Donnerstag, 2. April 2020

Hypo Real Estate "Deutschland ist overbanked"

Trotz des hart umkämpften Immobilienmarktes in Deutschland hat Georg Funke ehrgeizige Ziele. Der Vorstandschef der Hypo Real Estate strebt für das kommende Jahr eine Eigenkapitalrendite von 12 Prozent an. Auch größere Akquisitionen seien möglich.

München - Der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen sieht im Inlandsgeschäft trotz des harten Wettbewerbs Möglichkeiten für ein erhebliches Wachstum. Der deutsche Immobilienmarkt ziehe zunehmend internationale Investoren an, die große, strukturierte Finanzierungen benötigten, sagte Firmenchef Georg Funke am Montag auf der Hauptversammlung. Dieser Strukturwandel komme der Hypo Real Estate sehr entgegen.

Zukauf nicht ausgeschlossen: Die Hypo Real Estate Bank
"Auch wenn der Wettbewerb in Deutschland hart bleibt - das Land ist immer noch 'overbanked' und die Margen sind im internationalen Vergleich weiterhin eher niedrig - so bietet diese Entwicklung erhebliche Wachstumschancen, die wir nutzen werden", sagte er. Funke hielt an dem Ziel fest, bis 2007 im Konzern eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von 11 bis 12 Prozent zu erreichen. Falls im laufenden Jahr das Ziel einer Rendite von zumindest 9 Prozent nach 8 Prozent im vergangenen Jahr geschafft werde, sei man auf einem guten Weg dahin.

Der Vorstandschef des seit Dezember im Börsenindex Dax Börsen-Chart zeigen gelisteten Unternehmens schloss Zukäufe erneut nicht aus. Diese könnten eine Chance sein, das Unternehmen zu diversifizieren und die Ertragskraft zu steigern. Auch sei Hypo Real Estate in der Lage, durchaus größere Akquisitionen verdauen zu können. "Sie sehen mich und meine Kollegen in dieser Frage allerdings sehr entspannt. Denn wir stehen bei möglichen Zukäufen unter keinerlei Zeitdruck", sagte er.

"Beim Ausbau des internationalen Immobilienfinanzierungsgeschäfts müssen wir vor allem in den asiatischen Boom-Märkten noch deutlich zulegen", erklärte Funke in München. Der chinesische Markt biete vor allem in Metropolen wie Peking oder Schanghai große Chancen. Allerdings werde das Unternehmen stets überprüfen, "ob Finanzierungen im Reich der Mitte mit unseren Risiko- und Renditeanforderungen übereinstimmen".

Derzeit sei Hypo Real Estate mit dem Markteintritt in Indien befasst und bereite die Eröffnung eines Standorts in Mumbai vor. Als nächster Schritt stehe noch im laufenden Jahr die Expansion nach Süd-Korea auf der Agenda. Zudem solle der Markt in Singapur erschlossen werden. Auch in Australien sehe der Konzern "sehr attraktive Geschäftspotenziale", sagte Funke.

Darüber hinaus biete der deutsche Immobilienmarkt derzeit "noch erhebliches Wachstumspotenzial". In Ballungszentren wie München, Frankfurt, Hamburg oder Berlin seien Aufwärtstendenzen klar erkennbar. Durch das steigende Interesse ausländischer Investoren nehme die Komplexität der Transaktionen zu.

Funke bekräftigte die Ertragsziele für das laufende und das folgende Jahr. Demnach sollen 2006 die operativen Erträge von 0,9 auf über 1 Milliarde Euro steigen. Dabei sollen künftige Ergebnisse vor allem aus höheren operativen Erträgen erwirtschaftet werden. Das Ergebnis vor Steuern erwartet der Immobilienfinanzierer weiterhin bei mindestens 530 nach 420 Millionen Euro im Vorjahr.

Die Aktionäre der Hypo Real Estate haben unterdessen überraschend die Einführung eines Aktienvergütungsprogramms für Führungskräfte abgelehnt. Knapp 64 Prozent des anwesenden Kapitals haben diesen Punkt bei der Hauptversammlung abgelehnt, sagte Aufsichtsratschef Kurt Viermetz. Bei der Hauptversammlung waren knapp 40 Prozent des Kapitals anwesend.

Von dem aktienbasierten Vergütungsprogramm sollten rund 10 Prozent der Mitarbeiter profitieren. Funke hatte in seiner Rede zur Hauptversammlung für die Zustimmung zu diesem Punkt geworben, sagte aber auch, "die erfolgreiche Weiterentwicklung der Hypo Real Estate hängt nicht von diesem Aktienprogramm ab". Wäre das Programm eingeführt worden, wäre die Aktienzahl um maximal bis zu 700.000 Stück oder 0,52 Prozent des Grundkapitals gestiegen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, vwd

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