Dritte Welt Reich unter Armen

Paraguay und die Mongolei sind zwei arme Länder abseits der großen Warenströme. Wie kann man hier als (erfolg)reicher Unternehmer leben und überleben? Eine Reportage aus dem Urwald und der Steppe.

Paraguay? Das ist doch ein Versteck von alten deutschen Nazis. Mongolei? Da wandern doch Nomaden hordenweise durch unwirtliches Land. Zwei Länder, zwei Vorurteile.

Man weiß wenig oder so gut wie nichts über diese Staaten, die im Nirgendwo von Südamerika und Asien liegen. Die Waren- und Tourismusströme rauschen an beiden Ländern vorbei; es gibt keinen Zugang zum Meer, und sie werden ökonomisch und geografisch erdrückt von gigantischen Nachbarn: von Brasilien und Argentinien im Falle von Paraguay, von China und Russland im Falle der Mongolei.

Die Globalisierung der Wirtschaft, so scheint es, findet ohne beide Länder statt. Paraguay und Mongolei, zwei kleine Habenichtse, deren Einwohner im Schnitt weniger als 100 Dollar im Monat verdienen. Und dennoch finden sich auch hier erfolgreiche Unternehmer, lebt auch hier eine wohlhabende Wirtschaftselite.

manager magazin ging der Frage nach, mit welchen Tricks und Kniffen man als Unternehmer auf der Schattenseite der Weltwirtschaft Erfolg haben kann. Welche Wege führen abseits der großen Handelsrouten zu Ruhm und Reichtum? So viel ist gewiss: Die mongolische Steppe und der Urwald Paraguays sind von der Globalisierung vergessen worden.

Beate Kress (55) hat ihren Urlaub an Brasiliens Nordküste verbracht. Sie ist erst vor einigen Tagen zurückgekehrt und sitzt nun braun gebrannt in der Lobby des "Sheraton"-Hotels in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Ihre Füße stecken in italienischen Designerstiefeln, der Rock ist knapp und recht gewagt hochgerutscht, das Top freizügig. Die Dame ist in Schuss.

Ausflüge ins Ausland genießt sie sichtlich; sie streitet gar nicht ab, dass sie diese Fluchten ab und zu braucht: zum Beispiel einen First-Class-Flug zum Einkaufen nach Paris; eine Kreuzfahrt in der Südsee: "Ich muss mal ein paar Tage ein Niveau genießen, das wir sonst nicht haben."

Sonst - das ist Kressburgo, ein schmutziges verlorenes Nest irgendwo im paraguayischen Hinterland. "Nur rote Erde gibt es da", sagt sie, "und die ist entweder staubig oder schlammig." Seit kurzem führt eine Straße nach Kressburgo, wenngleich sie selbst weite Strecken ungern im Auto zurücklegt. Viel lieber reist sie in ihrer sechssitzigen Piper, die sie dem argentinischen Ex-Präsidenten Carlos Menem abgekauft hat.

Kämpfen lernt man im Urwald

Rund 2000 Menschen leben in Kressburgo, einem Ort, der einst um das Haus ihres Mannes herum entstand wie eine Blumenwiese um einen Apfelbaum. Fast alle Dorfbewohner arbeiten für Beate Kress und ihre Firma Frutika, die Frischobst, Extrakte und Säfte verkauft.

Ihr großer Konkurrent ist Unilever: "Das ist mein Lieblingsfeind", sagt sie. Dieser Tage jagt sie mit ihrem neuen Tomatenpüree dem Lebensmittelgiganten einige Prozente Marktanteil ab. Da freut sie sich diebisch.

Kämpfen ist etwas, das man im Urwald lernt: Hier wohnt Beate Kress in einem riesigen Anwesen, in dem sie sich mit allerlei Skurrilitäten wie Mammutzähnen und ausgestopften Krokodilen umgeben hat - während draußen Jaguare und Pumas ihre Felder und Wälder durchstreifen, ganz zu schweigen von den Bandidos. Ihr Haus wird Tag und Nacht bewacht.

