Privatbanken Gewinnsprung bei Sal. Oppenheim und Berenberg

In der 217-jährigen Unternehmensgeschichte gab es für die Privatbank Sal. Oppenheim noch nie einen so hohen Konzernjahresüberschuss wie 2005. Auch die Hamburger Berenberg Bank glänzt mit hohen Gewinnen. Investiert wird unter anderem ins Personal. Bis Dezember soll die Zahl der Mitarbeiter um mehr als zehn Prozent steigen.

Köln/Hamburg - Die Privatbank Sal. Oppenheim hat im Geschäftsjahr 2005 das beste Ergebnis der 217-jährigen Unternehmensgeschichte erwirtschaftet. Der Konzernjahresüberschuss von Sal. Oppenheim vor Steuern stieg um 86 Prozent auf 282,6 Million Euro, sagte der Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, Matthias Graf von Krockow, am Mittwoch in Köln.

Das Eigenkapital sei um 464 Millionen Euro auf 1,764 Milliarden Euro gestiegen. Krockow sieht in der gewachsenen Eigenkapitalausstattung einen der wesentlichen Erfolge des vergangenen Geschäftsjahres. Dies sei Grundlage für das weitere ertragreiche Wachstum. "Durch die Stärkung des Kapitals und der Rücklagen können wir die sich uns bietenden Wachstumsperspektiven auch zukünftig wahrnehmen", sagte Krockow. Die Konzernbilanzsumme beträgt nunmehr 32 Milliarden Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr sieht sich Sal. Oppenheim gut aufgestellt. Der Erwerb der BHF-Bank im vergangenen Jahr und der unabhängige Auftritt beider Institute im Rahmen der Zwei-Banken-Strategie sei vom Markt akzeptiert worden. "Die Kapitalausstattung von Sal. Oppenheim ist im Vergleich zu anderen Instituten sehr komfortabel und stellt eine gute Basis für weiteres Wachstum dar", hob Krockow hervor.

Eigenkapitalrendite von 17,5 Prozent

Er sehe große Chancen zur Expansion in Osteuropa, vor allem in den EU-Beitrittsländern. In Tschechien ist die 1789 gegründete Bank bereits vertreten. Auch in China und Indien suchen die Kölner, die auf das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden spezialisiert sind, nach Partnern. In Norditalien beteiligt sich Sal. Oppenheim mit knapp zehn Prozent an der erst im vergangenen Jahr gegründeten Prader Bank. Mitinhaber Friedrich Carl Janssen sagte, in drei Jahren wolle Oppenheim die Hälfte des Ergebnisses im Ausland machen, noch kämen 70 Prozent aus Deutschland.

2006 soll das operative Ergebnis von rund 283 Millionen Euro im vergangenen Jahr weiter ausgebaut werden. Die 2005 erzielte Eigenkapitalrendite - zentrale Kennziffer für die Profitabilität von Banken - von 17,5 Prozent vor Steuern könne gehalten werden, kündigte Janssen an. Von Krockow bezeichnete den Start ins neue Jahr als sehr gut: "Wir haben schon erreicht, was wir uns für das erste Halbjahr vorgenommen hatten."

Um die Unabhängigkeit des Geldhauses langfristig zu sichern, wurde das Eigenkapital um 464 Millionen auf 1,76 Milliarden Euro aufgestockt. "Dadurch können wir die uns bietenden Wachstumsperspektiven auch zukünftig wahrnehmen", sagte von Krockow, der bereits in der Vergangenheit deutlich gemacht hatte, dass weitere Zukäufe auch nach der 600 Millionen Euro teuren BHF-Akquisition möglich seien.

38 Millionen aus der Verkauf von IVG-Beteiligung

Der Nettogewinn von Sal. Oppenheim stieg 2005 um ein Viertel auf 251 Millionen Euro. Die lange mit Problemen kämpfende BHF steuerte mit knapp 92 Millionen Euro ein Drittel zum gesamten operativen Gewinn der Gruppe bei. 38 Millionen Euro des Oppenheim-Ergebnisses kamen aus der Reduzierung des Aktienpaketes an dem Bonner Immobilienkonzern IVG, weitere 33 Millionen aus der Umstellung der Bilanzierung auf den internationalen Standard IFRS. Die IVG-Beteiligung von noch 20 Prozent soll nicht weiter abgebaut werden.

Die Zahlen aus dem operativen Geschäft: Der Zinsüberschuss sprang auf 221,4 (Vorjahr: 82,1) Millionen Euro, der Provisionsüberschuss legte auf 420,2 (184,0) Millionen zu. Das Handelsergebnis stieg im 217. Jahr der Firmengeschichte auf 101,5 (67,0) Millionen Euro. Allerdings verdoppelten sich auch die Kosten mit der BHF auf gut 680 Millionen Euro. Zusammen betreut der Konzern, der rund 3200 Mitarbeiter hat, ein Vermögen von 135 Milliarden Euro - 100 Milliarden entfallen dabei auf Oppenheim, der Rest auf die Frankfurter BHF.

Berenberg steigert Bilanzgewinn um ein Viertel


Berenberg steigert Bilanzgewinn um ein Viertel

Auch die Hamburger Privatbank Berenberg hat im vergangenen Jahr dank eines guten Abschneidens in allen Geschäftsbereichen einen Gewinnsprung verbucht und will 2006 weiter zulegen.

"Die Berenberg Bank ist im Markt gut positioniert und wird ihre Wachstumsstrategie fortsetzen", erklärte das Geldhaus am Mittwoch in Hamburg. Dabei setze das Kreditinstitut, das in den letzten zehn Jahren die Zahl der Mitarbeiter auf 554 verdoppeln hat, auf organisches Wachstum. "Für 2006 ist die Neueinstellung von mindestens 60 Mitarbeitern vorgesehen", hieß es.

In ihrem 416. Geschäftsjahr steigerte die Bank den Bilanzgewinn um 25 Prozent auf 49,7 Millionen Euro. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern legte auf 39,8 (Vorjahr 33,1) Prozent zu und übertraf damit den Branchendurchschnitt deutlich.

Neue Filialen, mehr Mitarbeiter

Den Provisionsüberschuss steigerte die Berenberg Bank um 37 Prozent auf 116,8 Millionen Euro, während sich der Zinsüberschuss um zwölf Prozent auf 31,6 Millionen Euro erhöhte.

Wegen der Einstellung neuer Mitarbeiter und der Eröffnung mehrerer Filialen verschlechterte sich das Verhältnis der Kosten zu den Erträgen auf 55,0 (49,9) Prozent. Damit mussten die Hamburger 55 Cent aufwenden, um einen Euro Ertrag zu erwirtschaften. Das verwaltete Vermögen legte um 18 Prozent auf 12,5 Milliarden Euro zu. Neben der Vermögensverwaltung betreibt die Berenberg Bank das Investmentbanking, das Firmenkundengeschäft und die Betreuung von vermögenden Privatkunden.

Das Institut erklärte, nach dem Ausscheiden von Joachim von Berenberg-Consbruch Ende 2005 werde das Haus nun von den drei persönlich haftenden Gesellschaftern Claus-G. Budelmann, Hans-Walter Peters und Guido Sollors geführt.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa, reuters

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