Hauptbahnhof-Einweihung Amoklauf schockiert Berliner

Ein 16-Jähriger läuft betrunken durch die Straßen und sticht wahllos Passanten nieder - gestern, nach der Eröffnungsfeier des neuen Hauptbahnhofs. 28 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Vater des Teenagers versteht die Welt nicht mehr.

Berlin - Von der Bluttat zeugen nur noch weggeworfene Einweghandschuhe der Sanitäter. Vereinzelt liegen sie auf der Straße und auf Betonsockeln im Berliner Regierungsviertel. Die zahlreichen Touristen gehen heute achtlos daran vorbei und lassen sich vor dem nahe gelegenen Reichstag fotografieren. Wenige Stunden zuvor hatte sich auf der Uferpromenade ein blutiges Drama abgespielt, bei dem 28 Menschen zum Teil schwer verletzt wurden.

In akuter Lebensgefahr schwebe niemand mehr, erklärt ein Polizeisprecher heute. 24 Menschen seien ins Krankenhaus gebracht worden, davon würden 15 stationär versorgt. Die Zahl der Verletzten könne schwanken, weil nicht ganz klar sei, ob sich alle bei der Polizei gemeldet hätten. "Wir nehmen den Fall sehr ernst, sind aber zufrieden, dass die Verletzten schnell versorgt werden konnten."

Der 16-Jährige Hauptschüler Mike P. aus dem Bezirk Neukölln hatte nach der prunkvollen Einweihungsfeier des neuen Berliner Hauptbahnhofes in einem regelrechten Rundlauf zwischen Reichstag und Luisenstraße gegen 23.30 Uhr wahllos auf Frauen und Männer eingestochen, die auf dem Heimweg waren. Ein Polizeisprecher sprach von Messerstichen in den Rücken und in den Gesäßbereich, aber auch in den Brustbereich. Sechs erlitten lebensgefährliche Stichwunden. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser gebracht. Der stark alkoholisierte Verdächtige konnte noch am Tatort festgenommen werden.

Oberstaatsanwältin Ute Segelitz sprach auf einer Pressekonferenz vom versuchten Mord, da - wegen der Angriffe von hinten, bei denen sich die Angegriffenen nicht wehren konnten - Heimtücke vorliege. "Das ist eines der schwersten juristischen Vorwürfe", sagte Segelitz. Nun sei zu klären, ob der Jugendliche in Haft bleibe. Wegen des jungen Alters und aufgrund der Tatsache, dass er bisher nur wegen "geringfügiger Delikte" in Erscheinung getreten ist, sei ein Verbleiben in Haft unklar.

Nach Angaben des Berliner Landeskriminalamtes, das den mutmaßlichen Täter heute vernahm, bestreitet der Jugendliche die Tat. Er könne sich zudem nur an wenig erinnern. Allerdings gebe es Zeugenaussagen, die den 16-Jährigen als Täter identifizierten. Auch die Tatwaffe, ein Messer, sei sichergestellt.

sev/kaz/ddp/AFP/AP/dpa

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