Die Frau kann freilich nur wenig erschüttern. Sie hat einiges weggesteckt in ihrem Leben: Ihr Mann entführt, später tödlich verunglückt. "Und von Gelbfieber bis Malaria hatte ich auch schon alles", erzählt sie, fast ein bisschen mit dem Stolz einer Pionierin. Es ist nicht ungefährlich, in Paraguay Unternehmer zu sein.

Carlos Rieder (51) steht marschbereit in der Tür seines Hauses in Asunción. Er flüstert seiner Frau Caroline zu: "Sollen wir Valdez mitnehmen?" "Ja, klar", antwortet sie. Rieder schüttelt nachdenklich den Kopf: "Es ist eine Schande für unser Land, dass ich Leute wie Valdez brauche." Valdez ist sein Bodyguard, ein großer schlanker Mann im schwarzen Anzug und mit wachen Augen, die unruhig durch die Gegend blicken.

In ihrem weißen Volvo rasen die Rieders los, in einem schwarzen Volvo folgt Valdez. Sie wollen zur Expo, einer Art Kirmes, Viehschau und Mini-Hannover-Messe. Die Expo ist das gesellschaftliche Ereignis des Jahres in Asunción, wo normalerweise ein Tag wie der andere ist, eine lange, öde Kette ins Nichts.

Aber auch auf dieser Expo gilt: Sehen und gesehen werden. Die Rieders buhlen um Aufmerksamkeit, ihr Outfit hilft: Sie trägt Jeans und hohe Stiefel, er steckt in wildledernen Cowboyschuhen. In der Hand ein Glas schottischen Whisky, schlendert das auffällige Paar über das Messegelände.

Vor einem Stand bleiben sie stehen. Es ist ihr Stand, ihr Pavillon, der Rieder-Pavillon: Hier zeigen sie Volvos, Renaults, Valmet-Traktoren, Siemens-Telekomgeräte und Glasfasern. Denn die Grupo Rieder ist ein Konglomerat. In Paraguay hat man von der modischen Konzentration aufs Kerngeschäft noch wenig gehört, hier sind die meisten Unternehmen Gemischtwarenhändler.

Später, bei teurem argentinischen Wein und leckeren Steaks und Würsten, erzählt Rieder, dass er nebenher noch drei Farmen bewirtschafte, zusammen 150.000 Hektar, fast so groß wie London. Bescheiden sagt er: "Die Rinderzucht ist mein Hobby." Wer in Paraguay als wohlhabend gelten will, sollte auf einer Hacienda wohnen, eine Rinderzucht und ein Flugzeug samt Pilotenschein besitzen.

Land der Fälscher und Schmuggler

In Ermangelung eines Flugzeugs fahren wir in einem klapprigen Taxi zu Raúl Hoeckle. Er gab vorweg eine mehr oder weniger konkrete Wegbeschreibung: "Von Asunción auf der asphaltierten Straße bis Kilometer 98, dann hinter den Eukalyptusbäumen links rein."

Das Gatter ist verschlossen. Wir rufen Hoeckle per Handy. Mit einem allradangetriebenen Chevrolet kommt uns der 61-Jährige entgegen, wir steigen um, und er chauffiert uns über das weitläufige Gelände seiner Hacienda.

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Flug ***

190 Kg

170 Kg

175 Kg

Bahn

50 Kg

k.A. **

62,5 Kg

Auto *

150 Kg

k.A. **

110 Kg

Imposant: Skyline der Hauptstadt Asunción

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Folklore: Tänzer auf einem Platz in Asunción

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Sattes Grün: Weite Landschaften in Paraguay

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Itaipú: Das weltgrößte Wasserkraftwerk der Erde

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"Hier ist meine Landebahn", sagt er und zeigt mit dem Kinn auf eine lange grüne Wiese. In einem Hangar steht seine Cessna. Daneben in einem künstlichen See lauern Krokodile. Hoeckle liebt exotische Tiere, südafrikanische Springböcke und namibische Zebras sind schon geordert.

Und immer wieder durchstreifen wir Zuckerrohrplantagen. Hoeckle gehört die größte Zuckerfabrik des Landes, die Azucarera Paraguaya. Trotzdem hat er Sorgen: "Ein Drittel des Zuckerkonsums wird von Schmugglern gedeckt", schätzt er. Deshalb baut er immer mehr Zucker organisch an. Den kann er exportieren.

