VW-Abfindung 250.000 Euro für eine schnelle Unterschrift

Volkswagen stockt im Zuge des geplanten Personalabbaus offenbar die Abfindungen für Beschäftigte auf, die den Konzern freiwillig verlassen. Zudem gab VW den genauen Standort des geplanten russischen Werks bekannt.

Wolfsburg - Europas größter Autohersteller Volkswagen  hat zur Umsetzung des angestrebten Stellenabbaus seine Abfindungsangebote aufgebessert. In der kommenden Woche würden alle 85.000 Tarifbeschäftigten in den westdeutschen Werken einen entsprechenden Brief erhalten, sagte ein Sprecher von Volkswagen und bestätigte damit Medienberichte. Details nannte er nicht.

Das Abfindungsangebot, das bislang nur von einigen hundert Mitarbeitern angenommen worden sei, sei erheblich nachgebessert worden, hatte zuvor die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet. Wer schnell unterschreibe, könne im Extremfall 250.000 Euro bekommen, hieß es. Der Betriebsrat bestätigte laut der Zeitung ein neues Angebot, werde sich aber erst am Montag in einer Klausurtagung damit befassen.

Volkswagen verfolgt bei seiner Kernmarke VW einen Sanierungskurs und hat in seinen sechs westdeutschen Werken bis zu 20.000 Arbeitsplätze in Frage gestellt. Allein bis zu 14.000 Beschäftigte sollen in den nächsten Jahren in vorgezogenen Ruhestand gehen. Rechnerisch müssten sich so noch bis zu 6000 Mitarbeiter bereit erklären, mit Abfindungen auszuscheiden. Kündigungen sind durch den im November 2004 geschlossenen Tarifvertrag bis 2011 ausgeschlossen. Über Sanierungsschritte laufen Verhandlungen mit der Arbeitnehmervertretung.

Dem Zeitungsbericht zufolge ist das neue Abfindungsangebot vor allem für jüngere Mitarbeiter attraktiver geworden, die erst kurz im Betrieb arbeiten. Wer sich bis Ende September dazu entschließe, Volkswagen zu verlassen, erhalte einen Sockelbetrag von 48.000 Euro, eine Prämie für schnelles Ausscheiden und Zulagen, die vom Gehalt und der Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängen.

Gut Verdienende könnten nach 30 Jahren bei VW auf 250.000 Euro kommen, schrieb das Blatt. Wer sich zwischen Oktober und Ende Dezember entscheide, bekomme noch 24.000 Euro plus Zulagen.

Russisches Werk wird südwestlich von Moskau gebaut

Zudem wurden Einzelheiten über das geplante russische Werk bekannt: Volkswagen will das Werk in Kaluga 160 Kilometer südwestlich von Moskau bauen. VW habe sich für ein Areal nahe dem Flugplatz von Kaluga entschieden, hatte die russische Wirtschaftszeitung "Kommersant" unter Berufung auf die Regionalverwaltung berichtet. Am Nachmittag bestätigte der Konzern diesen Bericht.

Die Kapazität des Werkes solle 115.000 Fahrzeuge pro Jahr betragen, teilte VW mit. Ab Juli 2007 sollen in Kaluga Modelle der Marken Volkswagen und der tschechischen Konzerntochter Skoda montiert werden. Als erstes Auto soll der "Octavia" von Skoda vom Band rollen. Zunächst sei geplant, rund 20.000 Fahrzeuge pro Jahr zu fertigen.

Die Entscheidung sei von strategischer Bedeutung für den Konzern, sagte VW-Chef Bernd Pischetsrieder. "Damit stellen wir sicher, dass wir unseren Anteil am schnell wachsenden Automarkt Russlands in den kommenden Jahren deutlich ausbauen können." Volkswagen strebt dort einen Marktanteil von 10 Prozent an. Derzeit sind es weniger als 3 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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