Deutsche Bank Kirch-Anwalt hält Rücktritt für "überfällig"

Mit seinem Rücktritt als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank zieht Rolf Breuer eine späte Konsequenz aus der Kirch-Affäre. Der BGH hatte im Januar eine persönliche Pflichtverletzung Breuers festgestellt und zum Vergleich mit dem Ex-Medienzaren aufgerufen. Kirchs Anwalt Peter Gauweiler hält den Rücktritt für "überfällig".

Frankfurt am Main - Grund für den Rückzug Breuers ist ein TV-Interview aus dem Februar 2002, in dem er die Kreditwürdigkeit Kirchs öffentlich in Zweifel gezogen hatte. Breuer hatte gesagt: "Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen." Das Interview war nach Darstellung Kirchs Ursache für die zwei Monate später eingetretene Insolvenz.

Der Münchener Medienunternehmer hatte dann mittels diverser Rechtsstreitigkeiten versucht, Breuer sowie die Deutsche Bank haftbar zu machen.

Am 24. Januar entschied der BGH, dass die Bank und Breuer grundsätzlich für Schäden haften müssten - allerdings nur bezogen auf die Kirch-Tochter Printbeteiligungs GmbH, mit der tatsächlich ein Vertragsverhältnis der Deutschen Bank bestand.

Der BGH hatte betont, das Interview Breuers habe Kirch die Aufnahme dringend benötigter weiterer Kredite erheblich erschwert. Die Äußerung stelle deshalb eine Verletzung der aus dem Darlehensvertrag folgenden Pflicht dar, die Kreditwürdigkeit des Kunden nicht zu gefährden. Dies gelte auch für Breuer persönlich. Nicht wenige Beobachter hatten einen Rücktritt Breuers schon nach dieser Schelte erwartet.

BGH rief zu Vergleich auf

Allerdings hatte der BGH den Streitparteien auch nahe gelegt, eine außergerichtliche Einigung anzustreben. Der Rücktritt Breuers legt nun den Schluss nahe, dass sich hier offenbar relativ wenig bewegt hat. Kirchs Anwalt Peter Gauweiler begrüßte in einer ersten Reaktion im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AP Breuers Rücktritt: "Ich denke, das war überfällig."

"Von weiteren Diskussionen entlasten"

Breuer hatte seinen Rückzug damit begründet, dass er die Deutsche Bank "nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 24. Januar 2006 von weiteren Diskussionen um seine Person entlasten wolle", heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Bank.

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, erklärte, Breuer habe die Entscheidung in bestem Interesse der Bank getroffen und verdiene ein "Höchstmaß an Respekt". Er bedankte sich für die "stets seht gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit".

Das Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Markus Straub, zeigte sich gegenüber dem "Tagesspiegel" überrascht. Es gebe - zumindest in der Öffentlichkeit - keine neuen Informationen über die Schadensersatzklage von Kirch. Breuers Rückzug werde natürlich Spekulationen nähren, ob die Deutsche Bank  mehr wisse.

Kommt es zu keinem außergerichtlichen Vergleich, muss in einem neuen Prozess geklärt werden, ob und in welcher Höhe ein Schaden entstanden ist. Der finanzielle Schaden der Kirch Printbeteiligungs GmbH wird in Branchenkreisen auf 600 Millionen bis 1,5 Milliarden Euro geschätzt.

manager magazin.de mit Material von djn/vwd und ap