Paraguay - das weiß in Südamerika jedes Kind - gilt als Land der Fälscher, Schmuggler und Steuerhinterzieher. Den Glauben, dass seine Heimat jemals ein korruptions- und schmuggelfreier Staat werden könnte, hat Hoeckle aufgegeben. Politiker sind für ihn "Banditen".

Carlos Walde (61) hört dies erwartungsgemäß nicht gern, denn er ist Politiker, Minister sogar, wenngleich ohne Geschäftsbereich. Wir sitzen in der Abenddämmerung auf der Terrasse seines Hauses, das so geschmackvoll - oder auch geschmacklos - eingerichtet ist wie jedes deutsche Schuldirektor-Richter-Zahnarzt-Einfamilienhaus, trinken lokales Baviera-Bier und essen Käse und Oliven. Auf dem Tisch liegen zwei Handys, die immer wieder klingeln.

Walde ist ein gefragter Mann. Seit zwei Jahren ist er Wirtschaftsberater des Staatspräsidenten Duarte und oberster Korruptionsbekämpfer. Vor seinem Anwesen steht ein Wachhäuschen, in dem ein Mann mit Maschinengewehr sitzt und nervös aufspringt, sobald der weiße BMW des Ministers herangleitet.

Eigentlich ist Walde erfolgreicher Unternehmer, Chef und Inhaber der Firma Chacomer mit rund 700 Beschäftigten. Er handelt, aber er stellt auch selbst her: Fahrräder, Motorräder. Und Walde ist ein Saubermann. Er schwört, dass er niemals schmutzige Geschäfte gemacht habe und dass er seine Millionen nicht in Montevideo, der Hauptstadt des Steuerparadieses Uruguay, bunkere wie so viele der hiesigen Geldaristokraten.

Mangelware Innenarchitekten

Walde ist Mitglied der mennonitischen Kirche, die einst in Mitteleuropa gegründet wurde. Rund 35.000 Mennoniten leben in Paraguay, viele von ihnen sind wirtschaftlich sehr erfolgreich.

Im Kabinett von Präsident Duarte sitzen gleich drei Mennoniten: Sie sollen der Regierung bei ihrem Kampf für Effizienz und gegen Korruption unterstützen. Kirchgänger Walde ist das personifizierte Reinheitsgebot: Er pflegt einen bescheidenen Lebensstil, und wenn er ausgeht, dann allenfalls in die Bayern Stube, wo das Bier 80 Cent kostet und auf den Teller etwas Süddeutsch-Deftiges kommt.

Von Extravaganzen hält Walde nichts - es sei denn, man zählt seine Schwärmerei für alte BMWs dazu: Er besitzt einen knallroten 2002er von 1972 und einen 3.0er von 1977. Allerdings bewegt er seine Oldtimer nur selten. Nicht aus Angst, allein wegen des Geredes: "Sonst heißt es doch nur: Guck mal, das hat der Minister von unserem Geld gekauft."

Auch D. Terbishdagva (49) ist Minister, zuständig für die Landwirtschaft. Und Unternehmer ist er auch, allerdings in der Mongolei. Wie Walde will Terbishdagva seinem Lande dienen und es aus seiner Rückständigkeit befreien, so weit es in seiner Macht steht. Weil es ihm in der Mongolei aber untersagt ist, als Politiker gleichzeitig Unternehmer zu sein, wird sein Firmenverbund TBD Anduud von seiner Frau Sodnomyn Baasankhuu (47) geführt.

Und die hat zurzeit ein kleines häusliches Problem: In der Mongolei, Heimstätte von Jurten und Plattenbauten, lassen sich partout keine Innenarchitekten auftreiben. "Schade", seufzt Sodnomyn Baasankhuu, schließlich will sie ihre schlossähnliche Villa angemessen möblieren. Deshalb blättert sie in den Schöner-Wohnen-Zeitschriften aus aller Welt.

Fotos von Einrichtungen, die ihr gefallen, schneidet sie aus und fliegt mit den Vorlagen ins Nachbarland China, wo die Weltmeister im Kopieren zu Hause sind: Ob griechische Säulen, antike Vasen oder Biedermeierstühle - die Chinesen liefern prompt und originalgetreu, auch wenn ihre Imitationen nicht allzu lange halten.

