DaimlerChrysler Herr Zetsche, sein Gehalt und der Smart

Konzernchef Dieter Zetsche verspricht mehr Gewinn: Die Sanierung von Smart und ein rigider Jobabbau sollen dazu beitragen, dass DaimlerChrysler bereits 2006 seine Erträge steigert. "Wir haben anspruchsvolle, aber realistische Ziele", sagte Zetsche, der als erster Daimler-Chef sein Gehalt veröffentlichte. Von Fonds musste er sich herbe Kritik gefallen lassen.

Berlin - DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche erwartet bereits für das laufende Geschäftsjahr eine verbesserte Ertragslage.

Der Betriebsgewinn solle in den Folgejahren kontinuierlich steigen, sagte Zetsche am Mittwoch vor der Hauptversammlung in Berlin. "Wir haben uns dabei anspruchsvolle, aber realistische Ziele gesetzt, die wir in einem überschaubaren Zeitrahmen erreichen wollen", erklärte er.

Einen detaillierten Ergebnisausblick für das Gesamtjahr will die Konzernführung mit der Veröffentlichung des Ergebnisses des ersten Quartals am 27. April vorlegen. Die Aktionäre sollen eine unveränderte Dividende von 1,50 Euro je Aktie erhalten.

Wesentliche Voraussetzung für ein besseres Ergebnis sei das Ende Januar beschlossene neue Managementmodell, sagte Zetsche. Es sieht unter anderem die Streichung von weltweit rund 6.000 Stellen in der Verwaltung vor.

Stellenabbau geht weiter

"Wir wissen auch, dass hinter Zahlen Menschen und Schicksale stehen. Umso mehr sehen wir es als Verpflichtung, den notwendigen Stellenabbau fair zu gestalten." Langfristig trügen diese Maßnahmen zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes Deutschland bei.

Zugleich betonte Zetsche, er halte an dem Ziel einer Umsatzrendite von 7 Prozent für die Mercedes Car Group im nächsten Jahr fest. Er sei zuversichtlich, diese Vorgabe zu erreichen, sagte er mit Hinweis auf bereits eingeleitete Schritte zur Effizienzsteigerung.

Zetsche will bis 2008 mindestens 14.500 Stellen im Konzern abbauen und die Produktionskosten senken sowie die Zusammenarbeit mit Chrysler intensivieren. Der bis Ende September angestrebte Abbau von 8.500 Stellen in den deutschen Mercedes-Werken liege im Plan. Bislang hätten 7.800 Mitarbeiter freiwillige Ausscheidungsvereinbarungen unterzeichnet oder Frühpensionierungen in Anspruch genommen.

Smart soll 2007 profitabel sein

Mercedes war im vergangenen Jahr wegen der Kosten für den Stellenabbau in den deutschen Standorten und für die Sanierung der defizitären Kleinwagentochter Smart in die roten Zahlen gerutscht. Die Mercedes-Gruppe fuhr im abgelaufenen Geschäftsjahr einen operativen Verlust von 505 Millionen Euro ein.

Die im Vorjahr von den Aktionären heftig gerügten Milliardenverluste bei Smart sollen nach Zetsches Willen bereits 2007 der Vergangenheit angehören. Smart stellt den den Bau des Viersitzers "smar forfour" ein und konzentriert sich auf die ursprüngliche Idee eines zweisitzigen Autos. "Wir haben die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass Smart im Jahr 2007 schwarze Zahlen schreiben wird", sagte Zetsche.

Dennoch musste sich Zetsche deutliche Kritik von Vertretern großer Aktienfonds gefallen lassen, die Smart insgesamt in  Frage stellen. Außerdem verlangt ein Aktionär die Bestellung von Sonderprüfern, weil er bei smart eine Verletzung der Sorgfaltspflicht seitens des Konzerns sieht.

Was Zetsche verdient

Daimler will mindestens 15 Prozent an EADS behalten

Trotz der Konzentration auf das Kerngeschäft Automobilbau will DaimlerChrysler nach Worten Zetsches mindestens 15 Prozent an dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS behalten. DaimlerChrysler hatte kürzlich entschieden, seinen Anteil an dem Airbus-Mutterkonzern von 30 auf 22,5 Prozent zurückzufahren.

Zetsche sprach angesichts der großen Nachfrage nach dem Super-Airbus A380 von einer "hervorragenden Basis" für ein weiteres profitables Wachstum in den kommenden Jahren. "Das wollen wir unterstützen und mit mindestens 15 Prozent ein wesentlicher Anteilseigner bleiben." Sollte DaimlerChrysler seinen Anteil letztlich auf 15 Prozent senken, strebe die Konzernführung an, die Balance zwischen französischen und deutschen Anteilseignern weiterhin aufrecht zu erhalten.

Grundgehalt von 1,5 Millionen Euro plus Bonus plus Aktien

Zetsche ließ außerdem als erster DaimlerChrysler-Chef seine Bezüge veröffentlichen. Zetsche bekommt für das Jahr 2005 ein Grundgehalt von 1,5 Millionen Euro. Wie Aufsichtsratschef Hilmar Kopper am Mittwoch auf der Hauptversammlung des Autokonzerns weiter sagte, erhält der Vorstandsvorsitzende bei 100-prozentiger Zielerreichung einen Bonus von 150 Prozent des Grundgehalts - also erhält Zetsche bei Erreichen der Ziele maximal 3,75 Millionen Euro.

Zetsche bekomme zusätzlich 59 563 Aktien von DaimlerChrysler zugeteilt, deren Auszahlung im Jahr 2010 erfolge. Bei einem möglichen Kurswert von rund 50 Euro pro Aktie wären das zusätzlich rund 3 Millionen Euro: Steigt der Aktienkurs bis 2010 deutlich, verdient Zetsche entsprechend mehr. Damit ist erstmals das Gehalt des Konzernchefs von DaimlerChrysler veröffentlicht worden.

Manfred Bischoff rückt für Hilmar Kopper nach

Neu für den Aufsichtsrat kandidiert in Berlin der langjährige DaimlerChrysler-Topmanager Manfred Bischoff.

Es wird erwartet, dass er spätestens 2007 die Nachfolge von Aufsichtsratschef Hilmar Kopper antritt. Mehrere Kleinaktionäre fordern von Kopper bereits den sofortigen Rücktritt. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Verstoßes gegen die Insidervorschriften ihm Zusammenhang mit der Rücktrittankündigung des Zetsche-Vorgängers Jürgen Schrempp im Juli 2005 von der Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt.

ap / dpa

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