Hannover Messe Indische Elefanten und ferngesteuerte Fische

Die Hannover Messe galt in den vergangenen Jahren als etwas angestaubte Industrieschau im Schatten der größeren Computermesse Cebit. Doch mit dem wachstumsstarken Partnerland Indien und dem Themenschwerpunkt Energie präsentiert sich die Messe nun auf der Höhe der Zeit.

Hannover – Minimierte Restwanddicken, Vibrationsgrenzschalter für Schüttgüter, Lecksuch-Molche oder pneumatische Antriebe gehören nicht unbedingt zu dem Themenkreis, der die Massen auf eine Messe lockt. So besteht der größte Teil der Besucher der Hannover Messe im Gegensatz zur Computermesse Cebit am gleichen Ort auch aus reinem Fachpublikum.

Obwohl es die meisten der mehr als 5000 in Hannover vertretenen Unternehmen aus 66 Ländern gewohnt sind, nur selten im Rampenlicht zu stehen, geht der größten Industriemesse der Welt noch immer der Ruf eines Konjunkturbarometers voraus. Von einem breiten Aufschwung mag in diesen Tagen so recht keiner reden, doch ein Messerundgang zeigt hier und da erste zarte Anzeichen für einen Aufschwung.

Als technologische Leistungsschau überzeugt bereits die Vielfalt der ausgestellten Produkte - angefangen von einem kleinen Ein-Mann-Stand bis hin zum größten Aussteller Siemens , der sich gleich auf drei Stockwerken präsentiert. Auch die dringend notwendige Internationalisierung der Messe wird vorangetrieben, denn selbst der in den vergangenen Monaten verstärkt für Schlagzeilen sorgende russische Konzern Gazprom  ist mit einem Stand zum Schwerpunkt Energie vertreten.

Die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen im Überblick (gültige Stimmen in Prozent) *

    Wahl-betei-ligung CDU CSU** SPD FDP GRÜ PDS Sonst. Regierung nach der Wahl
Nordrhein-
Westfalen
14.05.00 56,7 37,0 42,8 9,8 7,1 - 3,3 SPD/GRÜ
Schleswig-
Holstein
27.02.00 69,5 35,2 43,1 7,6 6,2 - 7,9 SPD/GRÜ
Berlin 10.10.99 65,5 40,8 22,4 2,2 9,9 17,7 7 CDU/SPD
Sachsen 19.09.99 61,1 56,9 10,7 1,1 2,6 22,2 6,5 CDU
Thüringen 12.09.99 59,9 51,0 18,5 1,1 1,9 21,3 6,1 CDU
Brandenburg 05.09.99 54,3 26,5 39,3 1,9 1,9 23,3 7 SPD-Koalition
Saarland 05.09.99 68,7 45,5 44,4 2,6 3,2 - 4,3 CDU
Bremen 06.06.99 60,1 37,1 42,6 2,5 8,9 2,9 6,0 SPD/CDU
Hessen 07.02.99 66,4 43,4 39,4 5,1 7,2 - 4,9 CDU/FDP
Mecklenburg-
Vorpommern
27.09.98 79,4 30,2 34,3 1,6 2,7 24,4 6,8 SPD/PDS
Bayern 13.09.98 69,8 52,9 28,7 1,7 5,7 - 11,0 CSU
Sachsen-
Anhalt
26.04.98 71,5 22,0 35,9 4,2 3,2 19,6 15,0 SPD (PDS-toleriert)
Niedersachsen 01.03.98 73,8 35,9 47,9 4,86 7,0 - 4,3 SPD
Hamburg 21.09.97 68,7 30,7 36,2 3,5 13,9 0,7 15,0 SPD/GRÜ
Baden-
Württemberg
24.03.96 67,6 41,3 25,1 9,6 12,1 - 11,9 CDU/FDP
Rheinland-
Pfalz
24.03.96 70,8 38,7 39,8 8,9 6,9 - 5,7 SPD/FDP
*) Nur eine Stimme in Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein; in Bayern: Gesamtstimmen = Addition von Erst- und Zweitstimmen; übrige Länder: Zweitstimmen **) CSU nur in Bayern
Technik, die schwimmt: Der künstliche Fisch Airacuda begeistert

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Foto: DPA
Deutsch-Indische Freundschaft: Merkel mit Ministerpräsident Singh

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Foto: DPA
Roboter bei der Arbeit: Über 5000 Aussteller auf der Technologieschau

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Foto: DPA
Westeuropa im Blick: Auch der russische Konzern Gazprom präsentiert sich

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Foto: DPA
Die Zeit rennt: Die Hannover Messe will internationaler aufgestellt sein

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Foto: DPA
Partnerland Indien: Lebensgroße Elefanten auf dem Messegelände

Partnerland Indien: Lebensgroße Elefanten auf dem Messegelände

Foto: DPA

Doch das Hauptaugenmerk liegt in diesem Jahr auf Indien. Eingestimmt werden die Besucher der Halle 6, vor deren Eingang zwei lebensgroße indische Elefantenmodelle wachen und vom diesjährigen Partnerland der Hannover Messe künden. In der Halle wird die Aufmerksamkeit der Besucher dann gleich auf eine überdimensional große Sonnenuhr gelenkt.