Bei den viel beanspruchten Fliesen hat sich Sodnomyn Baasankhuu deshalb gegen die Chinesen und für einen Fliesenleger aus Mittelfranken entschieden: Das Ehepaar Terbishdagva/Baasankhuu weiß deutsche Wertarbeit zu schätzen.

"Der Stern ist hier sehr begehrt"

Vielleicht ist das kein Wunder, beide haben in der DDR studiert. Dann kam die Wende, auch in der Mongolei. Die Marktwirtschaft brach herein. Die Zeit des Dealens begann - auch für die beiden.

Sie verkauften damals Stiefel von NVA-Soldaten an mongolische Viehzüchter, das Paar für drei Ziegen - deren Fleisch sie wiederum weiterverkauften. So floss Bargeld in die Kasse, und der Aufstieg ihres Firmenimperiums TBD Anduud begann. Heute gehört dazu eine Fleischfabrik, eine Bank, eine Versicherung und eine Beteiligung an einem Fernsehsender.

Das Büro von Sodnomyn Baasankhuu liegt in dem Gebäude, in dem sich auch Ulan Bators einziges SB-Warenhaus befindet, das auf drei Etagen indes allenfalls Kaufhallen-Niveau erreicht. Es gibt Lebensmittel (von Maggi bis Ritter Sport), Bekleidung (Hucke und Steilmann) und Schuhe (Lloyd).

Alle drei Monate kommen buddhistische Mönche zu Sodnomyn Baasankhuu - um zu beten: dass das Geld weiterhin so fließt und immer mal wieder reicht für ein neues Auto deutscher Produktion.

Laurenz Melchers (36) verkauft solche Karossen; seit acht Jahren handelt der Spross des bekannten Bremer Handelshauses C. Melchers in Ulan Bator mit Autos der Marke Mercedes.

Eine Straße voller Schlaglöcher führt zu seiner Firma Mongolian Star, die den Charme einer Hinterhofwerkstätte in Kreuzberg versprüht. Trotzdem bewachen zwei Sicherheitskräfte das düstere Areal rund um die Uhr. "Der Stern ist hier sehr begehrt", sagt Melchers.

Ein einsamer E 320 wartet in seinem Showroom, der normalerweise leer ist. Denn bestellt wird per Katalog, geliefert in fünf bis sechs Monaten, vorzugsweise in den mongolischen Lieblingsautofarben Dunkelblau, Silber und auch Gold.

Heimatverbundene Neureiche

Nebenbei vertreibt Melchers auch noch allerlei Handwerkszeug für den Bergbau und edle Getränke wie den Champagner Moët & Chandon und Cognac Hennessy. Eigentlich ist die Mongolei ein klassisches Wodkatrinker-Land. Doch Melchers sagt: "Leute, die hier angeben wollen, trinken Cognac." In der Karaoke-Bar geht die Flasche für rund 270 Dollar weg.

Weil die Neureichen zahlenmäßig wachsen und wachsen, fließt der Cognac und rollt der Mercedes - zur Freude Melchers. Die typische Auto-Kombi einer vermögenden Familie, sagt Melchers, sieht so aus: ein Mercedes 320 für ihn, eine A-Klasse für sie und ein Toyota Landcruiser für gemeinsame Ausflüge aufs Land, denn auch der Mongole mit Geld ist sehr heimatverbunden.

Jedes Jahr fährt N. Zorigt (51) mit seinem Jeep für ein paar Tage raus und besucht eine Gegend der Mongolei, die er noch nicht kennt.

Dann wird zünftig gezeltet und die vergorene Stutenmilch getrunken, ganz wie die umherziehenden mongolischen Nomaden es tun.

Sesshaft ist Zorigt freilich in Ulan Bator. Dort ist er Chef und Eigentümer der Tuushin Co., des größten Transportunternehmens des Landes. Daneben gehören ihm eine Bank und ein Hotel, nein zwei.

