Montag, 24. Juni 2019

EADS/BAE Streit um Preis für Airbus

"Astronomisch hoch" sei der Preis, den BAE Systems für sein Fünftel am Flugzeugbauer Airbus fordert, wettert EADS-Co-Chef Thomas Enders. BAE zeigt aber wenig Verhandlungsbereitschaft. Möglicherweise wird nun eine Investmentbank als Schlichter eingeschaltet und den Preis zwischen 3,5 und 6 Milliarden Euro taxieren.

München - Der britische Rüstungskonzern BAE Systems Börsen-Chart zeigen drängt den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS Börsen-Chart zeigen zum Kauf seines 20-prozentigen Airbus-Anteils.

Vorzeige-Projekt: Der Airbus A 380. Noch gehört er zu einem Fünftel dem britischen BAE-Konzern
BAE habe die im Airbus Shareholder Agreement aus dem Jahr 2001 festgelegte Verkaufsoption ausgeübt, teilten BAE und EADS am Mittwoch mit. "Die EADS und BAE Systems werden nun versuchen, die Verhandlungen über den Verkauf dieses Anteils an die EADS in den nächsten Wochen abzuschließen", hieß es bei EADS. Sollten sich die beiden Firmen nicht über einen Preis einigen können, würde eine Investmentbank als Schlichter berufen. Sie würde den von EADS zu zahlenden Preis festlegen. Der Konzern hält 80 Prozent an Airbus, BAE 20 Prozent.

Anfang April hatte BAE mitgeteilt, seine Beteiligung an Airbus verkaufen zu wollen. Anfang Mai erhöhten die Briten bereits ihren Druck auf EADS und teilten mit, ihre Option ziehen zu wollen, sollte keine Einigung über den Preis zustande kommen.

Anteilskauf könnte Kasse von EADS sprengen

Während an der Kaufabsicht von EADS kein Zweifel bestand, lagen die Preisvorstellungen von BAE und EADS aber weit auseinander. Ende April sprach EADS-Co-Chef Thomas Enders von einer "astronomisch hohen" Preisvorstellung der Briten. EADS wolle dagegen einen "fairen" Preis bezahlen.

Aus der EADS-Bilanz ergibt sich ein Wert der BAE-Beteiligung an Airbus von 3,5 Milliarden Euro, Analysten rechnen aber mit mehr als sechs Milliarden Euro. In der Firmenkasse von EADS waren Ende März 5,9 Milliarden Euro, die für Zukäufe ausgegeben werden sollen. EADS kann den Airbus-Anteil sowohl in bar als auch in Aktien zahlen oder eine Kombination aus beidem wählen.

Bei einem Kauf des Airbus-Anteils würde EADS zum Alleineigentümer des europäischen Flugzeugbauers, dessen Flaggschiff, der doppelstöckige A380, Ende des Jahres an seine ersten Kunden übergeben werden soll. Probleme gibt es derzeit jedoch bei dem neuesten Airbus-Modell, dem A350. Einige Fluggesellschaften hatten bemängelt, der A350 sei nicht wettbewerbsfähig genug. Über Änderungen des Konzepts will Airbus bis zur Luftfahrtschau im britischen Farnborough Mitte Juli entscheiden.

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