hand getragen werden?

Auch beim Ausbau der Stadien wurden Steuergelder von knapp 576 Millionen Euro investiert. Die Infrastrukturmaßnahmen belaufen sich auf 3,57 Milliarden Euro, die zumindest teilweise auf das WM-Konto gebucht werden müssen.

Nach vorsichtigen Schätzungen werden sich die Kosten für die öffentlichen Haushalte auf einen bis zu zweistelligen Milliardenbetrag belaufen. Bei diesen Summen hat der Gastgeber auch das Recht, einmal auf die Einnahmenseite zu schauen.

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