Volkswagen Diskutiert ihr noch oder saniert ihr schon?

Am Mittwoch kommt der VW-Aufsichtsrat zu einer zweitägigen Klausurtagung zusammen. Neben dem Sanierungsprogramm für die Kernmarke Volkswagen geht es auch um die Vertragsverlängerung von Konzernchef Bernd Pischetsrieder. Vor der Hauptversammlung am 3. Mai soll Klarheit herrschen.

Wolfsburg - Der Verlauf der Aufsichtsratssitzung gilt als offen, im Vorfeld hielten sich alle Seiten bedeckt. Während der Sitzung des Kontrollgremiums geht es nicht nur um das verlustreiche US-Geschäft und die Sanierungsstrategie für die Kernmarke Volkswagen: So ist fraglich, ob der Aufsichtsrat bereits jetzt über eine Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder entscheiden wird.

Im Februar hatte die Konzernspitze ein tief greifendes Restrukturierungsprogramm für die Marke VW angekündigt, die vergleichsweise teuer produziert wird und Überkapazitäten hat. Von dem Programm könnten rund 20.000 Beschäftigte betroffen sein, hieß es.

Seitdem reißen die Spekulationen nicht ab, wie genau das Sanierungsprogramm aussieht. So gibt es immer wieder Medienberichte, VW-Markenchef Wolfgang Bernhard plane eine Verlängerung der Arbeitszeit von derzeit 28,8 auf 35 Stunden, und dies ohne Lohnausgleich. VW kommentiert dies nicht.

Bernhard dürfte bei solchen Plänen auf den erbitterten Widerstand von Gewerkschaft und Betriebsrat treffen - und die IG Metall sieht ihre Position bei VW nach ihrem Erfolg bei der Betriebsratswahl, bei der sie ihren Stimmenanteil vergrößerte, gestärkt.

Betriebsrat erhöht den Druck

In deutlichen Worten sprach sich denn auch vor kurzem VW- Gesamtbetriebsratschef und Aufsichtsrat Bernd Osterloh gegen einen "Freibrief" für eine Vertragsverlängerung von Pischetsrieder aus. Die künftige Strategie für die Restrukturierung der Marke Volkswagen  liege noch nicht auf dem Tisch, schrieb Osterloh an die Belegschaft.

"Jeder, der es mit der Standort- und Beschäftigungssicherung ernst meint und das auch mit schlüssigen Konzepten und Konsequenz in der Umsetzung unter Beweis stellt, ist für uns auch zukünftig ein Verhandlungspartner." Der Betriebsrat sei "nicht für oder gegen jemanden", sondern für Beschäftigung im Interesse der Belegschaft.

Wulff und Wiedeking pokern mit Piëch

Wulff und Wiedeking für Pischetsrieder

Auf jeden Fall für ein Weitermachen mit Pischetsrieder sind Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) als Spitzenvertreter der beiden VW- Hauptaktionäre. Sie wollen das Thema Vertragsverlängerung möglichst schnell vom Tisch haben, möglichst noch vor der VW-Hauptversammlung am 3. Mai, wie es in der Branche heißt.

Ob aber Wulff und Wiedeking bereits bei der Klausur die Pischetsrieder-Frage stellen, gilt als offen. Eine Verlängerung des Vertrags gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter würde dessen Position ganz erheblich schwächen und tiefe Gräben aufreißen. Für die tief greifende Sanierung der Marke VW aber braucht Pischetsrieder die volle Unterstützung aller Seiten.

Poker mit Piëch

Der Vertrag des Vorstandschefs läuft zwar noch bis zum Frühjahr 2007 - den üblichen Branchen-Gepflogenheiten gemäß wird aber ein Jahr vor Auslaufen des Vertrags entschieden, ob dieser verlängert wird.

Undurchsichtig bleibt die Rolle von Pischetsrieders Vorgänger, dem VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch. Anfang März hatte Piëch für Wirbel gesorgt, als er die Verlängerung des Vertrags von Pischetsrieder als "offene Frage" bezeichnet und von einer starken Opposition der Arbeitnehmer-Seite im Aufsichtsrat gesprochen hatte. Dies war in der Branche als "Demontage" Pischetsrieders durch Piëch gewertet worden.

dpa

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