Stahlkonzerne Arcelor in der Zwickmühle

Aktionäre des Stahlkonzerns Arcelor haben Widerstand gegen die geplante Fusion mit dem russischen Stahlriesen Severstal angekündigt. Mit deren Hilfe sollte eigentlich die feindliche Übernahme durch Mittal Steel verhindert werden. Mittal selbst will sich so leicht nicht geschlagen geben.

London - Britische und US-Aktionäre des Stahlkonzerns Arcelor treffen sich einem Zeitungsbericht zufolge an diesem Wochenende, um die Fusion mit der russischen Severstal zu verhindern. Sie versuchen, mindestens 20 Prozent des Arcelor-Kapitals dazu zu bewegen, eine außerordentliche Hauptversammlung zu beantragen, die den Zusammenschluss mit Severstal verhindern soll, schreibt die britische Zeitung "Business" am Sonntag unter Berufung auf einen US-Investor.

Arcelor und Severstal hatten sich am Freitag auf ein Zusammengehen verständigt. Der Luxemburger Stahlriese will damit verhindern, vom indisch-niederländischen Branchenführer Mittal übernommen zu werden.

Dem Fusionsabkommen zufolge wird Arcelor mit 44 Euro je Aktie bewertet. Das jüngste Angebot von Mittal liege rund 20 Prozent darunter, sagte Arcelor-Chef Guy Dolle. Er kündigte an, den profitabelsten Stahlkonzern der Welt bilden zu wollen - angestrebt sei ein Betriebsgewinn von zehn Milliarden Euro.

Der Stahlmagnat Lakshmi Mittal will die Übernahme von Arcelor dessen ungeachtet vorantreiben. Seine Offerte brächte den Arcelor-Aktionären mehr Vorteile, sagte der Chef des weltgrößten Stahl-Unternehmens in einem Interview der französischen Zeitung "Le Figaro". Zudem würde eine größere Industriegruppe gegründet. Mittal Steel hatte sein Gebot für Arcelor vor kurzem deutlich erhöht.

Der russische Milliardär und Severstal-Chef Alexej Mordaschow erklärte unterdessen, nach einer Fusion mit Arcelor seien weitere Zukäufe denkbar. Bei der geplanten Transaktion soll Mordaschow 295 Millionen neu auszugebende Arcelor-Aktien erhalten und damit zunächst 32 Prozent an Arcelor halten. Damit wäre er mit Abstand der größte Einzelaktionär des fusionierten Unternehmens. Mit dem vom Arcelor-Management geplanten Aktienrückkauf dürfte dieser Anteil noch steigen. Größter Arcelor- Aktionär ist bislang Luxemburg mit 5,6 Prozent; deutlich mehr als 80 Prozent sind im Streubesitz.

Severstal-Chef will 45 Prozent

Severstal-Chef will 45 Prozent

"Wir sind dabei, eine starke, effektive Firma zu gründen, die ihren Aktionären überall in der Welt einen Wert geben kann. Natürlich haben wir echte Wachstumspläne", sagte Mordaschow am Samstag. Er erwähnte explizit Russland als möglichen Raum für weitere Übernahmen. Severstal bleibe nach der Fusion ein russisches Unternehmen und werde seine Steuern dort zahlen, fügte Mordaschow hinzu. "Der Schritt hebt die russischen Geschäfte auf eine internationale Ebene. Es ist sehr wichtig, die Interessen Russlands, seiner Bewohner und Aktionäre zu schützen."

Nach Ablauf der vereinbarten vierjährigen Sperrfrist strebe er eine Aufstockung seiner Beteiligung von 32 auf bis zu 45 Prozent durch Zukauf von Anteilen an, kündigte Mordaschow am Samstag in Gegenwart von Arcelor-Chef Guy Dollé in Moskau an. Severstal bleibe zudem ein in Russland börsennotiertes Unternehmen und werde in Zukunft als Arcelor-Tochter geführt, sagte Mordaschow nach Angaben der Agentur Interfax.

Kartellentscheid bis Mitte Juli

Arcelor und Severstal erwarten die notwendigen Zustimmungen der internationalen Kartellämter bis Mitte Juli. Spätestens in sechs Wochen lägen die Genehmigungen der Aufsichtsbehörden der EU, Russlands und der USA vor, sagte Mordaschow. Die entsprechenden Anträge wolle man Anfang Juni einreichen, kündigte er nach Angaben der Agentur Ria-Nowosti an.

Für Mitte Juni sei ein Treffen beider Unternehmen mit Investoren in der nordrussischen Stadt Tscherepowez, dem Hauptsitz von Severstal, geplant. Am 28. Juni sollen die Arcelor- Aktionär über die Zukunft des luxemburgischen Stahlkochers entscheiden, dessen Führung mit Hilfe von Severstal eine Übernahme durch den Branchenprimus Mittal Steel verhindern will.

Mittal kritisierte, die Arcelor-Führung zwinge "die Aktionäre, die Kontrolle über ihren Konzern aufzugeben, ohne von einer Prämie zu profitieren." Die Vereinbarung mit Mordaschow sei "kein Angebot an die Aktionäre", sondern "eine Übernahme der Kontrolle unterhalb des aktuellen Aktienkurses von Arcelor", sagte Mittal. "Wenn Mordaschow die Kontrolle von Arcelor will, muss er ein Angebot für die Gesamtheit des Kapitals mit einer Prämie für die Aktionäre vorlegen."

ddp, dpa-afx, reuters, vwd

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