Bahn EU könnte Börsengang verhindern

Der Börsengang der Deutschen Bahn mit Schienennetz ist offenbar gefährdet. Laut einem Zeitungsbericht könnte die EU-Kommission die Vorgaben zur Unabhängigkeit des Netzes verletzt sehen und die Börsenpläne missbilligen.

Berlin - Die Europäische Kommission könnte der Deutschen Bahn einem Zeitungsbericht zufolge ihren Plan eines Börsengangs mit Einschluss des Schienennetzes verderben. In der Bahnspitze herrsche offenbar Sorge darüber, dass die EU-Kommission die geltende Praxis der Trassenvergabe und Preisfestsetzung missbilligen könnte, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Bedenken über eine Unvereinbarkeit der Konzernstruktur mit EU-Recht seien dem Protokoll einer Sitzung von Bahn-Führungskräften von Ende März zu entnehmen, das der Zeitung vorliege. Darin werde der Leiter Konzernentwicklung, Alexander Hedderich, zitiert, die EU-Kommission nehme ein "kritische Grundhaltung gegenüber dem Integrationsmodell" ein. Hedderich sehe jedoch Chancen für eine "ergebnisorientierte Diskussion".

Derzeit werden Trassen und Preise von der Bahn-Tochter DB Netz vergeben und berechnet. Dies könnte gegen Vorgaben der EU zur Unabhängigkeit des Netzes verstoßen, schreibt die Zeitung. Mit einer Missbilligung durch die Kommission wäre eine Teilprivatisierung der Bahn mit Netz deutlich unattraktiver - sie wäre zumindest mit hohen Preisabschlägen für den Verkäufer Bund verbunden.

Einen Hinweis auf die Haltung der EU zur DB-Konzernstruktur könnte laut Zeitungsbericht deren Position zur integrierten Schweizer Bahn liefern. Obwohl nicht EU-Mitglied, habe die Schweiz ihre Bahnstruktur von der EU-Kommission beurteilen lassen und nach deren Einwänden die Trassenvergabe und Preisfestsetzung inzwischen aus der Schweizer Bahn SBB in eine eigene Gesellschaft ausgelagert.

Für eine strenge Haltung der EU spreche, dass die Kommission ihre Wettbewerbsanforderungen in den anderen Netzindustrien Post, Telekommunikation und Energie in jüngster Zeit erhöht habe, hieß es.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.