Montag, 23. September 2019

Standortpolitik "Aggressive Abwerbung aus Österreich"

Österreich ist nicht nur bei Urlaubern beliebt, sondern auch als Standort für deutsche Unternehmen. Gegen die massiven Abwerbungen aus dem Nachbarland will Finanzminister Steinbrück jetzt mit einer Reform der Unternehmensteuer vorgehen.

Wien - Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat die Abwerbung deutscher Unternehmen durch Österreich offen kritisiert. "Wir haben es im Falle Österreichs nicht mit einer moderaten, sondern doch sehr ehrgeizigen und aggressiven Abwerbung zu tun", kritisiert Steinbrück in der Wiener Zeitung "Der Standard".

Reagiert auf das europäische Umfeld: Finanzminister Steinbrück

Die Regierung in Berlin werde sich sich mit einer Reform der Unternehmensteuer gegen Abwerbungen wehren, sagte der Minister. Wenn diese Reform 2008 in Kraft trete, dann sei dies "eine Reaktion auf das europäische Umfeld".

Im internationalen Vergleich seien Kapitalgesellschaften in Deutschland mit 38,6 Prozent zu hoch besteuert. Ein zentrales Vorhaben der großen Koalition sei es, die Steuerlast - ebenso wie in Österreich - auf 25 Prozent zu senken. Dies müsse aber "weitgehend aufkommensneutral" geschehen.

Die für die Ansiedlung ausländischer Firmen zuständige "Austrian Business Agency" in Wien hat nach eigenen Angaben allein im Januar und Februar dieses Jahres 446 Anfragen deutscher Firmen erhalten, die in Österreich ein neues Unternehmen oder eine Niederlassung gründen wollen. Die meisten der Interessenten kämen aus Enttäuschung über ausbleibende oder nur zaghaft angegangene Wirtschaftsreformen in Deutschland, aber auch wegen der Nähe zu den Märkten in Osteuropa.

dpa

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