Internetfernsehen Telekom verhandelt mit Premiere

Die Deutsche Telekom sucht die Nähe der Fernsehanstalt Premiere. Die Telekom spricht mit den Münchenern über Möglichkeiten zur Aufarbeitung von Bundesliga-Rechten für das Internetfernsehen. Bankenkreise halten auch eine Übernahme für möglich.
Von Andreas Nölting und Karsten Stumm

Hamburg - Die Deutsche Telekom  und der Bezahlsender Premiere  loten Möglichkeiten zur Zusammenarbeit aus. Wie die Telekom gegenüber manager-magazin.de bestätigte, werden Gespräche geführt, allerdings auch mit anderen Unternehmen. Der Bonner Telefonriese wollte nicht kommentieren, ob sie in einer Kooperation der beiden Firmen enden oder gar in einer Übernahme von Premiere durch die Deutsche Telekom. Der Münchener TV-Kanal Premiere ist an der Börse derzeit gut 1,1 Milliarden Euro wert, die Telekom als größter europäischer Telekommunikationskonzern kommt auf eine Marktkapitalisierung in Höhe von 58,7 Milliarden Euro.

Marktbeobachter vermuten, dass die Telekom vor allem an einem Inhaltelieferanten für ihre Internettochter T-Online  interessiert ist. Ohne attraktive Angebote werde das Unternehmen nur schwer viele neue Kunden gewinnen und seine Leitungen auslasten können, glauben Experten.

Zudem hat die Telekom kürzlich die IP-TV-Rechte (Internetfernsehen) an der Fußball-Bundesliga erworben - für einen Bruchteil der Summe, die ein Konsortium von Kabelnetzbetreibern mit Namen Arena für die Fernsehrechte aufbringen musste. Über die Infrastruktur von Premiere und deren Kunden könnten diese Rechte genutzt werden, um via Internet das Programm auf die Bildschirme zu übertragen. Die Telekom spricht deshalb unter anderem mit Premiere über Möglichkeiten zur Aufarbeitung der Bundesliga-Rechte für IP, bestätigte die Telekom.

Arena, so heißt es, hat für diese Möglichkeit bereits eine Klage vorbereitet. Die rechtlichen Schritte allerdings bewegen sich, so Beobachter, in einer Grauzone, da die EU-Kommission die technische Beschreibung, was denn IP-TV genau sei, nur sehr ungenau formuliert habe.

Nach Informationen von manager-magazin.de hat sich Deutschlands größter Telekommunikationskonzern bereits rechtliche Hilfe zur Klärung einer weiteren Frage gesichert. Eine internationale Großkanzlei soll offenbar herausfinden, ob ein Unternehmen, an dem der Bund beteiligt ist, überhaupt ein Rundfunk- oder Fernsehunternehmen kaufen oder mit ihm kooperieren darf. Möglicherweise müssten beide Unternehmen auf Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrages oder die von Bundesland zu Bundesland leicht unterschiedlichen Landesmediengesetze Rücksicht nehmen. Der Staat Bundesrepublik Deutschland hält derzeit noch 37 Prozent der Telekom-Anteile.

Medienrechtler sehen allerdings keine unüberwindlichen Hindernisse für eine Kooperation zwischen beiden Unternehmen. Die Telekom benötige zwar eine Sendelizenz, sobald sie ihren Kunden ein festes Programmschema anbieten wolle. Genau die dürfen aber auch Partner wie beispielsweise Premiere beisteuern.