DZ Bank Norisbank verkauft 350.000 Kunden

Die DZ Bank will Finanzkreisen zufolge seine Tochter Norisbank komplett verkaufen. Für einen Kundenstamm von 350.000 Personen könnten Interessenten bis zu eine Milliarde Euro zahlen.

Frankfurt am Main - "Man hat sich entschieden, der Verkaufsprozess startet", sagte eine mit der Situation vertraute Person am Donnerstag. Die gut 1100 Beschäftigten würden bei einem Verkauf der bundesweit 100 Filialen allerdings bei der Norisbank bleiben. Hintergrund sei, dass sich das Nürnberger Kreditinstitut weiter auf sein Kernprodukt, den Ratenkredit "Easycredit", konzentrieren wolle. Hinzu komme, dass derzeit für Privatkundenfilialen ein hoher Wert erzielt werden könne. Die Norisbank wollte die Informationen nicht kommentieren.

Nach Berichten mehrerer Zeitungen könnte ein Verkaufserlös von 700 Millionen bis zu einer Milliarde Euro erzielt werden. Die renditestarke Tochter der DZ Bank, dem genossenschaftlichen Spitzeninstitut, hatte im ersten Quartal ihr Neugeschäft für den "Easycredit" um 21 Prozent auf 491 Millionen Euro gesteigert.

Als potenzielle Interessenten gelten Norisbank-Rivalen wie die Citibank  oder auch die Commerzbank . Die Citibank lehnte einen Kommentar ab. Sie hat derzeit über 300 Filialen, weniger als die meisten flächendeckend in Deutschland agierenden Häuser.

Ein Sprecher der Commerzbank sagte, das Privatkundengeschäft sei ein Kernbereich der Frankfurter. Das Geldhaus wolle hier seine Position stärken - gegebenenfalls auch durch Zukäufe.

Zweite größere Adresse neben der Berliner Bank

"Wenn es Möglichkeiten gibt, prüfen wir diese", ergänzte der Sprecher. Zu konkreten Vorhaben nehme die Bank jedoch keine Stellung. Die Commerzbank ist neben der Deutschen Bank  und anderen Instituten auch an der derzeit zum Verkauf stehenden Berliner Bank  interessiert, um ihre Aktivitäten in der Hauptstadt auszubauen.

Die HypoVereinsbank  wollte sich nicht äußern. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte aber, es sei unwahrscheinlich, dass die HVB einen Rückkauf der Norisbank-Filialen anstreben werde. Die Münchener hatten die Norisbank 2003 für mehr als 400 Millionen Euro verkauft. Die mittlerweile zur italienischen Großbank Unicredit  gehörende HVB ist durchaus an Zukäufen im Inland interessiert, allerdings liegt das Augenmerk eher auf einer Expansion außerhalb ihrer Stammgebiete Bayern und Norddeutschland.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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