Die insgesamt 343 indischen Stände unterscheiden sich dagegen bis auf die permanent auf großen Flachbildschirmen laufenden lautstarken Produktpräsentationen und die landestypischen Turbane einiger Standbetreuer kaum vom europäischen Einheitsstandard. Geboten wird auch hier ein hohes technologisches Know-how aus einem Land mit Wachstumsraten von 8 Prozent.

Deutschland verschläft Absatzmarkt Indien

Deutschland verschläft Absatzmarkt Indien

Doch die Halle 6 bleibt in den ersten Tagen trotz der insgesamt auf der Messe erwarteten 150.000 Besucher merkwürdig leer, obwohl gerade hier der Aufschwung spürbar und greifbar ist. Dabei hatte Indiens Ministerpräsident Manmohan Singh persönlich zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Messe eröffnet. Doch es scheint, als würden die deutschen Unternehmen die Chancen auf dem großen Absatzmarkt Indien in der Frühlingsluft Hannovers verschlafen.

Vielleicht sind sie auch nur zu beschäftigt mit der Suche nach qualifizierten Arbeitnehmern. So buhlen in der Halle 2 diverse Unternehmen um den Fachkräftenachwuchs. "Job & Career Market" nennt sich diese Veranstaltung - Ingenieure sind wieder gefragt am Standort Deutschland. Vor allem der Nachwuchs nutzt dieses persönliche Kontaktforum abseits der Online-Bewerbungen.

Bekannte Arbeitgeber wie Airbus oder Audi  sind hier auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, dazu viele junge und aufstrebende Unternehmen wie der Solaranlagenhersteller Conergy , der seit Jahren überdurchschnittlich wächst. Auch in diesem Jahr soll die Mitarbeiterzahl von derzeit knapp 1000 um bis zu 500 neue Stellen ausgebaut werden. "Das ist eine große Herausforderung für uns", so Produktmanager Philipp Lilburn, "denn Ingenieure mit der Spezialisierung auf erneuerbare Energien sind Mangelware".

Etwas einfacher hat es da einer der führenden Ingenieurdienstleister Deutschlands, das Unternehmen Euro Engineering: "Ein Großteil unseres Geschäftes bezieht sich auf den Automobil-Bereich. Hier profitieren wir davon, dass die großen Konzerne Arbeitsplätze abbauen und dementsprechend wenig neue Ingenieure einstellen", sagt Vorstand Michael Witte.

Ein Technikfisch begeistert die Ingenieure

Ein Technikfisch begeistert die Ingenieure

Im vergangenen Jahr schuf Euro Engineering 250 Jobs, aktuell werden 300 Ingenieure, Konstrukteure, Techniker und Projektmanager gesucht. "Der formale Abschluss des Ingenieurs reicht allerdings nicht aus, denn in der Projektarbeit sind ebenso im hohen Maße kommunikative Kompetenzen gefordert und die Fähigkeit, eine technische Herausforderung in all ihren Dimensionen zu ermessen", so Witte.

Zu diesen technischen Herausforderungen gehört auch die Industrieautomation – ein Schwerpunkt der Hannover Messe. In der Halle 17 informiert die "Robotics World" über neue Robotertechnologien und deren Einsatzmöglichkeiten, gerade auch für kleine und mittelständische Unternehmen.

Ein Blickfang zwischen all den Weltmarktführern in technischen Nischen ist dabei der so genannte "Airacuda" - der erste ferngesteuerte, pneumatisch angetriebene Fisch der Welt. In einem 60.000 Liter fassenden Aquarium ähneln seine Bewegungen denen eines echten Fischs. In seinem wasserdichten Kopf befinden sich Elektronik und Pneumatik, die unter anderem die Bewegung der Schwanzflosse steuern.

Die Austarierung im Wasser gelingt dem täuschend echt wirkenden Technikfisch wie seinem natürlichen Vorbild mit Hilfe einer Luftblase. Der "Airacuda" des Unternehmens Festo begeistert die Ingenieure, wäre aber sicher auch ein Renner bei einem breiteren Publikum. Doch das findet derzeit nicht den Weg auf das Messegelände, vielleicht konsumiert es ja schon verstärkt. Das wäre dann gut für den Aufschwung - und die Ingenieure wären auch zufrieden.

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