Deutsche Bank AR-Chef Breuer legt Mandat nieder

Ein halbes Jahr nach seiner Demission als Oberaufseher der Deutschen Börse tritt Rolf-E. Breuer auch als Aufsichtsratschef der Deutschen Bank zurück. Der Rücktritt ist eine Spätfolge der Kirch-Affäre. Breuers Nachfolger soll der jetzige Finanzvorstand Clemens Börsig werden. Die Aktie der Bank legt zu.

Frankfurt am Main - Wie die Deutsche Bank  am Sonntag nach einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrates mitteilte, wird AR-Chef Rolf-E. Breuer sein Mandat zum Ablauf des 3. Mai dieses Jahres niederlegen. Breuer habe seinen Schritt damit begründet, dass er die Bank nach der Entscheidung des Bundesgerichtshofes (BGH) vom 24. Januar dieses Jahres "von weiteren Diskussionen um seine Person entlasten wolle", hieß es in der Mitteilung weiter.

Der Aufsichtsrat habe dies mit Bedauern zur Kenntnis genommen, so die Deutsche Bank. Das Gremium habe dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden (1997 bis 2002) "seinen Respekt und seine Hochachtung" angesichts dieser Entscheidung bekundet und danke ihm "ausdrücklich" für seine "verdienstvolle Tätigkeit" als AR-Chef und Mitglied des Vorstandes.

Der BGH hatte am 24. Januar dieses Jahres entschieden, dass der damalige Bank-Primus Breuer vertragliche Pflichten gegenüber der Kirch-Gesellschaft Printbeteiligungs GmbH verletzt hat. Breuer hatte in einem Fernsehinterview im Februar 2002 öffentlich Zweifel an der Kreditwürdigkeit des Medienunternehmers Leo Kirch geäußert. 

Nachfolger des 68-Jährigen als Chefaufseher der Deutschen Bank soll der jetzige Finanzvorstand Clemens Börsig werden. Er wird der kommenden Hauptversammlung (HV-Termin ist der 1. Juni) zur Wahl in den Aufsichtsrat vorgeschlagen.

Die Aufgaben von Börsig als CFO wird mit Wirkung zum 4. Mai dieses Jahres Anthony Di Iorio übernehmen. Gleichzeitig rückt auch, wie von manager magazin bereits im Januar berichtet, Hugo Bänziger in den Vorstand von Deutschlands größter Bank auf. Bänziger, Landsmann und Vertrauter von Vorstandschef Josef Ackermann, soll dort das Risikomanagement verantworten, das bisher ebenfalls zu Börsigs Zuständigkeiten gehört.

Kein Vergleich mit Kirch

Kein Vergleich mit Kirch

Bankchef Ackermann erklärte am Sonntag, Breuer habe die Entscheidung in bestem Interesse der Bank getroffen. "Ich bedanke mich ausdrücklich für die stets sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit über fast zehn Jahre hinweg", sagte der Schweizer.

Auf Nachfrage von manager-magazin.de wollte ein Sprecher der Deutschen Bank am Sonntagabend die Breuer-Entscheidung nicht als einen Hinweis auf einen anstehenden Vergleich mit Kirch verstanden wissen. An der rechtlichen Position der Deutschen Bank habe sich auch nach dem Urteil vom Januar nichts geändert, sagte der Sprecher. Die BGH-Richter hatten den Streitparteien einen Vergleich empfohlen.

Wer die Hauptversammlung der Deutschen Bank in knapp zwei Monaten an Stelle Breuers leiten wird, konnte der Sprecher noch nicht sagen. Im vergangenen Jahr hatten Kirchs Anwälte schon im Vorfeld des Aktionärstreffens versucht, Breuer als HV-Leiter zu verhindern, und schließlich durchgesetzt, dass über die Entlastung der Aufsichtsratsmitglieder einzeln abgestimmt wurde.

Merrill Lynch reagiert mit Kauf-Empfehlung

Mit seinem Rücktritt als AR-Chef der Deutschen Bank beugt sich Breuer binnen eines halben Jahres schon zum zweiten Mal externem Druck. War er doch als Oberaufseher der Deutschen Börse  erst im vergangenen Herbst durch Kurt Viermetz ersetzt worden, nachdem Hedgefonds die von ihm und dem damaligen Börsenchef Werner Seifert angestrebte Übernahme der Londoner Börse vereitelt hatten.

Aktien der Deutschen Bank waren am Montag vorbörslich gefragt. Bei Lang & Schwarz wurden die Titel bei 94,64 zu 95,04 Euro gestellt, der Xetra-Schluss hatte bei 94,25 Euro gelegen.

Die Analysten der US-Investmentbank Merrill Lynch haben nach der Rücktrittsankündigung von Breuer ihre Einstufung für die Deutsche Bank mit "buy" bekräftigt. Sowohl die Nachfolge-Frage von Breuer als auch weitere damit zusammenhängende Personalien in der engeren Führungsriege sollten die Machtposition von Vorstandschef Josef Ackermann stärken, hieß es am Montag in einer Kurzstudie der Bank. Das Kursziel bestätigte Merrill Lynch mit 114 Euro.

manager-magazin.de