CO2-Emission einer Reise von Hamburg nach München (einfache Strecke) LFU-Rechner Atmosfair-Rechner Quarks Co.-Rechner

Flug ***

190 Kg

170 Kg

175 Kg

Bahn

50 Kg

k.A. **

62,5 Kg

Auto *

150 Kg

k.A. **

110 Kg

Kathedrale: Ein Buddhistischer Tempel in Ulan Bator

Kathedrale: Ein Buddhistischer Tempel in Ulan Bator

Foto: Greg Girard
Einkauf per Pferd: Vierbeiner als Fortbewegungsmittel

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Foto: Greg Girard
Leben in Jurten: Randbezirke der Hauptstadt

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Foto: Greg Girard
Freizeitbeschäftigung: Billard auf der Straße

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Foto: Greg Girard
Transportable Behausung: Sonnenbaden vor der Jurte

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Foto: Greg Girard
Selbstbewusst: Jugendliche auf dem Platz vor dem Kulturpalast

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Foto: Greg Girard

In einem von ihnen speisen wir zu Mittag. Es gibt Champagnercremesuppe, danach Steak mit Kartoffeln, und zwischen zwei Bissen bekennt Zorigt, und zwar auf Englisch, dass er gern ins französische Restaurant Ulan Bators geht und bei Kerzenschein diniert.

"Ich fühle mich als Europäer", bekennt er. Und so wie er denken viele in der mongolischen Oberschicht. Nein, Asien ist nicht unbedingt ihre Welt. Man schwärmt für das alte Europa, obwohl deren Metropolen sechs bis acht Flugstunden entfernt sind und nur von Aeroflot oder der mongolischen Airline Miat angeflogen werden.

Mit Wodka die Welt erobern

Zorigt reist viel, sowohl beruflich als auch privat: "Der laufende Dumme ist besser als der sitzende Weise." Getreu diesem Motto verbrachte er seine Urlaube bereits in Frankreich und Italien, auf Mallorca und am Waikiki-Strand von Hawaii.

"Ich brauche Wasser und Strand", sagt der Mongole, der sich im Winter mit Frost von minus 30 bis 50 Grad herumplagt. Seine Kinder hat er zum Studium in die USA geschickt.

Auch die beiden Sprösslinge von P. Batsaikhan (39) leben in Amerika, und zwar in Kalifornien: Der Sohn studiert, die Tochter besucht die Highschool. "Ich lege viel Wert darauf, dass sie eine gute Ausbildung genießen", sagt der Chef des größten mongolischen Getränkekonzerns, APU.

Batsaikhan selbst hat "nur" in der damaligen CSSR studiert. In den 80er Jahren war die Mongolei noch eingemauert im Comecon, und ein Studienplatz in einem sozialistischen Bruderland galt als hohe Auszeichnung.

Nach der Wende fing Batsaikhan - wie sein Bruder - sofort als Händler an. Er kaufte Klamotten in China und verhökerte sie in Russland. Später kauften sie die privatisierte APU. Eine wahre Geldquelle, denn gesoffen wird immer in der Mongolei, vor allem Bier und Wodka. Beide Märkte beherrscht APU.

Batsaikhan verdient glänzend. Er kauft seine Anzüge im Ausland und schwingt den Schläger auf Ulan Bators einzigem Golfplatz. Und der Mann, der einst einen Wolga GAZ 24 fuhr, leistet sich heute den Luxus, Autos zu sammeln: Mercedes-Fahrzeuge aller Klassen besitzt er schon; ein Porsche Cayenne ist gerade aus Zuffenhausen unterwegs. Sein Lieblingsstück ist freilich sein schwarzer Hummer mit 400 PS - in den USA als Gangsterschlitten verrufen.

Morgens um zehn Uhr fährt er damit in sein Büro, wo er an seinem Traum arbeitet: einer globalen Wodka-Marke. "Die Finnen haben es mit Finlandia und die Schweden mit Absolut geschafft, warum nicht auch wir?", fragt er.

Der Wodka, mit dem er die Welt erobern will wie einst Dschingis Khan, heißt Chinggis Khaan. "Nun machen wir es ihm nach", sagt Batsaikhan und sieht dabei kurze Zeit so finster entschlossen aus wie der Namensgeber seiner künftigen Weltmarke.